Der Aufstieg in den Jahreswagen, große Namen und Damen in der DTM, die Diskussionen um Marketing & Regeln: Susie Stoddart im Dialog mit der adrivo Sportpres

Für 2008 steht dir der lang ersehnte Jahreswagen zur Verfügung. Wie gut konntest du dich schon vom 2005er- auf den 2007er-Mercedes umstellen?
Susie Stoddart: Das ist schwer zu sagen - zuletzt bin ich das 2005er-C-Klasse im letzten Jahr in Hockenheim gefahren. In Mugello habe ich zum ersten Mal Erfahrungen im 2007er-Auto gesammelt; dazwischen lagen also mehr als vier Monate. Aber das neue Auto hat sich für mich nach der ersten Eingewöhnung sehr gut angefühlt. Wegen des Wetters konnte man natürlich nicht immer so arbeiten, wie man das geplant hatte.

Erst am letzten Testtag hattet ihr für einige Zeit komplett trockene Bedingungen. Wie ist da die Testarbeit verlaufen?
Susie Stoddart: Im Trockenen ist es nicht ganz nach Wunsch gelaufen, wir hatten ein paar Probleme beim Reifen-Setup. Wir haben beim Speed das Potenzial noch nicht ganz genutzt. Aber insgesamt bin ich an den drei Testtagen sehr viel gefahren und konnte meine Erfahrungen sammeln.

Konntest du einen ersten Vergleich zur Konkurrenz ziehen?
Susie Stoddart: Das ist schwer, denn in Mugello sind natürlich die meisten nicht am Limit gefahren; auch die Menge und Platzierung der Bleigewichte war sicherlich bei allen verschieden. Ich habe mich auf mein Auto und meine Mannschaft konzentriert. Mehr wissen wir erst in Hockenheim.

Wie hattest du zuvor deine Winterpause verbracht?
Susie Stoddart: Ich habe sehr hart trainiert und mich besonders ausgiebig auf die Saison vorbereitet. Beim Trainingsprogramm gibt es für mich zwischen Sommer und Winter große Unterschiede. In der Winterpause konzentriere ich mich zunächst sehr viel auf das Krafttraining und den Aufbau der Muskulatur.

Ein kompletter Winter im Kraftraum... ?
Susie Stoddart: Ganz so schlimm war es nicht (lacht). Seit Februar mache ich wieder verstärkt Ausdauertraining, in dem ich viel laufe und Rad fahre. Ansonsten gab es so viel Freizeit leider nicht, nur über Weihnachten, Neujahr und in der ersten Januarwoche habe ich mit meiner Familie Urlaub gemacht. Es standen auch noch Marketing- und PR-Termine wie beispielsweise der "Ball des Sports" an. Ansonsten habe ich viel Zeit beim Deutschlernen und Trainieren verbracht - es gab immer was zu tun. Es war eine lange Winterpause, und ich freue mich, wenn sie vorbei ist.

Mit Ralf Schumacher stößt ein prominenter Neuzugang in die DTM und pilotiert wie du einen Vorjahres-Mercedes - was war dein erster Eindruck von ihm?
Susie Stoddart: Ich hatte leider noch nicht so viel Kontakt zu ihm, denn wir haben in Mugello natürlich mit unterschiedlichen Teams gearbeitet - er fährt für Mücke, ich für Persson. Insgesamt hat er beim Testen aber wohl einen guten Job gemacht und lebt sich sehr gut im Team ein. Trotzdem wird das erste Jahr in der DTM sicher hart für ihn werden.

Sind aus deiner Sicht große Namen wie Mika Häkkinen und nun Ralf Schumacher für die DTM zwingend notwendig?
Susie Stoddart: Wir müssen ehrlich sein - es ist wichtig für die DTM, dass er in der Serie kommt, denn er vor allem in Deutschland hat einen sehr großen Namen. Er war hinter seinem Bruder Michael der erfolgreichste deutsche Formel-1-Fahrer. Insofern wird er der DTM sehr gut tun.

Glaubst du, dass genug für das Marketing der fahrerischen Eigengewächse der Serie getan wird?
Susie Stoddart: Alle schauen immer aufs Marketing, wollen selbst als Fahrer gut vermarktet werden oder die Serie gut vermarkten. Für mich ist das Marketing in der DTM nicht das Wichtigste. Ich glaube auch, dass bei Ralf Schumacher nicht das Marketing im Vordergrund steht - er ist schließlich nicht der erste Fahrer, der aus der Formel 1 in die DTM kommt.

Bestand in Mugello schon Gelegenheit zum Austausch mit deiner neuen Audi-Kollegin Katherine Legge?
Susie Stoddart: Nein, in Mugello hatte ich leider keine Zeit, mit anderen Fahrern zu sprechen - außer mit meinen Teamkollegen Gary Paffett und Mathias Lauda. Sie ist schwer einzuschätzen, und für mich ist Katherine auch nicht die einzige Konkurrenz. Vielleicht ist sie schneller als Vanina - wir werden sehen.

Wie bewertest du die Einführung der Boxenstoppfenster?
Susie Stoddart: Ich sehe in den Fenstern Vor-, aber auch Nachteile. Es ist positiv, dass alle Fahrer innerhalb von vielleicht vier oder fünf Runden ihren Boxenstopp absolvieren müssen. Allerdings hat das Team Persson bei den Stopps drei Autos abzufertigen, die anderen Teams nur zwei - das kann für uns ein kleiner Nachteil sein. Trotzdem freut es mich für die Fans, für die es die Rennverfolgung am TV und auf den Tribünen einfacher macht.

Was sind nun nach deinem Aufstieg in den Jahreswagen deine Ambitionen für 2008?
Susie Stoddart: Ich habe in den letzten Jahren immer gesagt, dass ich den ersten Punkt einfahren will - und habe es leider nicht geschafft. In diesem Jahr will ich einfach an jedem Rennwochenende bestmögliche Arbeit leisten und hoffe, dass dabei Punkte herausspringen. Aber ich mache mir keinen unnötigen Druck.

Schielst du dennoch auf das Podest, nachdem Gary Paffett im Vorjahresauto selbst einen Sieg einfahren konnte?
Susie Stoddart: Klar ist das ein Traum, aber ohne bisher einen Punkt auf dem Konto zu haben, will ich mir erst einmal keinen Podestplatz zum Ziel setzen. Das erste Ziel sind die Top Ten. Ich will mich weiterhin an jedem Rennwochenende verbessern, und wer weiß, was nach den Erfahrungen aus 2007 in den Rennen wieder alles passieren kann...

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