Reglementarisch gebündelte Boxenstopps, ein neuer Warm-up-Modus: Die Regeländerungen finden bei den Piloten positives Feedback - mit Ausnahmen.

Oft liegen Politik und Motorsport nah beieinander - nicht nur in der hoch politisierten Formel-1-Welt. Während in der Politik immer wieder Bürokratieabbau angekündigt wird, bevor sich der Paragraphendschungel erneut ausweitet, soll es künftig auch in der DTM transparenter zugehen. Das erhoffte Allheilmittel: Zusätzliche Regeln, die von den Piloten bislang überwiegend positiv beurteilt werden. Doch nicht jede Neuerung stößt bei den DTM-Protagonisten auf Begeisterung.

"Die Regeländerungen für die kommende Saison sehe ich mit gemischten Gefühlen. Die Änderungen beim Warm-up sind nichts Halbes und nichts Ganzes", kritisiert Timo Scheider im Gespräch mit der adrivo Sportpresse. Mit der Neuregelung geht der Wegfall des bisherigen Warm-ups und eine zwanzigminütige Aufwärmphase unmittelbar vor dem Rennen einher - wobei in die letzten zehn Minuten nur noch über die Boxengasse volle Runden absolviert werden können. "Am Sonntag unmittelbar vor dem Rennen kann es sich niemand mehr leisten, sein Auto auf Herz und Nieren zu testen. Das Risiko, dass etwas kaputtgeht, ist viel zu groß."

Anders als das neue Warm-up stößt die Einführung der Boxenstoppfenster auf viel Zustimmung bei den Fahrern - war sie doch von einem Großteil der Piloten schon 2007 gefordert worden. "Niemand kann mehr zwei extrem frühe Boxenstopps einlegen, unbemerkt seine Runden fahren und dann am Ende plötzlich ganz vorne sein", spielt Bruno Spengler uns gegenüber auf den für viele irritierenden Paffett-Sieg in Oschersleben 2007 an. Scheider fügt an: "Die ganz extremen Strategien werden wir nicht mehr sehen, die Jahreswagen können endlich nicht mehr zu Blockadezwecken genutzt werden - und stattdessen ohne Einschränkungen ihr eigenes Rennen fahren."

Ein Aspekt, von dem auch Susie Stoddart profitiert. Sie war 2007 gelegentlich mit Rennstrategien konfrontiert, die für manch einen Markenkollegen günstiger waren als für sie selbst. Nach ihrem Aufstieg vom Mücke-Gebrauchtwagen in ein Persson-Vorjahresfahrzeug sieht sie mit Blick auf die neuen Boxenregeln jedoch auch einen Wermutstropfen: "Es ist positiv, dass alle Fahrer innerhalb von vielleicht vier oder fünf Runden ihren Boxenstopp absolvieren müssen. Allerdings hat das Team Persson bei den Stopps drei Autos abzufertigen, die anderen Teams nur zwei - das kann für uns ein kleiner Nachteil sein."

Nachdem die Änderungen für 2008 beschlossene Sache sind, beginnen naturgemäß die Diskussion um Neuerungen für das 2009er-Reglement. So hat Timo Scheider mit Blick auf die wenig bejubelten Warm-up-Regeln bereits einen Korrekturvorschlag parat: "Wenn es ums Kostensparen geht, hätte ich vorgeschlagen, den Roll-out komplett zu streichen und die Freitagstrainings um jeweils eine halbe Stunde zu kürzen. So hätte man am Freitag mit insgesamt zwei Stunden noch genug Gelegenheit gehabt zu testen - unter Beibehaltung des früheren Warm-ups..."

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