Katherine Legge tritt das Erbe Vanina Ickx\' mit Selbstbewusstsein an. Die Britin kann in der DTM mehr gewinnen als verlieren...

So wenig ein DTM-Debüt selbst für gestandene Ex-Formel-1-Piloten zu unterschätzen ist: Ein allzu schweres Erbe ist es nicht, das Katherine Legge als Nachfolgerin von Vanina Ickx bei Futurecom TME antritt. Zu offensichtlich waren die massiven Probleme der im Langstreckenboliden durchaus erfolgreichen Belgierin gewesen - zu sehr scheiterte Ickx an ihrer eigentlich so sympathischen Fähigkeit zur Selbstkritik. Am Ende zeigte sich die Tochter des sechsfachen Le-Mans-Siegers Jacky Ickx zwar stolz, Teil der DTM-Welt gewesen zu sein - aber zugleich auch froh, selbst einen Schlussstrich unter das wenig erfolgreiche DTM-Kapitel ziehen zu können. Die Belastung der immer wiederkehrenden Rückschläge im Audi-Gebrauchtwagen hatten Vanina Ickx mental zugesetzt.

Das weibliche Geschlecht stand bei Audi im Anforderungsprofil für die Ickx-Nachfolge - doch abgesehen davon scheinen Katherine Legge und Vanina Ickx wenig gemein zu haben. Auf die mit 1,55 Meter recht zierliche und eher zurückhaltende Ickx folgt mit der Britin Legge ein Kontrastprogramm. Vier Jahre in den fernen USA - davon die letzten beiden in der weltweiten Ausgabe der ChampCar-Serie - haben Legge Selbstbewusstsein verliehen. Mit den Gesamträngen 16 und 15 im dicht besetzten Feld präsentierte sie sich als die erfolgreichste Dame in der US-amerikanischen Königsklasse - und ist dennoch froh, nach Europa zurückkehren zu können.

"So weit, so gut" - so lautete das kurze Fazit der 27-Jährigen zu den ITR-Testfahrten in Mugello, die sie weitest gehend ohne Probleme bestritt. Nachdem sich Legge bei der Audi-Fahrersichtung zu Beginn des Jahres noch dem Konkurrenzdruck ihrer zahlreichen Mitbewerberinnen um das Ickx-Erbe stellen musste - und die Nerven behielt -, hatte die Britin in Mugello erstmals Gelegenheit, ihren neuen Dienstwagen in Ruhe zu studieren. "Für mich war in Mugello die Aufgabe, mich an die verschiedenen Testformate und Streckenvarianten zu gewöhnen. Wir haben einen Testplan, den wir streng abarbeiten."

Ebenso wie die meisten ihrer Kollegen hielt sich Katherine Legge aus allzu ehrgeizigen Zeitenjagden heraus - und feilte mehr oder minder unfreiwillig an ihren Regenkünsten. "Während meiner Testzeit waren die Streckenbedingungen immer sehr unkonstant - das hat die Arbeit schwierig gemacht. Aber es kann nicht schaden, Erfahrung unter wechselnden Wetterbedingungen zu sammeln", trug Legge die widrigen Bedingungen gegenüber der adrivo Sportpresse mit Fassung.

Doch nachdem einst ihre Vorgängerin Vanina Ickx die zu geringe Vorbereitungszeit auf ihre erste DTM-Saison moniert hatte, sieht auch Legge die Gefahr eines Testdefizits: "Es ist nicht zwingend ein Nachteil, mit Wetterbedingungen wie diesen konfrontiert zu sein. Aber für die Saisonvorbereitung wäre es schön, mehr Testerfahrung auf trockener Strecke sammeln zu können." Mit insgesamt 105 Runden gehörte Legge am Ende zu den fleißigeren Mugello-Testern - und verspürte durchaus Fortschritte im Umgang mit ihrem 2006er-Boliden.

"Ich muss mich immer noch an den Audi A4 gewöhnen, aber mit jedem Mal, dass ich fahre, fühle ich mich wohler", zieht die Engländerin insgesamt eine positive Bilanz, "es macht unheimlich viel Spaß, dieses Auto zu fahren, und eigentlich fühle ich mich schon jetzt bereit für die Saison." Nach einer ChampCar-Saison 2007, die für sie auf der Strecke scherbenreicher, aber weniger erfolgreich verlief als nach ihrem fulminanten Debüt erhofft, hat sie in der DTM mehr zu gewinnen als zu verlieren. Zwar eilt Rückkehrern aus dem motorsportlichem US-Exil in Europa kein ungetrübter Ruf voraus. Dieser jedoch wurde zumindest in der Formel 1 erst kürzlich von ihrem einstigen ChampCar-Kollegen Sébastien Bourdais deutlich aufgebessert...

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