Nach seinem Siechtum bei Toyota wittert Ralf Schumacher die Chance zur Imagepolitur. Der zweite DTM-Test für Mercedes endete mit gegenseitigen Komplimenten.

Nach Jahren des schleichenden Abstiegs in der Formel 1 lernt Ralf Schumacher wieder, was Aufstieg bedeutet: Hatte der einstige Toyota-Pilot seinen ersten DTM-Test noch in jenem 2006er-Mercedes bestritten, den im vergangenen Jahr Mathias Lauda pilotierte, so sammelte er bei seinem jüngsten Test in Estoril diesmal Erfahrungen in der C-Klasse des Jahrgangs 2007. Erstmals seit seinem letzten Rennen für BMW-Williams 2004 saß der Kerpener damit in einem Siegerauto - war es doch ausgerechnet jene C-Klasse, mit der sein potenzieller Vorgänger Mika Häkkinen 2007 in Klettwitz und Mugello triumphierte. Im Rahmen seiner beiden DTM-Tests ist Ralf Schumacher aufgeblüht, wie auch Norbert Haug bestätigt.

"Er hat Riesenspaß und bringt sich voll in die Testarbeit ein, genießt dabei alle Sympathien im Team und erhält dessen volle Unterstützung in seiner DTM-Lernphase", beschreibt Haug gegenüber der adrivo Sportpresse die auch für Schumacher neue Harmonie, der zuletzt bei Toyota teamintern unter Beschuss gekommen war. Vom Mercedes-Sportchef erntet Schumacher jenes Lob, das er 2007 im Hagel spöttischer Schlagzeilen vermisste. "Seine Rundenzeiten werden immer besser", beobachtete Haug, der ein unterstelltes "Nachsitzen" für Schumacher als Grund des zweiten Tests zurückweist: "Ralf braucht jeden Kilometer, um seinen Erfahrungsrückstand in einem DTM-Auto aufzuholen, deshalb der neuerliche Test in Estoril."

Am Steuer des früheren Dienstwagens von Mika Häkkinen bekam in der Tat auch Schumacher jene Phänomene zu spüren, mit denen einst der Finne konfrontiert war. "Man muss mit einem DTM-Auto unglaublich präzise fahren und stets voll und ganz konzentriert sein. Der kleinste Rutscher kostet dich gleich ein Zehntel. Aber ich muss sagen, ich fühle mich bei dieser Herausforderung pudelwohl", bilanziert der Rheinländer, der bereits erste Liebeserklärungen an den 480 PS starken Mercedes abgibt: "Ich lerne mit jeder Runde dazu und habe eine Menge Spaß in der C-Klasse."

Wenig Neues gibt es weiterhin mit Blick auf mögliche Vertragsverhandlungen. "Wie und ob es mit einem möglichen DTM-Engagement bei AMG Mercedes weitergeht, wird erst nach den Tests in Estoril besprochen, so haben Norbert und ich das ausgemacht", sind Schumacher und Haug weiterhin im Schweigen vereint. So bleiben die Gerüchte um die Wahl des Fahrzeugjahrgangs, wonach der sechsfache Grand-Prix-Sieger nicht zwingend bereits 2008 das von Mika Häkkinen verwaiste Neuwagencockpit übernehmen könnte - und zunächst mit dem 2007er-Modell vorlieb nehmen müsste.

Auch das mögliche Gehalt Schumachers wird zwar in den Boulevardmedien weiterhin gerne thematisiert, dürfte jedoch die Vertragsverhandlungen kaum zum Scheitern verurteilen: Der 32-Jährige hatte zum Ende des vergangenen Jahres gar mit dem Gedanken eines weiteren F1-Jahrs beim finanzschwachen Spyker-Nachfolger Force India gespielt.

Nicht nur mit Blick auf ein weniger üppiges Gehalt schlösse sich für Ralf Schumacher der Kreis seiner Motorsport-Karriere. So wäre für ihn das DTM-Umfeld ebenso wenig wie für seinen Bruder Michael, der bei Mercedes auf eine kurze und wenig ruhmvolle DTM-Karriere zurückblickt, völliges Neuland: "Schließlich habe ich in meiner ADAC Junior- und Formel 3-Zeit einige Jahre im DTM-Rahmenprogramm verbracht."

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