Das DTM-Feld der Saison 2008 hat deutliche Formen angenommen. Nur TME-Teamchef Kolles kann noch für Überraschungen sorgen...

Mit der heutigen Präsentation des neunköpfigen Audi-Werksfahrerkaders hat Dr. Wolfgang Ullrich das Rennen um die schnellste Fahrersuche gewonnen. Norbert Haug wird in Kürze auf Platz zwei landen. Und TME-Teamchef Dr. Colin Colles, der anders als Haug und Ullrich nicht über neun, sondern lediglich über ein Cockpit entscheidet, nimmt sich wie gewohnt alle Zeit der Welt. Doch der drittplatzierte Kolles kann allein nicht verhindern, dass das 19 Fahrzeuge starke DTM-Starterfeld der Saison 2008 schon mehr als nur Konturen angenommen hat...

Die Neuwagen - Di Resta neu im Club

Die Ernte Paul Di Restas in der Saison 2007 ging weit über Vorschusslorbeeren hinaus - in Form von vier Podestplätzen im 2005er-Mercedes. Seine beachtlichen Erfolge aus dem Vorjahr verhelfen dem Schotten höchstwahrscheinlich zum Aufstieg in einen aktuellen HWA-Mercedes, wo er allerdings durchweg auf alteingesessene Neuwagenpiloten treffen wird: Das Abt-Audi-Quartett aus Mattias Ekström, Martin Tomczyk, Timo Scheider und Tom Kristensen bleibt unverändert. Bernd Schneider und Bruno Spengler sind bei HWA gesetzt, auch Jamie Green dürfte nach seiner fulminanten Spätzündung mit zwei Siegen in den letzten beiden Läufen 2007 sein Cockpit behalten. So wird der an schlechten Tagen wenig gesprächige Mika Häkkinen zwar nicht durch einen Ex-Formel-1-Star ersetzt, dafür jedoch immerhin durch einen auch an guten Tagen wenig kommunikativen Youngster...

Gemessen an seinen Leistungen im Gebrauchwagen dürfte Di Resta auch im HWA-Neuwagen von Beginn an an der Spitze mitmischen - ein Vorhaben, das auch Green, Scheider und Kristensen haben. Während der zweifelsohne schnelle Engländer seine vierte Chance im Neuwagen rechtfertigen muss, will sich der 2007 erst in der zweiten Saisonhälfte zur Hochform auflaufende Scheider diesmal sofort als Titelkandidat ins Gespräch bringen. Kristensen waren die Spätfolgen seines schweren Crashs beim Saisonstart 2007 auch in der Endphase der Saison noch anzumerken gewesen. 2008 muss der Däne beweisen, dass er jene Form zurückgewinnen kann, die ihn vor zwei Jahren zum alleinigen Zugpferd bei Audi machte.

Die Jahreswagen - 8 Youngsters & ein F1-Veteran

Traditionell hat sich bei der Besetzung der Jahreswagencockpits weit mehr getan als in Neuwagenreihen: Christian Abt, Lucas Luhr und Daniel La Rosa haben die DTM verlassen - Oliver Jarvis, Markus Winkelhock und Ralf Schumacher nehmen ihre Plätze ein. Während Rosberg-Pilot Winkelhock an der Seite von Mike Rockenfeller nach seinem Einspringen für Tom Kristensen und Adam Carroll 2007 bei Audi eine sichere Bank ist, dürfen die Leistungen Jarvis\' und Schumachers mit Spannung erwartet werden:

In Formel-Serien zeigte der 24-jährige Oliver Jarvis stets viel versprechende Leistungen. Nun muss sich der Brite im Phoenix-Jahreswagen an der Seite von Alexandre Prémat behaupten, den nicht nur Dr. Wolfgang Ullrich in einer ähnlichen Liga wie Paul Di Resta sieht. Ralf Schumacher wird im Jahreswagen mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Susie Stoddart, Mathias Lauda und Gary Paffett treffen. Dem britischen Ex-DTM-Champion wäre es vermutlich eine Freude, Schumacher wenn schon nicht bei Formel-1-Rennen, so doch in der DTM bezwingen zu können...

Lustiges Fahrerraten mit Dr. Kolles

Ein Fragezeichen steht hinter der Besetzung des fünften Mercedes-Jahreswagens: Alexandros Margaritis kämpft noch um sein seit drei Jahren angestammtes Vorjahres-Cockpit, muss sich jedoch Gerüchten zufolge mit dem potenziellen Neueinsteiger Maro Engel duellieren, der bei Testfahrten überzeugte. Nach der Bekanntgabe des neunköpfigen Werksfahrerteams der Ingolstädter steht wie gewohnt die Besetzung des zweiten Futurecom-TME-Boliden, über die traditionell das Team selbst entscheidet, in den Sternen: Aufschluss werden wohl die ersten ITR-Testfahrten geben, wo Teamchef Colin Kolles 2007 unauffälligerweise Adam Carroll fahren ließ, ihn jedoch noch längst nicht als Stammbesetzung bestätigen wollte. Auch Ickx-Nachfolgerin Katherine Legge darf gespannt sein...

"An einem Mangel an Interessenten konnten wir uns wahrlich nicht beklagen", bilanziert Audi-Motorsportchef Dr. Wolfgang Ullrich. "Es haben auch viele Fahrer mit großen Namen bei uns angeklopft, was zeigt, wie interessant Audi und die DTM sind." Eine Anspielung auf die frühe, viel kritisierte Absage an Ralf Schumacher? Allzu deutlich betont Audi, Tom Kristensen sei in Dänemark ähnlich populär wie Michael Schumacher in Deutschland. Doch tatsächlich wird der Mercedes-Fahrerkader mit Ralf Schumacher erneut mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen als die Audi-Mannschaft - Ullrichs Bekundungen zum Trotz: "Ich bin sicher, dass wir einen Fahrerkader haben, der sehr hohe Sympathiewerte besitzt und bei den Audi Fans gut ankommen wird..."

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