Im DTM-Benz hat Alex Margaritis seit Monaten nicht mehr gesessen. Stattdessen verhandelt er um die Zukunft - der Grieche im Dialog mit der adrivo Sportpresse.

Wie hast du bisher die drei Monate seit Saisonende verbracht?
Alexandros Margaritis: Man tut das, wozu man im Sommer während der Saison nicht immer Zeit hat. Ich trainiere sehr viel, baue die Fitness weiter auf, unternehme etwas mit Freunden, fahre in Urlaub und verbringe viel Zeit mit meiner Freundin.

Inwieweit bist du zurzeit ins DTM-Geschäft eingebunden?
Alexandros Margaritis: Ich bin seit dem letzten Rennen nicht mehr im Auto gesessen. Ich war auf vielen Events und Presseterminen gewesen. Die Entwicklung läuft hauptsächlich bei den Neuwagen ab. Als Jahreswagenfahrer kann man im Winter nur trainieren und an sich selbst arbeiten. Von Mercedes-Seite bin ich zurzeit kaum eingebunden.

Was sind deine Argumente bei der erneuten Bewerbung um ein Mercedes-Cockpit?
Alexandros Margaritis: Ich war sechs Mal in zehn Rennen in den Punkten; nur in Mugello habe ich einen großen Fehler gemacht, mit denen ich mir mein Rennen selbst zerstört habe. Ansonsten war ich meist in den Top Ten und oft auch bester Vorjahreswagenfahrer. Mit zwei vierten Plätzen kann ich zufrieden sein, einmal hätte ich vielleicht auch aufs Treppchen kommen können. Allerdings ist in den Rennen, in denen ich nicht ausgefallen bin, auch sonst kaum jemand ausgefallen; in den Rennen, in denen ich ausgeschieden bin, sind auch viele andere ausgeschieden. Zehnter in der Gesamtwertung zu sein, ist in Ordnung. Gary Paffett war in der Endabrechnung zwar ein paar Punkte vor mir, aber so viel kann ich über das Jahr hinweg nicht verkehrt gemacht haben.

Möglicherweise hast du 2008 zum vierten Mal in Folge nur einen Jahreswagen zur Verfügung. Ein Problem für die Motivation?
Alexandros Margaritis: Zum einen sind wir in der stärksten Tourenwagenserie der Welt unterwegs. Zum anderen ist es schwer, im Jahreswagen Rennen zu gewinnen - und das ist Ziel eines jeden Rennfahrers. Wenn man von vorn herein nicht die Möglichkeit hat, um die Meisterschaft zu kämpfen, ist das aber ehrlich gesagt schon etwas demotivierend. Man muss die Motivation aus dem Vergleich mit den anderen Jahreswagenfahrern beziehen und dies als interne Meisterschaft sehen.

Was ist dein Stand bei den Vertragsverhandlungen mit Mercedes?
Alexandros Margaritis: Ich habe für dieses Jahr noch nicht unterschrieben. Ich muss schauen, anderswo unterzukommen, sollte es für mich in der DTM nicht weitergehen. Darüber mache ich mir jetzt allerdings noch keine Gedanken. In den nächsten zwei Wochen steht die Entscheidung bevor.

Als wie hoch schätzt du generell deine Chancen auf ein weiteres DTM-Jahr ein?
Alexandros Margaritis: Die Chancen stehen gut, wir führen nach wie vor Verhandlungen. Ich würde gern bei Mercedes weiterfahren - und ich hoffe, dass wir eine gemeinsame Lösung finden, mit der beide Seiten zufrieden sind. Wenn das nicht funktionieren sollte, habe ich trotzdem drei schöne Jahre in der DTM gehabt.

Als Jahreswagenpilot warst auch du im vergangenen Jahr ebenso wie deine Kollegen von Blockadevorwürfen betroffen. Was sollten die Verantwortlichen tun, um das Strategieproblem rund um die beiden Boxenstopps zu entschärfen?
Alexandros Margaritis: Die DTM hat in den letzten Jahren immer wieder Regeländerungen gefunden, die die Rennen spannender gemacht haben. Die Leistungsdichte zwischen den Jahrgängen ist höher denn je, und man muss sich Jahr für Jahr Gedanken machen, wie man die Rennen für die Zuschauer noch interessanter macht. Der Zuschauer will Überholmanöver sehen - keine Prozessionen, weil die Aerodynamik das Überholen unmöglich macht. Was die Boxenstopps angeht, so will niemand Blockaden haben - weder Audi noch Mercedes. Zurzeit wird über ein Boxenstoppfenster nachgedacht, und ich glaube, das ist auch nötig.

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