Die grassierende Blockadetaktik, für die sich 2007 die Jahreswagenpiloten wiederholt hergeben mussten, stößt auch bei Timo Scheider nicht auf Gegenliebe.

Um Kuriositäten war die DTM in der vergangenen Saison bekanntlich nicht verlegen. So gehörten auch die Auftritte der Jahreswagenpiloten zu den eher paradoxen Beobachtungen: Auch bedingt durch das modifizierte Gewichtsreglement präsentierten sich die Vorjahresboliden so stark wie nie zuvor - und belegten beinahe wie selbstverständlich Podestplätze. Und doch kam ihnen zum Ende der Saison mehr denn je jene Rolle zu, die sie bereits in der Vergangenheit innehatten: Auffallend häufig schienen Jahreswagenpiloten beider Lager von suboptimalen Rennstrategien geplagt zu sein - die sie auffallend häufig direkt vor die Neuwagen der gegnerischen Marke katapultierten...

Als Teamplayer hat sich Timo Scheider bei Audi seit 2006 einen reichhaltigen Erfahrungsschatz erworben. Mehr als nur einmal gab er in den beiden vergangenen Saisons aussichtsreiche Positionen für einen Markenkollegen auf. Doch die rennstrategischen Interpretationen des Sportlichen Reglements stießen mit Blick auf die Kollegen in den 2006er-Boliden selbst dem leidgeprüften Lahnsteiner auf. "In diesem Jahr ist sicherlich der eine oder andere Rennverlauf durch die unterschiedlichen strategischen Möglichkeiten, die den Teams offen standen, zerstört worden", bekräftigt auch Scheider gegenüber der adrivo Sportpresse den Tenor einer zu geringen Transparenz vieler Rennen der vergangenen Saison.

Dann spricht der Abt-Audi-Pilot in aller Deutlichkeit aus, was man in der DTM lange nur hinter vorgehaltener Hand erwähnte. "Die Rennen der Jahreswagenpiloten, die so nicht die für sie besten Strategien fahren konnten, wurden teilweise kaputtgemacht", kritisiert Scheider, der eine steigende Beliebtheit der Blockadetaktik beobachtete: "Teilweise wurden die älteren Autos genutzt, um Verkehr für die Neuwagen der Gegner zu erzeugen. Es kann nicht sein, dass man als einer der schnelleren Fahrer dem eigentlichen Rennen mit vorgezogenen Boxenstopps aus dem Weg gehen muss, um nicht auf Vorjahresfahrzeuge aufzulaufen."

Mit Blick auf eine Verhütung der grassierenden Blockadetaktik will Scheider nicht auf die komplette Streichung der Pflichtboxenstopps bestehen, wie sie bereits beim Saisonfinale in Hockenheim diskutiert wurde. Handlungsbedarf sieht er für die kommende Saison dennoch: "Vielleicht sollte es nur einen Boxenstopp geben, vielleicht zwei mit Zeitfenster - wobei auch hier immer einer der beiden Fahrer eines Teams leicht benachteiligt wäre..."

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