Persönlich verfehlte Ansprüche 2007, insgesamt gestiegene Ansprüche in zwei Jahrzehnten DTM: Bernd Schneider zieht im Dialog mit der adrivo Sportpresse Bilanz.

Wie lautet deine bisherige Saisonbilanz?
Bernd Schneider: Die Saison war eindeutig nicht zufrieden stellend. Es gibt Zeiten, in denen es besser läuft, und Zeiten, in denen es schlechter läuft. Und es gibt Zeiten, die durchwachsen sind - so wie diese Saison. Ich hatte einige gute Rennen, aber auch so manche Nullrunde. Und die dürfen nicht passieren, wenn man um die Meisterschaft fahren will.

Wie bewertest du die Arbeit der neuen Rennleitung?
Bernd Schneider: Für die Rennleitung ist es immer schwer, einen perfekten Job zu machen. Gegenüber einem Schiedsrichter auf dem Fußballplatz haben sie sicherlich den Vorteil, mehr Zeit für ihre Entscheidungen zu haben. Aber letztlich gibt es zu jedem Unfall zwei Ansichten. Damit muss sich die Rennleitung auseinandersetzen.

Ist in der DTM zuletzt aus deiner Sicht zu hart gefahren worden?
Bernd Schneider: Solange man sich nur leicht berührt, ist das in Ordnung. Aber in Zandvoort wurde unfair gefahren, und das war nicht akzeptabel. Lackaustausch ist das eine, dem Gegner von hinten in die Beine zu grätschen das andere. Hier muss eine Rennleitung eine klare Linie zeigen und in jeder Situation mit gleichem Maß messen.

Wurde in der alten DTM härter, aber fairer gefahren?
Bernd Schneider: Wir diskutieren seit 20 Jahren über die gleiche Frage, allerdings haben wir heute höhere Ansprüche. Vor 15 Jahren gab es in der DTM noch viel mehr Hobby-Rennfahrer und Hobby-Teams. Es ging auch bei der Rennleitung weniger professionell zu. Die heutigen Ansprüche an die Rennleitung sind wesentlich höher.

Was sagst du zum Thema Stallorder?
Bernd Schneider: Wenn man ein Team von zehn Fahrern hat, wird es immer Stallorder geben. Die Frage ist: Wann macht Stallorder Sinn, wann ist sie überflüssig? Sinn macht sie, wenn man alles dafür tun muss, um noch Meister zu werden. Wenn man sie nicht braucht, um Meister zu werden, macht sie keinen Sinn. Im letzten Jahr gab es keine Stallorder zu meinen Gunsten, niemand ist für mich vom Gas gegangen, da man bei Mercedes der Meinung war, dass Stallorder zum Titelgewinn nicht nötig ist. Die Fans akzeptieren Stallregie, wenn sie sehen, dass es das letzte Mittel ist, um die Meisterschaft noch zu gewinnen.

Konntest du die Stallorder von Audi in Zandvoort verstehen?
Bernd Schneider: Es war nicht ganz nachvollziehbar, weil sie es in ihrer damaligen Meisterschaftsposition nicht nötig hatten. So dominant wie Audi in Zandvoort und zuvor in Mugello war, konnten die Zuschauer diese Entscheidung nicht verstehen. Sollten aber die gewonnenen zwei Punkte für Tomczyk in Hockenheim Ausschlag gebend sein, werden sie sagen: Gott sei Dank haben wir so entschieden.

Inwieweit ist man als Fahrer selbst bereit, in einer solchen Situation seine Position zu Gunsten des Titelanwärters aufzugeben?
Bernd Schneider: Das kommt auf die Charaktere der einzelnen Fahrer an. Manche sind Teamplayer, manche nicht. Ich war noch nie ein richtiger Teamplayer [lacht].

Wie oft bist du noch in deiner saarländischen Heimat?
Bernd Schneider: Meiner Mutter zufolge bin ich viel zu selten im Saarland. Zurzeit bin ich jedoch wieder öfter in St. Ingbert, weil wir Ende Oktober eine Charity-Veranstaltung zum Wiederaufbau der St.-Josefs-Kirche haben, die im Juli bei einem Großbrand beschädigt wurde. Dabei will ich helfen, so gut es geht.

Welche Hobbys hast du als Ausgleich zur DTM?
Bernd Schneider: Zum Abschalten habe ich in erster Linie meine Familie. Es ist schwer genug, meine Familie an einen Tisch zu bringen, weil zwei meiner Kinder in Köln leben. Wenn ich meine drei Kinder zusammenbringen will, mache ich das meistens im Saarland bei meinen Eltern. Diese Zusammenkünfte sind ein Highlight für die ganze Familie. Ansonsten spiele ich gerne Golf und gehe abends gelegentlich Kart fahren. Und es tut gut, einfach zu relaxen - einfach einen Tag lang nichts zu tun.

Welche Serien würden dich neben der DTM reizen?
Bernd Schneider: Mich interessieren nur die Serien, in denen sich Mercedes-Benz engagiert: Formel 1, DTM und die Formel 3 Euro Serie.

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