29 Rennen musste Jamie Green warten - erst dann gelang der Sieg. Im Gespräch mit der adrivo Sportpresse reflektiert der Brite seine Entwicklung.

Im letzten Jahr war das Qualifying deine Paradedisziplin, in diesem Jahr wartest du noch auf eine Pole Position. Woran liegt\'s?
Jamie Green: Die Reifen und das Auto sind anders als im letzten Jahr. Ich hatte Schwierigkeiten, das Potenzial des Autos im Qualifying auszuschöpfen. Das Griplevel hat sich verglichen mit dem letzten Jahr verändert. Die Reifen sind über die Distanz konstanter geworden - das hat ihre gesamte Charakteristik verändert. Meine Rennperformance ist in diesem Jahr besser geworden, meine Qualifying-Performance hingegen schlechter. Es ist eine Schande, dass ich beim Zeitfahren insgesamt nicht mehr so stark bin wie 2006. Aber es gab einige Rennen, die für mich eigentlich sehr aussichtsreich waren: In Oschersleben war ich im Rennen in einer sehr guten Position, bevor ich eine Durchfahrtsstrafe wegen des Vorfalls mit Vanina Ickx bekommen habe. In Brands Hatch bin ich die schnellste Qualifying-Runde von allen gefahren, bevor die rote Flagge geschwenkt wurde. Das zeigt, dass ich nach wie vor gute Arbeit auch im Qualifying leisten kann. Ich habe das Potenzial, gute Qualifyings zu fahren, gut zu starten und gute Long Runs hinzulegen - aber das muss regelmäßiger zusammenkommen.

Insgesamt also eine eher enttäuschende Saison für dich?
Jamie Green: Die Ergebnisse waren schlecht, aber meine Long-Run-Performance war oft sehr gut. Es ist nicht alles schlecht in dieser Saison - auch wenn es von außen so scheinen mag. Das muss ich akzeptieren und künftig zeigen, was in mir steckt. Ich war schon immer ein schneller Fahrer, und das hat sich nicht geändert. Ich gebe nicht auf.

Wenn du deine drei DTM-Jahre im Gesamten reflektierst: Wie siehst du deine Entwicklung?
Jamie Green: Für das Publikum mag es so wirken, als hätte ich mich nicht weiterentwickelt. Ich glaube jedoch, dass ich mich gerade dort weiterentwickelt habe, wo es im Rennen nötig ist. 2005 und 2006 lagen mir die Reifen und das Auto; es ist mir leicht gefallen, meinen natürlichen Speed vor allem im Qualifying zu zeigen. In diesem Jahr ist das nicht der Fall. So scheint es, als hätte ich mich verschlechtert. In Wirklichkeit liegt mir die Kombination aus Auto und Reifen nicht so gut wie zuvor. Selbst bei sehr erfahrenen Fahrern ist zu beobachten, dass ihnen in bestimmten Jahren die Charakteristik des Fahrzeugs nicht gut liegt. Auch sie schreibt man deshalb nicht ab. Und siehe da, in Barcelona konnte ich dann meinen ersten DTM-Sieg feiern. Das hat richtig gut getan.

Haben sich deine Probleme mit der neuen Reifengeneration im Saisonverlauf verringert?
Jamie Green: Ja. In Zandvoort ist mir das Qualifying missglückt, weil ich neben die Strecke geraten bin - nicht, weil ich dort keine gute Runde hätte hinbekommen können. Auf dem Nürburgring war ich nur eine Zehntelsekunde langsamer als der schnellste Mercedes-Pilot, war jedoch nur Sechster in der Startaufstellung. Es ging so eng zu, dass ich selbst von der Pole Position gar nicht so weit entfernt war.

Was war für dich das Highlight deiner bisherigen DTM-Karriere?
Jamie Green: Liegt seit kurzer Zeit ganz klar auf der Hand: Mein erster Sieg beim vergangenen DTM-Rennen in Barcelona. Bis dahin war das schwer zu sagen. Aber meine beste Runde habe ich 2006 in Zandvoort hingelegt. Wir waren 20 Kilogramm schwerer als die Audis, und trotzdem habe ich erneut die Pole Position eingefahren. Ich war wesentlich schneller als alle meine Teamkollegen. An diese Runde erinnere ich mich besonders gerne, wie aber auch an die anderen Pole Positions. Zum anderen gibt es negative Erinnerungen wie schlechte Starts, oder das Rennen auf dem Norisring 2006, wo ich in Führung lag und mit Christian Abt kollidiert bin - ein Albtraum. Es ist schwierig, solche Rückschläge zu verarbeiten, aber man muss sie wegstecken und auf der Strecke noch stärker zurückkommen.

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