Die DTM kehrt zurück in geordnete, aber nicht langweilige Verhältnisse - zumindest bis zum morgigen Sonntag...

Das Chaos von Barcelona setzt sich bisher nicht fort, die DTM scheint eine Wiederauferstehung hin zu geordneten Verhältnissen zu feiern - ohne dabei die Zuschauer zu langweilen. Ein Qualifying mit einigen Wendungen bildet die Basis für das alles entscheidende Rennen, während im Hintergrund leise, aber durchaus nicht uninteressante Töne zu vernehmen sind...

Auferstehung des dänischen Routiniers

Einem gelungenen Norisring-Comeback sowie einer beeindruckenden Vorstellung in Le Mans zum Trotz: Dass Tom Kristensen nach seinem Unfall bislang nicht mehr der Alte war, war kaum abzustreiten. Zu sehr hatte die 2006 noch tadellose Konstanz Kristensens gelitten; zu sehr musste er sich mühen, zu seinem alten Fitnesslevel zurückzufinden. "Ich kämpfe noch immer mit den Symptomen, und die Pole Position ist Balsam für die Seele. Meine Tage sind noch etwas kürzer, außerdem habe ich Kopfschmerzen - manchmal habe ich das Gefühl, als hätte ich Luft in meinem Kopf", berichtet Tom Kristensen von den Spätfolgen seines Startunfalls beim Hockenheimer Saisonauftakt, bei dem er ein mittelschweres Hirntrauma erlitten hatte.

Beim morgigen Rennen will Kristensen den Spagat zwischen seiner Rolle als Teamplayer sowie seiner persönlichen Rehabilitation schaffen. "Es ist eine gute Ausgangsposition für das letzte Rennen, aus der ich das Beste machen will. Ich schaue natürlich vor allem auf die Meisterschaft für Mattias oder Martin. Ich bin alt genug, um Beides zu versuchen", kündigt der Meisterschaftsdritte von 2005 und 2006 an - und auch Alexandre Prémat, damals zweiter Leidtragender des folgenschweren Chrahs, zeigt sich optimistisch: "Es sollte möglich sein, einen guten Start zu haben und die letzten Punkte der Saison zu sammeln. Ich fürchte mich nicht vor dem Rennen..."

Standhafte Ingolstädter

Dem gewachsenen Druck, ausgelöst durch den Rückschlag von Barcelona, aber auch durch die hohe Erwartungshaltung nach den Ergebnissen des Freitags, hielten die Ingolstädter stand. Zwar haderte Martin Tomczyk mit Setup-Problemen, nachdem sich die Lufttemperatur vom freien Training bis zum Qualifying um fünf Grad erhöht hatte. Doch trotz eines fünften Rangs ließ der Bayer kaum Zweifel daran, dass ihm der erste DTM-Titel auf seiner Leib- und Magenstrecke fahrerisch nach wie vor zuzutrauen ist. Die Probleme des Rosenheimers kamen Mattias Ekström durchaus gelegen, der auf Rang drei die Dreifach-Pole der Audi-Boliden komplettierte - und so zum ersten Mal seit Zandvoort ein würdiges Qualifying-Ergebnis einfuhr.

Für Bruno Spengler, auf Startplatz sechs hinter vier Audi-Boliden platziert, spitzt sich die Lage zu. "Es war ein relativ gutes Qualifying; ich bin zufrieden. Meine Zeit war relativ gut, ich habe keine Fehler gemacht. Die anderen waren einfach ein bisschen schneller. Für morgen ist noch alles drin", versucht der Kanadier jedoch durchaus glaubwürdig, einen kühlen Kopf zu bewahren, "das Rennen ist lang, das Auto sollte im Rennen gut sein." Zumal Spengler seit dem vergangenen Jahr weiß, wie man ein Saisonfinale souverän für sich entscheidet...

Auferstehung der leisen Töne

Von ausufernden Verbalduellen wie noch in Barcelona war an diesem Samstag nichts zu hören. Es regierten die leisen Töne. "Diese zwei Zehntel sind ein Handicap", konnte sich Norbert Haug den unvermeidlichen Hinweis auf die Gewichtstabelle nicht verkneifen - obwohl aus Mercedes-Reihen auch gewichtsbereinigt lediglich Jamie Green auf Pole Position hätte stehen können. Das Lob des Mercedes-Sportchefs an den Briten klang dennoch eher frostig: "Die Leistung von Jamie war schon okay angesichts der zehn Kilogramm, die wir zuladen mussten..."

Lediglich Mika Häkkinen machte Barcelona noch einmal zum Thema. "Es ist etwas anderes, ob die Reifen blockieren und man von hinten auf jemanden auffährt, oder ob man Seite an Seite liegt und jemand, während deine Reifen blockieren, in dein Auto lenkt", sieht der Finne, der morgen statt von Platz 14 von Rang 20 startet, die Schuld an der spanischen Berührung unverändert bei Martin Tomczyk, "ich kann nicht in den Spiegel schauen und sagen: \'Mika, du bist ein schlechter Fahrer, das ist deine Schuld, du hast die Geldstrafe und die Rückversetzung verdient.\'"

Die Frustration Häkkinens darüber, nach einer hervorragenden ersten Saisonhälfte mit dem Titelkampf nichts mehr zu tun zu haben, ist verständlich - zumal dieser auch sprachlich durchaus interessante Früchte trägt. "Wichtig ist, dass es morgen für Mattias und Eki eine gute Strategie gibt", unterlief Timo Scheider ein ganz besonderer Versprecher - der freudschen Art? Dürfen Martin und Tomczyk morgen nicht mit einer adäquaten Rennstrategie rechnen? Eine Unterstellung, die eher abwegig wäre, nachdem auch das Audi-interne Titelduell noch längst nicht entschieden ist: Selbst Mika Häkkinen räumt seinem seit Wochen in Hochform befinlichen Unfallgegner Tomczyk bei weitem keine schlechteren Titelchancen ein als seinem internen Rivalen Ekström...

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