Mika Häkkinen fühlt sich zu Unrecht an den Pranger gestellt - und stellt die Sinnfrage.

Es war ein sehr frustrierender Tag für Mika Häkkinen. Als einziger aller Neuwagen-Piloten schaffte es der Finne nicht bis ins Q3. "Die Probleme haben schon gestern begonnen. Wir haben von gestern auf heute Modifikationen vorgenommen, aber wir haben letztlich nicht die korrekte Abstimmung gefunden", erklärte Häkkinen. "Im Qualifying bin ich auf Platz 14 gelandet, und dass ich durch die Strafe von Barcelona nun ganz hinten stehe, macht mich natürlich nicht glücklich."

Das Rennen hat der Mercedes-Pilot unter diesen Vorraussetzungen gedanklich schon abgeschrieben. "Es ist eine frustrierende Situation. Es fällt mir schwer, mich zu motivieren. In Mugello habe ich von Platz 15 gewonnen - das kann passieren. Aber ich wünsche mir nicht, dass vor mir 18 Autos in einen Startcrash verwickelt werden und ich dadurch gewinne."

Für die fehlende Lust macht der Ex-Formel 1-Weltmeister jedoch weniger seine mäßige Performance an diesem Wochenende verantwortlich. Vielmehr wurmt ihn die Kollision mit Martin Tomczyk in Barcelona, die zu Häkkinens Rekordstrafe führte. Denn für ihn war die Schuldfrage keineswegs so klar, wie es in der Öffentlichkeit dargestellt wurde. "Ich bin enttäuscht über die Entscheidung der Sportkommissare. Ich habe die Szene unzählige Male auf Aufzeichnungen gesehen. Ich konnte nicht mehr einlenken, dafür hat mein Konkurrent in mein Fahrzeug hineingelenkt", sagte Häkkinen. "Es ist etwas anderes, ob die Reifen blockieren und man von hinten auf jemanden auffährt, oder ob man Seite an Seite liegt und jemand, während deine Reifen blockieren, in dein Auto lenkt."

Auch mit Tomczyk selbst habe er geredet, doch auch der habe sich unnachgiebig gezeigt, was die Frage der Schuld angeht. So überlegt der Finne, ob er sich unter solchen Vorraussetzungen noch ein weiteres Jahr DTM antun soll. "Wir haben noch keine Entscheidung für 2008 getroffen, aber bereits lange darüber geredet. Zurzeit finde ich meine Situation nicht motivierend. Ich finde es nicht motivierend, eine Strafe für einen Überholversuch zu bekommen, bei dem der Gegner in mich hineingefahren ist. Ich kann nicht in den Spiegel schauen und sagen: \'Mika, du bist ein schlechter Fahrer, das ist deine Schuld, du hast die Geldstrafe und die Rückversetzung verdient.\'", sagte Häkkinen.

Zumal das nicht das einzige Mal gewesen sei, dass sich der 39-jährige betrogen gefühlt habe. Denn ausgerechnet bei seinem stärksten Rennen in diesem Jahr, seinem Sieg in der Lausitz, wurden aufgrund des Safety-Car-Chaos nur die Hälfte der Punkte vergeben. Auch darüber ärgert sich Häkkinen noch: "Man leistet gute Arbeit - und bekommt die Hälfte der Punkte abgezogen."

Copyright: adrivo Sportpresse GmbH