Die Audi-Piloten freuen sich über die gute Ausgangsposition für den Meisterschaftsendspurt. Jamie Green freut sich über sein bestes Qualifying seit langem.

Es gab wohl keinen, der es Tom Kristensen nicht gönnte, bei der Pole-PK den Platz in der Mitte einzunehmen. Beim Saisonauftakt in Hockenheim begann mit seinem Horrorunfall eine lange Leidenszeit für den Dänen, doch keine sechs Monate später holte sich Kristensen an gleicher Stelle die Pole-Position für das Finale. "Ich bin froh, den Unfall überlebt zu haben, aber auch, noch einmal zurückgekommen zu sein", bekannte Kristensen, der immer noch nicht ganz wiederhergestellt ist. "Ich kämpfe noch immer mit den Symptomen, und die Pole Position ist Balsam für die Seele. Meine Tage sind noch etwas kürzer, außerdem habe ich Kopfschmerzen - manchmal habe ich das Gefühl, als hätte ich Luft in meinem Kopf", erzählte er.

Doch heute war ihm davon nichts anzumerken. "Für mich war es wichtig zu zeigen, dass ich den Speed noch habe - auch für meine Mannschaft. Wir haben nach der ersten Session gespürt, dass die Rennstrecke wärmer geworden ist. Dann haben wir den Luftdruck der Reifen etwas reduziert. Nach meiner späteren Pole-Runde habe ich die folgende Runde abgebrochen, um für morgen einen Satz Reifen zu sparen." Beste Vorraussetzungen also für den ersten Saisonsieg des 40-jährigen. Wichtiger wird allerdings sein, dass am Ende auch die Meisterschaft an einen Audi-Piloten geht. "Morgen ist erst das Rennen, deshalb werde ich jetzt nach vorne schauen, aber morgen muss ich auch nach hinten schauen", ist sich Kristensen dessen bewusst.

Auch Timo Scheider war mit seinem zweiten Startplatz sehr zufrieden. Denn nach dem freien Training hatte er nicht unbedingt mit dieser Leistung gerechnet. "Wir haben mit dem Grip gehadert. Ich wusste nicht, ob die Setup-Änderungen vom freien bis zum Zeittraining die richtigen waren. Am Ende ist es toll für uns Drei gelaufen", freute er sich. Zumal er auch mit den seinen Longruns am Freitag sehr zufrieden war.

Nach schwierigem Beginn in seinem erstem Jahr als Audi-Neuwagenpilot kommt Scheider immer besser in Fahrt. Anfang der Saison habe er viel Pech gehabt, erklärte er. "Außerdem musste ich mich an meinen neuen Renningenieur gewöhnen. Seit Mugello geht es jedoch steil bergauf - ich setze auf das nächste Jahr", so der 28-jährige. Morgen will sich Scheider, genau wie Kristensen ganz in den Dienst der Mannschaft stellen. "Es wird immer so sein, dass ich mit einem Auge in den Rückspiegel schauen muss", sagte der zweite Abt-Pilot in der ersten Reihe pflichtbewusst.

Mattias Ekström hörte sich das gerne an. Für ihn wurde der dritte Platz durch die reine erste Audi-Reihe fast schon zu einer Pole. "Ich habe nach der ersten Runde in der Session drei nicht daran geglaubt, noch auf Platz drei zu kommen. Dann haben wir kleine Abstimmungsänderungen vorgenommen - und das Auto war traumhaft", schwelgte der Meisterschaftsfavorit und hatte zugleich noch ein dickes Lob für Tom Kristensen parat. "Ich finde toll, dass Tom trotz seines Alters und des Unfalls ganz vorne stehen kann. Er hat gezeigt, dass er einer der Spitzenfahrer in der DTM ist." Trotz der allgemeinen Jubelstimmung bei den Ingolstädtern, weiß auch Ekström, dass er den Titel noch keineswegs sicher hat. "Es kann unheimlich viel passieren, das haben wir in Barcelona geshen - ich hoffe, dass diesmal weniger passiert?

Als bester Mercedes-Pilot war der Vierte des Qualifyings, Jamie Green geladen. "Es ist schön, wieder hier zu sein. Es war ein schweres Jahr für mich, aber ich fühle, dass ich wieder besser performe. Ich war nahe an P1, aber auch wenn es nicht ganz geklappt hat, war ich sehr zufrieden mit meiner Performance", sagte Green, der letztes Jahr als Pole-König noch Dauergast der Samstags-PK war. In diesem Jahr konnte der Brite jedoch selten glänzen. "Die Charakteristik der Reifen ist in diesem Jahr anders und natürlich haben wir ein neu entwickeltes Auto. Deshalb haben sich die Anforderungen für eine schnelle Runde etwas geändert. In der letzten Saison hatte ich wirklich ein gutes Verständnis dafür, in diesem Jahr fehlte mir das ein bisschen", erklärte Green.

Seinen Grundspeed habe er allerdings nicht verloren. "In Brands Hatch bin ich im Q3 auch die schnellste Runde gefahren, die aber wegen einer roten Flagge nicht zählte. Es zeigt, dass ich den Speed durchaus hatte, ich hab es aber nicht zusammen gebracht." Nach seinem Sieg in Barcelona vor der Wochen kann Green aber wieder befreit auffahren. "Es ist sehr frustrierend, wenn man nicht das leisten kann, was alle erwarten. Manchmal versucht man es dann mit der Brechstange und es wird nur noch schlechter. Dieser Druck ist jetzt von mir abgefallen", so der HWA-Pilot. "Hoffentlich kann ich jetzt die Rennen wieder mehr genießen und bessere Leistungen zeigen."

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