Ihre Gegner sahen sie meist nur im Rückspiegel, ihre DTM-Karriere genoss sie dennoch: Vanina Ickx blickt im Dialog mit der adrivo Sportpresse zurück.

Welche Fortschritte hast du in deinen zwei DTM-Jahren erzielen können?
Vanina Ickx: Um das zu wissen, müsste ich mich in ein anderes Auto setzen und herausfinden, wie ich damit zurechtkomme. In dieser Saison war meine Position oft dieselbe. Meine Rundenzeiten haben sich vielleicht leicht verbessert, aber nicht genug verglichen mit den anderen DTM-Fahrern. Es waren definitiv die beiden härtesten Jahre meiner Rennkarriere. Sicherlich habe ich in meinen 20 DTM-Rennen viel gelernt, aber das kann ich nicht quantifizieren.

Was waren für dich die Highlights?
Vanina Ickx: Die beiden Qualifyings unter nassen Bedingungen, 2006 in Barcelona und in diesem Jahr auf dem Norisring, waren meine Highlights. Dort konnte ich in die zweite Qualifying-Session einziehen.

Wie schwer ist dir als langjährige Langstreckenpilotin der Einstieg in die DTM gefallen?
Vanina Ickx: Es war erwartungsgemäß schwierig. Und offenbar war der Schritt sehr groß, ich war nicht umfassend auf diese Herausforderung vorbereitet. Sowohl im Auto als auch außerhalb des Autos ist die DTM eine völlig andere Welt als der Langstreckensport. Aber ich bin stolz darauf, die Herausforderung angenommen und in der Audi-Familie zu Ende geführt zu haben; das war sicher die größte Chance, die ich im Motorsport je hatte und haben werde. Es war eine schöne Zeit.

Hast du dir vor dem Saisonstart 2007 eine größere Steigerung erhofft?
Vanina Ickx: Ich habe definitiv eine größere Steigerung erwartet, aber der 2005er-Audi war etwas schwieriger zu fahren als sein Vorgänger. Ich war sehr unglücklich darüber, wenn mir im Rennen Fehler passiert sind und ich von der Strecke abkam. Insgesamt war es ein enttäuschendes Jahr.

Inwiefern unterscheidet sich der 2005er-A4 von seinem Vorgänger?
Vanina Ickx: Es ist ein ganz anderes Chassis; die Balance ist schwerer zu finden. An die Abstimmung des Fahrzeugs muss man ganz anders herangehen als beim 2004er-Audi.

Wie hast du es empfunden, zur Audi- und TME-Familie zu gehören?
Vanina Ickx: Es war die beste Zeit, die ich je erlebt habe. Als ich meinen Audi-Vertrag unterschrieben habe und 2006 in die DTM einstieg, habe ich mich wie eine Prinzessin gefühlt, und ich fühle mich immer noch wie eine Prinzessin. Es ist ein Traum, professionelle Audi-Werksfahrerin zu sein.

Hättest du dir von den restlichen Fahrern im Feld mehr Respekt erhofft?
Vanina Ickx: Respekt ist etwas, das man sich erarbeiten muss. Mit meiner Performance konnte ich in den Rennen nie wirklich mitfahren, ich war meist nur Zuschauer am Ende des Feldes. Für einen Fahrer ist das sehr frustrierend; ich konnte mir meinen Respekt hier nicht erarbeiten. Ich hätte auf der Strecke einfach stärker und schneller sein müssen.

Welche Vor- und Nachteile haben Frauen im Motorsport verglichen mit ihren männlichen Kollegen?
Vanina Ickx: Frauen sind attraktiv für den Motorsport, und das ist auch der Grund, warum Susie Stoddart und ich in der DTM sind. Allerdings muss man sich den Respekt im Motorsport noch härter erarbeiten als Männer.

Kennst du andere Rennfahrerinnen, die vielleicht deinen Platz einnehmen könnten?
Vanina Ickx: Es gibt sicherlich viele. Wenn man sich in der Formel 3 umschaut, gäbe es da sicher Kandidatinnen.

Was sind deine eigenen Pläne für 2008?
Vanina Ickx: Mein Plan ist es, noch keine Pläne zu haben. Ich weiß noch nicht, ob ich im nächsten Jahr weiterhin Rennen fahren werde. Ich werde demnächst ein Gespräch mit Dr. Ullrich haben.

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