Es hätte überrascht, wäre es anders gewesen: Nach der Niederlage im Qualifying fanden Fahrzeuge und Fahrer zur gewohnten Hockenheim-Form zurück.

"Wir haben wieder gezeigt, wer Herr im Haus ist." So lautete nach dem Rennen das Fazit von HWA-Cheftechniker Gerhard Ungar, dessen Schmerz um den verlorenen Titelkampf durch die Rennperformance seiner Fahrzeuge auf dem Hockenheimring gelindert wurde. Nach der überraschend deutlichen Qualifying-Niederlage der Stuttgarter auf ihrer Heimstrecke war durchaus noch mit einem Ass im Mercedes-Ärmel zu rechnen - und es wurde gezogen...

Die Fahrer: Jamie Green ist zur lang erwarteten Höchstform aufgelaufen - und präsentiert sich so, als wäre er seit Jahren mit nichts anderem als DTM-Rennsiegen beschäftigt. "Ich bin innen hineingestochen und ging an Ekström vorbei - wobei er sich in seiner Situation natürlich auch extrem vorsichtig in diesem Zweikampf verhalten hat. Das war mein Vorteil", berichtet Green vom Ursprung seiner Rennführung, die er fortan souverän verwaltete.

Mit zahlreichen beherzten Überholmanövern bewies Bruno Spengler, dass auch er ein würdiger DTM-Meister geworden wäre, während sich Bernd Schneider auf einer Augenhöhe mit seinem kanadischen Kollegen präsentierte. Den fahrerischen Tiefpunkt seiner DTM-Karriere erlebte Mika Häkkinen: Augenscheinlich lustlos ließ sich der vom letzten Platz gestartete Finne selbst von Markus Winkelhock im 2005er-Audi überholen - und landete auf Platz 17. In Reihen der älteren Jahrgänge überzeugten Alexandros Margaritis und Paul Di Resta mit den Plätzen sieben und acht. Sie stellten ihre über die gesamte Saison zu beobachtende Konstanz erneut unter Beweis.

Die Strategie: Mit zwei späten Boxenstopps gelang es dem Stuttgarter Kommandostand problemlos, Sieger Jamie Green aus sämtlichem Verkehr herauszuhalten. Mit der Reaktion auf die Audi-Rennstrategien tat man sich hingegen schwer: Immer wieder liefen Bernd Schneider und Bruno Spengler auf Tom Kristensen, Mike Rockenfeller und Co auf - und sehen sich unfairen Manövern von Audi ausgesetzt. "Audi hat auch hier die alten Autos lange draußen gelassen, bis ihnen in der Sprit ausging. Ich habe viel Zeit hinter Prémat und Rockenfeller verloren und musste große Risiken eingehen, um die Jahreswagen zu überholen. Das war so nicht vereinbart", erregte sich der am Ende viertplatzierte Spengler.

Die Neuwagen: Schon während des Warm Ups war Jamie Green nur knapp an Martin Tomczyks Bestzeit gescheitert - im Rennen fand die aktuelle Mercedes C-Klasse zur gewohnten Hockenheim-Form der Stuttgarter zurück. Trotz eines Gewichtsnachteils von zehn Kilogramm drehte Green die schnellste Runde des Rennens; Spengler untermauerte die Performance des 2007er-Mercedes mit einer ähnlichen Zeit. Die gestern im Qualifying teils noch vorhandenen Grip-Probleme waren Vergangenheit - außer bei Mika Häkkinen. Der heute erschreckend schwache Finne klagte über ein Fahrzeug, mit dem er in keiner Weise zurechtkam.

Mücke & Persson: Zwar ging die schnellste Rennrunde eines Jahreswagens an Audi; mithalten konnten jedoch trotz leichten Gewichtsnachteils sowohl die Persson- als auch die Mücke-Piloten. Mit den Rängen sieben und acht wurden die besseren Startplätze der älteren C-Klassen in Ergebnisse umgesetzt. Bei Mücke und Persson profitierte man davon, weitest gehend aus taktischen Spielchen zu Gunsten der Neuwagen herausgehalten zu werden. Am Ende durfte das Persson-Team aus Margaritis und Gary Paffett einen weiteren Erfolg feiern: Mit 36,5 Punkten belegte das Team um Ingmar Persson Rang vier in der Teammeisterschaft - weit vor der 2006er-Konkurrenz und unmittelbar hinter den beiden HWA-Mannschaften...

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