Noch vor wenigen Wochen schien Jamie Green auf das Aus seiner DTM-Karriere hinzusteuern. Nun ist er dort angelangt, wo er schon seit Jahren hätte sein wollen.

Als Spätstarter konnte sich Jamie Green heute gleich in doppelter Hinsicht bezeichnen: Nicht zum ersten Mal in seiner Karriere legte der Brite einen eher mäßigen Start hin - bevor er dann zur Höchstform auflief. Und nachdem er nach den ersten Rennen dieses Jahres bereits abgeschrieben worden war, befindet sich Jamie Green endlich dort, wo er schon nach seinem Formel-3-Titel 2004 möglichst schnell hätte sein wollen: Auf der obersten Stufe des DTM-Podests. Anders als noch in Barcelona, wo sein erster DTM-Sieg im allgemeinen Eklat unterging, sorgt Green mit seinem Sieg diesmal für Furore - soweit dies zeitlich parallel zur Titelentscheidung zu Gunsten Mattias Ekströms möglich ist.

"Es ist verrückt, nun mein drittes DTM-Jahr zu beenden, zweieinhalb Jahre kein Rennen zu gewinnen und nun innerhalb von drei Wochen zwei Siege einzufahren", zeigt sich auch Green selbst im Gespräch mit der adrivo Sportpresse durchaus überrascht über die positive Wendung seines Motorsportschicksals. Der HWA-Pilot ist durchaus stolz darauf, seinen zweiten Triumph keineswegs in der Boxengasse eingefahren zu haben: "Ich bin überglücklich; ich habe alle meine Gegner auf der Strecke überholt. Ich war glücklich mit meiner Performance, das Auto hat perfekt funktioniert."

Ein erstes Mal stellte Green seinen Biss bereits in Runde drei zum Beweis, als er sich vorbei in Tom Kristensen auf Position zwei vorarbeitete. "Als das Safety-Car die Strecke verließ, habe ich Tom Kristensen in der Haarnadelkurve überholt; dann lag ich einige Runden mit konstantem Rückstand hinter Mattias Ekström", beschreibt der Engländer, der mit seinem Sieg noch überraschend Meisterschaftsvierter wurde. Dass Ekström während des folgenden Zweikampfes weit mehr zu verlieren hatte als er selbst, bemerkte Green durchaus:

"Plötzlich war ich einige Zehntelsekunden schneller als er. Als wir die Parabolika hinunterfuhren, habe ich die Initiative ergriffen, denn ich wollte nicht rundenlang hinter im warten", schildert Jamie Green. Vom späteren Champion bekam er keine allzu harte Gegenwehr zu spüren: "Ich bin innen hineingestochen und ging vorbei - wobei er sich in seiner Situation natürlich auch extrem vorsichtig in diesem Zweikampf verhalten hat. Das war mein Vorteil. Ich habe die Führung übernommen und konnte leicht wegziehen."

Nach dem Rennen auf dem Nürburgring, wo er den Schweden im Kampf um Platz vier allzu leicht vorbeiziehen ließ, war Green teamintern noch in einer äußerst schwachen Position gewesen. Er habe Mercedes keinen guten Dienst erwiesen, gestand Green - zum damaligen Zeitpunkt der Saison noch ohne jeden Podestplatz auf dem Konto. Nun dürfte Jamie Green starke Argumente haben, wider Erwarten ein weiteres Jahr im HWA-Mercedes starten zu dürfen: "Wir werden meine Zukunft in den nächsten Monaten diskutieren."

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