Für Alexandre Prémat begann die Saison mit einem Albtraum. Nun begräbt er zu Gunsten der DTM selbst F1-Träume, wie er gegenüber der adrivo Sportpresse verrät.

Was ist es für ein Gefühl, der einzige Franzose in der DTM zu sein?
Alexandre Prémat: Zunächst einmal bin ich froh, überhaupt in der DTM zu sein und mein Talent zeigen zu können. Es gibt einfach nicht genug gute französische Fahrer. Da gibt es neben mir noch Sébastien Bourdais, der 2008 sein Formel-1-Debüt gibt. Aber die Formel 1 ist einfach nicht das Richtige für mich - sie ist mir viel zu kommerziell. Die DTM ist eine große, starke Serie, und wenn ich mich als Nachfolger von Laurent Aiello und Jean Alesi etablieren kann, wird das meiner Karriere sehr gut tun.

Wie siehst du deinen Saisonverlauf?
Alexandre Prémat: Mein Start in die Saison hätte durch den Crash natürlich nicht schlechter sein können. Ich habe im Anschluss viel Reha-Maßnahmen und Sport gemacht, um so schnell wie möglich zurückzukommen. In Mugello und am Norisring hatte ich ein sehr gutes Qualifying, doch leider sind wir im Mugello-Rennen über das Safety-Car-Reglement gestolpert. Wir haben uns innerhalb des Teams lange zusammengesetzt und überlegt, wie wir besser werden können. In Zandvoort ist es dann auch sehr gut für uns gelaufen - wir hatten es endlich geschafft, alles auf den Punkt zu bringen und ein Paket zu schnüren, das mich aufs Podium gebracht hat. Insgesamt habe ich noch Probleme mit der Konstanz: Mal bin ich im Rennen gut und im Qualifying schlechter, mal umgekehrt. Zudem kann ich mich noch nicht so recht auf die unterschiedlichen Fahrzeuggewichte einstellen. Daran muss ich noch arbeiten und einfach mehr Gefühl dafür bekommen - aber das ist nicht so einfach.

Was hast du darüber hinaus gelernt, was musst du noch verbessern?
Alexandre Prémat: Ich habe mich erst mal darauf einstellen müssen, in einem Werksteam zu arbeiten. Es war eine neue Erfahrung für mich, auch für andere Fahrer bzw. einen Konstrukteur zu fahren und ihnen zum Titel zu verhelfen. Wie die Abläufe im Rennen und im Qualifying aussehen, kannte ich ja schon aus meiner Zeit in der GP2 und anderen Serien. Jetzt muss ich nur noch versuchen, meine gute Performance konstant zu halten und wieder ein perfektes Wochenende wie in Zandvoort hinzulegen.

Wie hast du dich nach deinen Jahren im Formelsport auf das DTM-typische Zweikampfverhalten eingestellt?
Alexandre Prémat: Das war wirklich nicht leicht. Ich war es aus den Formelserien nicht gewohnt, so hart ranzugehen. Besonders mit Gary Paffett ist der Zweikampf eine Herausforderung: Vielleicht habe ich es damals auf dem Lausitzring im Duell mit ihm etwas übertrieben und war zu optimistisch. In der GP2 muss man am Start vorsichtig sein und versucht alles, um sich nicht zu berühren. In der DTM fährt man hingegen von Anfang an Tür an Tür. Ich muss ehrlich sagen, dass ich es immer noch nicht so richtig mag, wenn es zu hart zur Sache geht. Aber ein wenig Lackaustausch ist schon okay.

Du bist bisher nur in kleinen Teams mit einem Teamkollegen gefahren. Ist es für dich ein großer Unterschied, in einem Werksteam zu starten?
Alexandre Prémat: Natürlich ist das ein Unterschied, aber die Zusammenarbeit mit den Teamkollegen sieht nicht viel anders aus. Wie auch in den Formelklassen tausche ich die Daten und Setup-Einstellungen mit meinen Teamkollegen aus. Ich fühle mich bei Audi sehr wohl und glaube, dass ich mit der Unterstützung von Audi und den anderen Fahrern noch Einiges erreichen kann.

Christian Abt - nur dein Teamkollege oder auch ein Mentor für dich?
Alexandre Prémat: Christian ist ein sehr großes Vorbild für mich, er ist ein unheimlich schneller Fahrer. Er hat mir erzählt, dass er lange Zeit mit seinen Teamkollegen aus verschiedenen Gründen nicht glücklich war. Ich hingegen sei umgänglich und sage, was ich will. Wir sind ein perfektes Team, das sehr gut zusammenarbeitet. Er hat mir besonders zu Beginn viel erklärt und weitergeholfen. Von ihm habe ich viel gelernt - vor allem, dass man immer wieder versuchen muss, sich selbst zu verbessern. Es ist wirklich sehr schade, dass er seine DTM-Karriere beendet.

In Zandvoort hast du den Sieg an Martin Tomczyk abgegeben. Wie schwer war das für dich?
Alexandre Prémat: Es war eine einfache Entscheidung, den Sieg an Martin abzugeben. Wir verstehen uns untereinander sehr gut - daher war das kein Problem für mich. Zudem bin ich in meinem ersten Jahr bei Audi, wollte beweisen, dass man auf mich setzen kann, und mein Möglichstes dazu beitragen, dass Audi den Titel gewinnt. Natürlich ist es schöner, wenn man nicht in dieser Form in den Rennverlauf eingreifen muss. Aber manchmal geht es nicht anders. Außerdem gab es in Zandvoort keine Teamorder im eigentlich Sinne: Wir haben uns zuvor mit Martin, Eki und Tom zusammengesetzt und lange über solche Szenarien gesprochen. Deswegen brauchten wir keine Anweisungen - wir haben das unter uns ausgemacht. Schon 2005 habe ich Nico Rosberg geholfen, GP2-Meister zu werden. Er lag auf Rang eins, ich auf zwei und sein Titelrivale Heikki Kovalainen auf drei. Damit Nico den Meistertitel erringt, musste ich Zweiter werden. Dafür habe ich alles getan - und ihn am Ende nicht enttäuscht.

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