Kristensen gesteht: Seit seinem Unfall hat er noch nicht zum alten Tom zurückgefunden. So betätigte er sich nach seinem Comeback vor allem als Teamplayer.

Die zwei Monate währende Rennpause nach seinem schweren Unfall in Hockenheim schienen zur Genesung gereicht haben: Auch ohne Teilnahme an den Testfahrten auf dem französischen Tradtionskurs befand sich Tom Kristensen bei den 24 Stunden von Le Mans im Juni auf dem Weg zum achten Sieg - bis das vorzeitige, unverschuldete Aus folgte. Eine Woche später auf dem Norisring ließ Kristensen mit Platz fünf bei seinem DTM-Renncomeback kaum einen Zweifel daran, trotz der Nachwirkungen eines mittelschweren Hirntraumas bereits wieder der Alte zu sein. Die Beinahe-Pole von Mugello bestätigte den Eindruck - der sich später als falsch erwies.

"Ich hätte nach meinem Unfall nie erwartet, in die DTM zurückzukommen, doch plötzlich kamen die Lust aufs Rennfahren wieder - und Le Mans. Ich wollte lieber an meinen Symptomen arbeiten und Rennen fahren als daheim zu bleiben", berichtet Kristensen gegenüber der adrivo Sportpresse. Auch Monate nach seinem Cockpit arbeitete Kristensen hart daran, wieder auf sein altes Fitness-Level zurückzufinden; seine gewohnte Performance, die ihn 2006 zum aussichtsreichen Meisterschaftskandidaten gemacht hatte, blitzte nur vereinzelt auf. Der fünfte Platz von Nürnberg sollte Kristensens bestes Saisonergebnis bleiben. Am Ende standen für den Dänen neun Meisterschaftspunkte und Endrang 14 zu Buche.

Doch nicht nur die körperlichen Nachwirkungen, die für Kristensen noch immer in häufigen Kopfschmerzen und erhöhtem Schlafbedürfnis bestehen, trugen dazu bei, dass der Meisterschaftsdritte von 2005 und 2006 noch nicht wieder bis an die Spitze vordrang: "Ich fühle mich noch nicht wie der "alte Tom", aber ich habe nach meinem Comeback das Beste gegeben und habe die Chance genutzt, in diesem Jahr die Rolle des Teamplayers zu spielen." Eine Rolle, die Tom Kristensen durchaus überzeugend spielte:

"Ich wurde zu frühen Boxenstopps gebeten, was natürlich für mich nicht das Beste war, aber es hat geholfen: Wenn die Mercedes mich überholen wollten, mussten sie das auf der Strecke schaffen", erzählt Kristensen von seiner Schützenhilfe für Mattias Ekström beim Saisonfinale. Eigene Ambitionen rückten für den Pole-Inhaber von Hockenheim in den Hintergrund. Auch bei der Testarbeit während der Trainingsessions ging Kristensen den Titelanwärtern der Ingolstädter mithilfe von Abstimmungsexperimenten zur Hand: "Die Ingenieure und ich haben an meinem Auto öfter radikale Setups probiert. Die Erkenntnisse daraus waren auch für Martin und Mattias nützlich..."

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