Zeitpläne, die sich auch in der zweiten Version nicht bewahrheiteten, nichts Halbes und nichts Ganzes im Performancevergleich: Die Eifel blieb undurchsichtig.

In den vergangenen Monaten hatte man sich an klare Verhältnisse gewöhnt: Die traditionelle Mercedes-Dominanz in Nürnberg, übermächtige Audi-Boliden in Mugello und Zandvoort. Klar und für alle sichtbar wurden teamstrategische Funkbefehle umgesetzt, klar wurde auch die Abneigung der neuen Rennleitung gegen Durchfahrtsstrafen auf Grund allzu forscher Überholversuche. Dagegen schien man in der Eifel in eine andere, verschwommene Welt einzutauchen...

Halbwahre Zeitplanung

Die Parallelen sind erstaunlich. Wie schon auf dem Traditionskurs Brands Hatch in der tiefsten Provinz der britischen Grafschaft Kent gab es auch auf dem traditionsreichen Nürburgring mitten in der gemütlichen Eifel das Wetter, das man beiderorts am besten kennt: Graue Wolken, gelegentliche Schauer. Und ebenso wie in Brands Hatch war es das graue Einerlei aus Wolken und Nebel, das den sorgfältig ausgearbeiteten DTM-Zeitplan über den Haufen warf. So verhinderte es den Start des Rettungshubschraubers, ohne den traditionell kein DTM-Bolide bei einer offiziellen Veranstaltung seine Runden dreht.

Während die Rahmenserien teils gar die Abfolgen ihrer Auftritte auf dem Nürburger Asphalt tauschen mussten, kam die DTM noch vergleichsweise glimpflich davon. Mit Verspätungen von 30 bzw. 50 Minuten begannen die jeweils um fünf Minuten gekürzten Testsessions - laut dem modifizierten Zeitplan. In der Praxis konnte der zweite Test auch 50 Minuten nach den ursprünglich vorgesehenen 13:45 Uhr nicht beginnen. Ein loser Kerb rief die Streckensicherung auf den Plan - ebenso wie die Mechaniker, die die gerade erst aus den Boxen gerollten Fahrzeuge zurückschieben musste. Woran niemand mehr glaubte: Am Ende kam es tatsächlich zu Test Nummer 2 - und das ganz ohne feuchte Begleiterscheinungen.

Halbierte Regendominanz

Insbesondere im Audi-Lager hielt sich die Begeisterung über den morgendlichen Regen in Grenzen. Und doch zeigten sich letztlich auch die Ingolstädter froh, während des Qualifyings oder des Rennens nicht buchstäblich ins kalte Wasser geworfen zu werden. "Auf jeden Fall war es gut, dass wir heute Vormittag viele Runden unter nassen Bedingungen drehen konnten und so schon eine anständige Abstimmung für den Regen gefunden haben", gestand auch Mattias Ekström, der allerdings am Vormittag als einziger Abt-Audi-Pilot außerhalb der Top Ten gelandet war. Debütant Mike Rockenfeller freute sich nach dem Norisring-Qualifying über die nächsten Regenerfahrungen: "Es war ganz gut, dass wir einmal mit einer Regenabstimmung arbeiten konnten. Im Nassen waren wir sehr zufrieden - wir haben einiges herausgefunden und ich habe mich ans Auto gut gewöhnt."

Dass die Ingolstädter bei ausreichender Vorbereitung und gelungenem Regen-Setup den Stuttgartern durchaus auch im Nassen mehr Paroli bieten können, als es im vergangenen Jahr oft schien, bewies insbesondere Alexandre Prémat: Mit nur rund einer Zehntelsekunde Rückstand landete der Franzose im 2006er-Audi am Vormittag hinter Paul Di Resta und Mika Häkkinen auf Platz drei. Auch die Neuwagen präsentierten sich stärker als erwartet - die Abt-Audi-Neuwagen brachen mit einer starken Mannschaftsleistung die erwartete Regendominanz der Mercedes-Piloten.

Nichts Halbes und nichts Ganzes

Die Sonne glänzte auch am Nachmittag vornehmlich durch ihre Abwesenheit - weit mehr als die 13 Grad vom Vormittag durfte der leidgeplagte Eifelbesucher weiterhin nicht erwarten. Erwartet werden durfte auch eine freitägliche Audi-Dominanz im Trockenen nicht, wie sie zuletzt in Mugello und Zandvoort auf der Tagesordnung gestanden hatte. Mit einem Gewichtsvorteil von zehn Kilogramm fuhren die Piloten des aktuellen A4 DTM sowie Alexandre Prémat in Mugello noch eine Fünffach-Pole ein - am Nürburgring-Freitag reichte es nur zu einer eher knappen Doppelführung.

Dass diese erneut von Alexandre Prémat eingefahren wurde, beeindruckte umso mehr: Erstaunlich abgeklärt wusste der Franzose mit der wetterbedingt improvisierten Freitagsarbeit umzugehen, ohne Probleme fand er vom weichen Regenfahrstil zu seiner gewohnten Lenkradakrobatik zurück. "Im Regen wie auch im Trockenen waren wir immer weit vorne. Für das Qualifying haben wir schon eine gute Abstimmung erarbeitet. Jetzt müssen wir uns noch auf die lange Renndistanz vorbereiten", berichtete Prémat, der Tom Kristensen im besten Audi-Neuwagen um eine Zehntelsekunde distanzierte.

Dass sich ausgerechnet Kristensen als stärkster Pilot eines 2007er-Audis präsentierte, gab einen Trend vor, wie er auch bei Mercedes zu beobachten war: Ausgerechnet Mattias Ekström und Martin Tomczyk sowie Bruno Spengler und Bernd Schneider wussten am heutigen Freitag keine rechten Glanzlichter zu setzen - und könnten so Eifel- wie Titelrennen unfreiwillig spannend gestalten...

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