Während der ersten Saisonhälfte hatte sich Mika Häkkinen erstmals konstant an der Spitze etabliert. Ausgerechnet in Mugello sah er den negativen Wendepunkt...

Am Freitag ein folgenschwerer Fehler ausgangs der neuen Schikane, am Samstag ein Zwischenhoch in Form von Startplatz zwei - am Sonntag die wohl dunkelste Stunde seiner DTM-Karriere: Nach seiner Kollision mit Meisterschaftskandidat Martin Tomczyk, die ihm schwere Vorwürfe und teils peinliche Schlagzeilen einbrachte, dürfte sich Mika Häkkinen gewünscht haben, die Reise zum neunten Saisonlauf in Barcelona nie angetreten zu haben. Hatte sich der Finne 2007 lange Zeit erstmals als heißer Kandidat für den DTM-Titel etabliert, so ließ seine in der ersten Saisonhälfte gewonnene Konstanz zuletzt wieder nach.

"Meine Performance ist verglichen mit den beiden Vorjahren definitiv besser geworden, aber sie ist noch immer nicht gut genug", zeigt sich Häkkinen selbstkritisch. Im Rückblick sieht der zweifache Formel-1-Weltmeister ausgerechnet das Rennen in Mugello, wo er seinen zweiten Saisonsieg einfuhr, als negativen Wende in seiner Saison. "Mugello war ein Wendepunkt in unserer Saison: Ich konnte nicht das Maximum aus dem Auto herausholen und habe mich im Qualifying nicht dort platziert, wo ich es vorhatte", resümiert der HWA-Pilot, "ich habe das Rennen mit einigem Glück gewonnen - aber das hat nichts an den Performance-Problemen geändert."

Die Freude darüber, für den in der Safety-Car-Phase verlorenen Norisring-Podestplatz vom Schicksal entschädigt worden zu sein, wurde für Häkkinen schon damals getrübt von unguten Befürchtungen: "Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits geahnt, dass die restliche zweite Saisonhälfte schwierig wird. Und nun sind die Meisterschaftschancen Vergangenheit." Die Auswirkungen des Gewichtsreglements, wonach die HWA-Mercedes nach seinem Triumph beim kommenden Rennen in Zandvoort mit 20 Kilogramm Gewichtsvorteil gegenüber Audi antraten, verstärkten den Abwärtstrend:

"Auch die Zusatzgewichte, die wir nach Mugello bekommen haben, haben es für mich und meine Teamkollegen nicht einfacher gemacht", blickt Häkkinen zurück. Ein Gedankenspiel, das in Brands Hatch und Mugello den zweitplatzierten, im Kampf gegen Führenden nur zaghaften Audi-Piloten unterstellt wurde, weist der 38-Jährige von sich: "Es ist absurd zu denken: Nein, dieses Rennen sollte ich besser nicht gewinnen, weil mein Auto sonst schwerer wird." Doch obwohl das Sportliche Reglement derartige Überlegungen durchaus provoziert, verteidigt er die nicht unumstrittenen, vor dem fünften Saisonlauf bereits überarbeiteten Gewichtsregeln:

"Der Sport wird für die Fans gemacht. Das Gewichtsreglement wird als Ausgleich gebraucht - auch weil die Weiterentwicklung während der Saison sehr beschränkt ist und so nicht zur Verschiebung der Kräfteverhältnisse beitragen kann", führt der dreifache DTM-Rennsieger aus. "Ansonsten könnte es dazu kommen, dass einer der beiden Hersteller zum Saisonstart dominiert - und auch alle übrigen Rennen für sich entscheidet."

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