Nach Ansicht der Videosequenzen kommt Norbert Haug zum Ergebnis: Mattias Ekström sei an seinem Schicksal nicht unschuldig gewesen...

Mika Häkkinen habe schlichtweg zu spät gebremst, Daniel La Rosa hätte neben der Strecke vom Gas gehen müssen: So lauteten während des Rennens die Erklärungen des Mercedes-Sportchefs für jene beiden Manöver im ersten Renndrittel, die schließlich das Aus ausgerechnet für die beiden Audi-Titelkandidaten bedeuteten. Böse Absichten zu unterstellen, sei hierbei völlig abwegig, ergänzte Norbert Haug. Nach der Analyse der Videosequenzen korrigiert sich Haug nur in einer Hinsicht: Bei genauerer Betrachtung treffe La Rosa keinerlei Schuld.

"Zum Vorfall zwischen Mattias Ekström und Daniel La Rosa ist zu sagen, dass Ekström ein sehr aggressives Manöver gefahren ist. Für La Rosa ging dabei die Straße aus, er geriet auf die Wiese", kann Haug insbesondere die Aufregung des Schweden nicht verstehen. So bestätigt er die Eindrücke, die der Mücke-Pilot bereits während des Rennens geschildert hatte: "Auf den Videoaufnahmen sieht man deutlich, dass Daniel dabei voll auf der Bremse stand, dann kam es zur Kollision. Dagegen, hierbei finstere Absichten zu sehen, wehre ich mich in aller Entschiedenheit." Lediglich bei Häkkinen, der als zweifacher Formel-1-Weltmeister keineswegs ein Hooligan sei, sieht Haug auch auf Mercedes-Seite ein Missgeschick:

"Mikas Manöver war sicherlich optimistisch. Sein Kontrahent Martin Tomczyk hat gleichzeitig eingelenkt, Mika musste nach ganz rechts. Das ist zum Bremsen die schlechteste Stelle, was nichts daran ändert, dass er mit dem Bremsen zu spät dran war", schilderte der Schwabe im Anschluss an die Pressekonferenz seine Sicht der Dinge, "Der Unfall hätte nur verhindert werden können, wenn Tomczyk dramatisch die Lenkung geöffnet hätte und Mika hätte durchrutschen lassen. Aber das ist keine Kritik an Martin. Ich kann stellvertretend Sorry für Mika sagen."

Die Szene zwischen dem zu diesem Zeitpunkt drittplatzierten Mike Rockenfeller und dem herannahenden Bruno Spengler deutet Norbert Haug völlig anders als sein Kollege Dr. Wolfgang Ullrich, für den jener Lackaustausch das Fass zum Überlaufen brachte: "Die zitierte Aktion zwischen Mike Rockenfeller und Bruno Spengler war ein normaler Überholvorgang, hier gab es kein Nachgeben von Rockenfeller. Hier kann ich nur sagen: Das ist unser Titelaspirant - auch da sollte nicht unnötig gerempelt werden." Ohnehin habe es Bruno Spengler auf seiner Fahrt zum zweiten Platz schwer gehabt:

So erinnert sich Haug insbesondere an den Zweikampf des Kanadiers mit Rosberg-Pilot Lucas Luhr, bei dem Spengler in der ersten Kurve neben die Strecke geriet. "Zuvor gab es eine Blockadeaktion gegen Bruno, wo vor ihm drei Sekunden langsamere Zeiten gefahren wurden als zuvor, es gab eine Drive-through-Strafe für Bruno - es wurde ihm nicht leicht gemacht", kommentiert der Mercedes-Sportchef, will jedoch die umstrittenen Szenen nicht gegeneinander aufrechnen. "Die Fahrer sind von uns strikt instruiert, fair zu fahren. Klar ist auch, dass sich die Meisterschaftskandidaten nicht überall mit letzter Aggression hineinbremsen müssen."

So sieht Norbert Haug die beiden Titelkandidaten der Ingolstädter an ihrem Schicksal nicht ganz unschuldig - und kann ihre Reaktion nicht im Geringsten nachvollziehen. "Ich glaube, dass es von Audi unnötig war, die Autos aus dem Rennen zu holen. Von einer unsportlichen Aktion will ich nicht reden - dafür waren zu viele Emotionen im Spiel", glaubt Haug, der für die kommenden Tage auf Ruhe und Entspannung setzt...

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