Siege und Titel blieben ihm verwehrt - und doch kann Christian Abt ein positives Fazit ziehen: Der bayrische Charakterkopf im Dialog mit der adrivo Sportpresse.

Wie viel Wehmut fährt bei dir während deiner letzten Rennen mit?
Christian Abt: Ich versuche, mir überhaupt keine Gedanken darüber zu machen, dass die beiden folgenden Rennen meine letzten sind. Ich gehe an meine Arbeit so heran, wie ich es in den letzten 17 Jahren getan habe. Für mich ist jedes Rennen eine Herausforderung, und ich will in jedem Rennen das Bestmögliche erreichen, was das Material hergibt. Das werde ich in den nächsten beiden Rennen machen - und dann heißt es einfach "game over".

Als einziger Fahrer neben Bernd Schneider bist du seit 2000 ununterbrochen dabei gewesen. Wie hat sich die DTM seither entwickelt?
Christian Abt: Die DTM hat sich sehr positiv entwickelt. Wenn man sich ansieht, was zwischen 2000 und 2007 passiert ist, ist das einfach gigantisch. Sicherlich kamen zwischendurch Zweifel auf, ob die DTM mit nur zwei Herstellern überleben kann - aber ganz im Gegenteil: Es funktioniert tadellos. Ich kann die Entwicklung nur positiv sehen, und wenn man die Einschaltquoten und die Zuschauerzahlen an der Strecke heranzieht, dann kann die Entwicklung der DTM nicht falsch gewesen sein. Die Autos haben sich toll weiterentwickelt, sie sind in ihrer Performance immer enger zusammengerückt, so dass man auch mit älteren Autos noch vorne mitfahren kann. Das Paket der DTM ist rundum gut geschnürt und eine tolle Sache.

Glaubst du, dass schon du 2000 als amtierender STW-Meister deine eigenen fahrerischen Ambitionen im Sinne des Teams zu sehr zurückgestellt hast?
Christian Abt: Wir bei Abt Sportsline haben 2000 mit einem Dreijahres-Plan begonnen. Wir wollten als Privatteam in die DTM einsteigen, und das Ziel war es, den DTM-Titel gegen Mercedes und Opel zu gewinnen. Wenn ich dabei meine eigenen Ansprüche nicht in Frage gestellt hätte, hätten wir als Privatteam nicht die Spitzenfahrer wie beispielsweise Laurent Aiello verpflichten können. Ich musste zurückstecken - und habe das gern getan, zumal es sich am Ende ausgezahlt hat: das Team Abt ist 2002 Meister gegen Mercedes und Opel geworden. Das ist für mich mehr wert als jeder andere Sieg.

Als Neuwagen-Pilot ist dir die Saison 2004 zum Verhängnis geworden. War es im Nachhinein positiv, ins Team Joest gewechselt zu haben, wo du 2005 im Jahreswagen noch einmal dein Können zeigen konntest?
Christian Abt: Ich glaube, dass diese Konstellation auch für meine persönliche Weiterentwicklung nicht schlecht war. Ich sehe das alles mittlerweile sehr positiv. Dass ich nach dem Team meines Bruders auch noch andere Teams in der DTM kennengelernt habe, wird mir in Zukunft gewiß weiterhelfen. Schließlich ist die Saison 2007 nicht das Ende meiner Karriere - es ist für mich persönlich nur das Ende der DTM. Bei Joest und Phoenix habe ich seit 2005 noch einmal viel gelernt und konnte bei Phoenix ein sehr schlagkräftiges Team um mich herum formen. Ich bin sehr stolz darauf, wie sich diese Truppe bis heute entwickelt hat.

Wie bewertest du deine Abschiedssaison in der DTM?
Christian Abt: Im Großen und Ganzen bin ich ganz zufrieden, auch wenn diese Saison sicher nicht der Höhepunkt meiner Karriere ist. Die Trainingsergebnisse passen, die Ergebnisse im Rennen passen. Ich kann nur den Vergleich zwischen den 2006er-Autos ziehen - und da fällt auf, dass mein Teamkollege Alex Prémat momentan enorm stark ist. Ich bin dennoch zufrieden, dass ich mich oft dicht an Alexandres Zeiten befinde und Lucas Luhr und Mike Rockenfeller regelmäßig schlagen kann. Insgesamt sehe ich diese Saison positiv, zumal wir auch einen guten Beitrag für Audi im Meisterschaftskampf leisten. Was will man mehr?

Was gibst du der DTM als Rat für 2008 mit auf den Weg?
Christian Abt: Es wäre schön, wenn die DTM einen dritten Hersteller finden könnte. Dann würden die Fahrer und ihre Qualität noch mehr aufgewertet. Das wäre eine faire Sache - aber auch so passt es schon sehr gut.

Kann es sein, dass du künftig mit Jean Alesi in einer Serie [in der asiatischen Speedcar-Serie] fährst?
Christian Abt: Momentan wird viel gemunkelt. Von der Speedcar-Serie bis hin zur Vorbereitung auf die Rallye Dakar - es gibt einige Richtungen, die ich nach meiner DTM-Karriere einschlagen könnte. Ich werde mir das im Winter noch einmal in Ruhe überlegen. Mir bleibt noch bis November Zeit, wenn die Speedcar-Serie losgeht. Mal sehen, ob ich das in Angriff nehme. Was meine operativen Aufgaben bei Abt Sportsline angeht, wird sich nichts ändern - unsere Firma läuft sehr gut.

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