Nach Blockadevorwürfen an die Konkurrenz am Nürburgring muss Mercedes nun selbst die Verzögerungstaktik wählen - zumindest mit Blick auf die Titelentscheidung.

Selten kommt es vor, dass Mercedes die Reise zu einem Austragungsort antritt, wo die Konkurrenz im Laufe der DTM-Geschichte mehr Siege einfahren konnte. Und obwohl dieses Novum dadurch begünstigt wird, dass auf dem Circuit de Catalunya bislang erst ein DTM-Lauf ausgetragen wurde: Der letztjährige Audi-Sieg in Barcelona und der aktuelle Höhenflug der Konkurrenz dämpfen die Zuversicht. "Die Chancen existieren, auch wenn sie nicht als himmelhoch zu bezeichnen sind und Audi beim jetzigen Punktestand Favorit auf den Titel ist", gesteht auch Sportchef Norbert Haug, der mit Bruno Spengler de facto nur noch ein Eisen im Feuer hat.

HWA

Mit zehn Punkten Rückstand auf Titelfavorit Mattias Ekström, aber auch 6,5 Vorsprung auf den zweitbesten Mercedes-Piloten Bernd Schneider will Bruno Spengler die Titelentscheidung auf Hockenheim vertagen. "Der Circuit de Catalunya bietet gute Überholmöglichkeiten und eine gute Mischung aus unterschiedlichen Kurven, das macht Spaß. Allerdings ist die Reifenabnutzung recht hoch, so dass man mit den Reifen gut umgehen muss", unterstreicht der Kanadier den Anspruch des Kurses, der zudem mit einer Neuerung aufwartet: Der flüssige Rechtsknick hin zur Zielgeraden wurde durch eine mäßig rasante Passage ersetzt - was der Ingolstädter Konkurrenz ihren leichten aerodynamischen Vorteil aus den Segeln nimmt.

Für die HWA-Piloten ebenfalls hilfreich: Erstmals in der zweiten Saisonhälfte haben sie nicht mit einem Gewichtsnachteil verglichen mit den Audi-Neuwagen zu kämpfen. Und wenngleich Mercedes in diesem Jahr das Motto "No Teamorder" ausgibt, sind freiwillige Hilfeleistungen Schneiders, Häkkinens und Jamie Greens wohl nicht ausgeschlossen, wie der Brite recht verklausuliert anzudeuten scheint: "Wir werden kämpfen für uns und für die Zuschauer, damit die Titelentscheidung erst in Hockenheim fällt."

Mücke & Persson

Ein Punkt aus den letzten beiden Rennen: So lautet die zuletzt bescheidene Bilanz der Mercedes-Jahreswagen. Hatte sich Daniel La Rosa auf dem Nürburgring noch in den Top Ten des Qualifyings platzieren können, so gingen die 2006er-Boliden von Mücke und Persson im Rennen gänzlich leer aus - nachdem sich ähnlich wie im Audi-Lager die weniger optimalen Rennstrategien für die Jahreswagen häuften... "Bei den Tests dort vor der Saison fanden wir eine gute Abstimmung, damit sollte ich wieder in die Punkte fahren können", glaubt Persson-Pilot Alexandros Margaritis an eine Aufstockung seines Punktedepots, während Teamkollege Gary Paffett einschränkt: "Wir haben einen guten Speed, aber gegen die 07er-Autos wird es schwer. Ich erwarte, dass sie auf diesem schwierigen Kurs sehr schnell sind."

Das Mücke-Jahreswagenduo pflegt derweil ganz besondere Beziehungen zu Barcelona: Konnte Daniel La Rosa im vergangenen Jahr mit Platz sieben hier seine ersten DTM-Punkte einfahren, so ist die spanische Metropole seit Jahren die Wahlheimat Mathias Laudas. "Meine Leistung zuletzt am Nürburgring mit guten Rundenzeiten und Platz elf hat mich noch zusätzlich motiviert", berichtet der Österreicher - während Paul Di Resta im 2005er-Mercedes ganz andere Ambitionen hat: "Ich möchte zum Ende der Saison wieder aufs Podium. Dafür brauchen wir allerdings einen etwas besseren Speed als am Nürburgring..."

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