Bruno Spengler hätte es beinahe erwischt, Mattias Ekström erwischte es tatsächlich: Auch die beiden Sportchefs erlebten ein nervenaufreibendes Qualifying.

Norbert Haug ist in diesen Tagen leicht zu begeistern: Während zu Dr. Wolfgang Ullrichs Zufriedenheit beide seiner Titelkandidaten vorne sein müssen, gibt es für den Mercedes-Sportchef nur noch einen Schützling, der im Titelkampf realistische Chancen hat - und sich entsprechend weit vorne platzieren muss. Mit Startplatz drei erfüllte Bruno Spengler diese Erwartung durchaus. Doch auch die Teamkollegen des Kanadiers, die geschlossen in die letzte Qualifying-Session einzogen, ließen Haug zum Fazit kommen: "Ich bin glücklich."

Das Ziel, den Titelkampf nicht schon in Barcelona zu Gunsten Audis entschieden zu sehen, sieht Norbert Haug damit in greifbarer Nähe. "Ich hoffe, dass Bruno die Meisterschaft bis zum letzten Rennen, bis zur letzten Kurve offen halten kann. Die jetzige Startaufstellung mit fünf Mercedes in den Top Sechs ist optimal dafür", bilanzierte der Schwabe im Anschluss an das Zeitfahren, muss allerdings auch gestehen: "Kompliment an Martin Tomczyk, sein Vorsprung war zeitweise beachtlich. Er und sein Team haben den besten Job gemacht." Doch dass für Mattias Ekström erneut nur der zehnte Startplatz blieb, dämpfte Dr. Wolfgang Ullrichs Freude deutlich:

"Es war unheimlich eng. Wenn Mike Rockenfeller sechs Hundertstel schneller gewesen wäre, hätte er am Ende Bruno Spengler aus der letzten Session verdrängt - mit den entsprechenden Folgen", betont Dr. Wolfgang Ullrich, dass Spengler durchaus das gleiche Schicksal hätte ereilen können wie den Schweden. Doch während zumindest Tomczyk von Beginn an am Limit fuhr, präsentierten sich die Stuttgarter im Qualifying von Minute zu Minute schlagkräftiger - wie auch Haug beobachtete: "Audi war auf den ersten Runden am schnellsten, wir haben uns mit der Zahl der Runden verbessert."

Für die kontinuierlichen Steigerungen bei Mercedes sei der am Ende zweitplatzierte Mika Häkkinen das beste Beispiel gewesen. "Mika fuhr schneller und schneller, am Ende hat er sich bis auf zwei Zehntel an Martin herangearbeitet. Wichtig war es, die Temperatur der Regenreifen in den Griff zu bekommen", berichtet Haug von einem ungewöhnlich schwierigen Zeitfahren, an das sich aus Ullrichs Sicht morgen ein ähnlich herausforderndes Rennen anschließen wird - nicht zuletzt wegen des viel diskutierten Streckenumbaus.

"Dieser Abschnitt ist nun sehr viel langsamer als 2006. Die Schikane ist unter den Fahrern umstritten. Aus meiner Sicht war die Strecke vorher eine sehr flüssige, nun hat sich der Charakter geändert", stimmt der Österreicher insbesondere in die bei Audi mäßige Begeisterung über den neuen dritten Sektor ein, "es bestehen Risiken, weil hier keine zwei Autos nebeneinander passen. Aber die Chancen auf Überholmanöver haben sich zugegenermaßen etwas erhöht." Für Mattias Ekström wäre die Prognose seines Sportchefs morgen nicht von Nachteil...

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