Andras Kittka durfte bei seinem Heim GP am Hungaroring ins GP2-Fahrerlager und über die zukünftigen F1-Stars berichten.

Erste Eindrücke

Hübsche Frauen, Hitze, Kommunismus und die Kettenbrücke sind das erste, was einem in den Sinn kommt, wenn man an Ungarns Hauptsadt Budapest denkt. Doch all jene, die das Glück haben, diese atemberaubende Stadt Anfang August besuchen zu dürfen, merken schnell, dass viel mehr dahinter steckt, als man sich vorstellt. Wenn du erst einmal die Thermalbäder ausprobiert, die spektakulären Wahrzeichen der Innenstadt gesehen, die ungarische Küche kennengelernt und die besten unagrischen Weine probiert hast, weißt du, dass diese Stadt einen Besuch Wert ist. Ach, und eine Sache noch: Verpasse nicht den Großen Preis von Ungarn!

Mit meiner uneingeschränkten Bewunderung für die Stadt und die buckeligen Hügel von Mogyoród bin natürlich alles andere als neutral. Also ging ich zu Markus Niemelä, dem 23-jährigen Newcomer von BCN-Competition, um herauszufinden, was sein erster Eindruck vom Hungaroring ist. Das Wochenende ist der erste Einsatz für den Finnen in der GP2. Er übernahm den Platz von Sakon Yamamoto - der letzte von vielen Fahrern, deren Karriere in der GP2 ins Rollen gekommen ist.

Es hat sich herausgestellt, dass die Eindrücke von Markus verblüffend ähnlich zu meine waren. Wir sind beide neu im GP2-Paddock und nutzen jede Gelegenheit, etwas in unseren neuen Jobs zu lernen. "Ich sehe es noch nicht einmal als Rennen", sagte er mir. "Es ist ein Test." Auch ich bin hier um so viel Erfahrung wie möglich zu sammeln. Markus hat einen großen Sprung gemacht von der 200 PS-starken Formel Renault zur 600 PS GP2, was den Unterschied zwischen dem Schreiben für eine Schülerzeitung und dem Arbeiten als Motorsport-Journalist an einem Formel 1-Wochenende gut beschreibt.

Und ja, er ist so aufgeregt vor seinem Debüt, dass er um 5 Uhr morgen aufgewacht ist, weil er nicht mehr schlafen konnte. Das gilt auch mehr oder weniger für mich. Doch die beste Zusammenfassung seines ersten Eindrucks drückte er in einem kurzen Satz aus: "Es macht ziemlich Spaß!" Das macht es wirklich; ziemlich viel Spaß.

Freitag

Durch die erwachende Stadt um 7 Uhr morgens zu fahren ist ein perfekter Appetizer für den Grand Prix - vor allem, wenn darauf ein ausgiebiges Frühstück im GP2-Fahrerlager folgt. In solchen Momenten frage ich mich, warum nicht jedes Wochenende ein Rennwochenende sein kann. Nach ein paar Kaffees im in der GP2-Hospitality besuchte ich einen Journalismus-Crash-Kurs mit Andrew Fagan von der Nachrichtenagentur AFP. Er erklärte mir die absolut notwendigen Sachen und warnte mich zugleich über die möglichen Schattenseiten, die dieser Beruf mit sich bringt - oder wie er es nennt: die Realität. Ich war ziemlich glücklich, zu sehen, dass er sich trotz der langen Arbeitszeiten, drohenden Deadlines und anstrengenden Reisen seinen Enthusiasmus als Motorsport-Journalist bewahrt hat. Das war genau das, worauf ich gehofft habe.

Schnell hatte ich die Gelegenheit, alles in die Praxis umzusetzen, als ich mit einigen Fahrern gesprochen habe. Timo Glock war einer davon. Der Führende der Gesamtwerung fabrizirte die Nachricht der Woche, da er zum offiziellen BMW-Reservefahrer befördert wurde, nachdem Sebastian Vettel das Team in Richtung Toro Rosso verließ. Später erzählte mir Pastor Maldonado, dass der Sieg bei einem Euro 3000-Rennen in Budapest als Ersatzfahrer im Juli seiner Zuversicht einen ziemlichen Schub gegeben hat. Außerdem erzählte der Venezuelaner, dass die Ähnlichkeit des Hungaroring zum Straßemkurs von Monte Carlo, wo er in diesem Jahr das GP2-Rennen gewann, ihm die Chance auf ein gutes Ergebnis im ersten Rennen am Samstag geben sollte.

Das Tüpfelchen auf dem I war der Besuch einiger Boxen und Motorhomes, nicht zu vergessen die Gespräche mit einigen der lokalen und auswärtigen Journalisten sowie mit den Bridgestone-Leuten, die ich sehr genossen habe. Am Ende des Tages habe ich mich gefühlt, als ob ich schon so viel Zeit im Paddock verbracht habe, dass ich mich schon blind an der Strecke zurechtfinde. Ich konnte es kaum erwarten das Gelernte am zweiten Tag meines e-Reporter-Wochenendes auszuprobieren.

Sonnabend

Auch am zweiten Tag waren wir wieder sehr früh an der Strecke, was wirklich sehr besonders war, denn so hatte ich die Chance, mir das GP2-Paddock ohne Menschen, Autos oder Reifen anzuschauen. Man hatte ein Gefühl wie in einer Geisterstadt, so wie der Time Sqare ohne all die Leuchtreklamen. Doch schon bald, trudelten nach und nach die Team-Shuttles ein, das Fahrerlager erwachte langsam, die Luft vermischte sich mit dem Gestank von Benzin und das bekannte Gefühl vom Vortag kehrte ins Fahrerlager zurück.

Es ist kein Geheimnis, dass nicht alle Fahrer den Hungaroring mögen, doch man hat den Eindruck, dass sich die Stimmungslage ändert. Kürzlich sagte Nico Rosberg, der GP2-Champion von 2005, dass ihm der Hungaroring entgegenkomme und Vorjahresgewinner Lewis Hamilton bezeichnete die Strecke als "Klassiker mit vielen unterschiedlichen Passagen, schnellen und langsamen Kurven und einer guten Schikane am Ende." Nachdem ich dieses Statement gelesen habe, ging ich raus, um herauszufinden, was die Piloten über die Strecke denken.

Während des Mittagessens mit ART-Pilot Lucas Di Grassi, Arden-Fahrer Bruno Senna und einigen brasilianischen Pressevertretern, erzählte mir Lucas, dass der Hungaroring tatsächlich ziemlich uneben und staubig ist, was es ziemlich schwierig macht, sobald man die Ideallinie verlässt. "Aber du verlässt sie nicht", schob er mit einer guten Dosis Zuversicht hinterher. Als ich ihn gefragt habe, wie sich die GP2-Serie über die Jahre verbessert hat, zeigte er sich sehr zufrieden mit der Zuverlässigkeit der Autos. Dann erzählte er etwas sehr interessantes: Je zuverlässiger die Autos seien, umso weniger Teile müssten die Teams auswechseln, was die Kosten reduziere. Die niedrigeren Ausgaben machten die weniger abhängig von den Sponsoren, die die Fahrer mit einbringen. So hätten die Teams eine größere Freiheit bei der Auswahl der jungen Fahrer.

Am Ende kommen all diese Faktoren zusammen und produzieren eine für die Fans noch aufregendere Serie. Eines ist gewiss: Wir die Fans können davon nur profitieren.

Sonntag

Eine Sache, die mir in meinen drei Tagen aufgefallen ist, ist dass das GP2-Fahrerlager ein bisschen wie eine große Familie ist; oder wie es Francoise Dudot, die Hospitality Koordinatorin der Serie gesagt hat: "Es ist mehr ein Dorf, in dem jeder jeden kennt, und jeder ist darüber glücklich." Anders als in der Formel 1 sieht man viele verschiedene Fahrer verschiedener Teams zusammen an einem Tisch in der Hospitality frühstücken und nichts ist daran komisch. Im Gegenteil, so sollte es immer sein. Francoise erzählte mir auch einige Geheimnisse, zum Beispiel, dass großartige Fahrer wie Bruno Senna häufig ihre Essenskarten ihre Essenskarten liegenlassen. Dann sammelt sie sie wieder ein und gibt sie ihnen später zurück. Solche Dinge zeigen, dass Rennfahrer keine Maschinen sind, sondern Menschen wie wir.

Ich hatte auch das Glück über die Bridgestone-Kampagnen "Think before You Drive" und "Make Roads Save" aufgeklärt zu werden, Jedes Jahr sterben über 1,15 Millionen Menschen bei Autounfällen, was genau 1,15 Millionen zu viele sind. Deswegen glaubt Bridgestone als führende Reifentechnologie-Firma die Möglichkeit zu haben, den Unterschied zu machen. Die Idee dahinter ist einfach: Nur vier einfache Schritte, Kindersitze benutzen, sich anschnallen, die Kopfstütze anpassen und den Reifendruck richtig einstellen sind nötig, um das Risiko beim Autofahren deutlich zu senken.

Ich hatte ein unglaubliches Wochenende im GP2-Fahrerlager und mein Enthusiasmus wurde nur dadurch limitiert, dass ich keine Zeit hatte, darüber nachzudenken, wie aufregend diese drei Tage waren. Nun freue ich mich, zurückzublicken und mich über die Erinnerungen vom Hungaroring zu freuen, die ich mein ganzes Leben lang nicht vergessen werde.

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