Als einziger Jahreswagenpilot wartet Lucas Luhr noch immer auf erste Punkte. Vom Dauerpech verfolgt wandelt er auf den Spuren seines Vorgängers bei Rosberg...

Lucas Luhr lässt es gemütlich angehen. Von atemberaubendem Speed kann keine Rede sein. Zumindest, wenn man den Statements des Audi-Neulings lauscht, der gebürtig aus Rheinland-Pfalz stammt. Einem Bundesland, das bereits für ihre Sprache immer wieder parodierte Langzeitkanzler hervorbrachte. "Man muss ja überlegen, was man sagt, bevor man etwas hinausplappert. Und manchmal dauert das Überlegen eben etwas länger...", reagiert Luhr angesprochen auf seine charakteristische Sprechweise mit Humor. Angekommen im Rennboliden präsentiert sich Lucas Luhr fernab jeder Langsamkeit - wie auch seine Erfolgsbilanz als Porsche-Werksfahrer beweist.

Luhrs bisherige DTM-Bilanz, bestehend aus sieben Rennwochenenden ohne Punkte, mag zu dem eigentlichen Bild von dem 27-jährigen Ex-Langstreckenpiloten nicht passen. Und auch Lucas Luhr kommt beim Gedanken an seine Pechsträhne im Audi-Jahreswagen nicht aus dem Staunen heraus. "Da weißt man echt nicht mehr, was man sagen soll", bilanziert Luhr - und überlegt umso länger, um keine rheinischen Flüche hinauszuplappern... Flüche, von denen auch sein direkter Vorgänger bei Rosberg-Audi im vergangenen Jahr oft nicht weit entfernt war: Sieben lange Rennen wartete 2006 auch Frank Stippler auf DTM-Punkte, bevor in Barcelona mit Platz sechs endlich der Knoten platzte.

"Es gibt im Sport Höhen und Tiefen, und dieses Jahr ist bisher eher eine Tiefe. Ich hatte eine so schwarze Serie wie in diesem Jahr in zwölf oder 13 Jahren Rennsport noch nicht", hatte Stippler damals nach dem siebten pechschwarzen Rennen in Folge resümert, "vom Speed her hat es eigentlich immer ganz gut funktioniert, beispielsweise im Qualifying - es sei denn, wir hatten keinen Verkehr." Anders als Stippler, der sich zeitweise zumindest in der letzten Session des Qualifyings wiederfand, kann Lucas Luhr noch nicht einmal von Lichtblicken im Zeitfahren berichten.

Mit Platz 19 wegen eines misslungenen Reifen-Setups endete Luhrs erstes Qualifying in der DTM, in Oschersleben - wo Teamkollege Mike Rockenfeller in der ersten Startreihe landete - verhinderte ein beschädigter Frontsplitter ein besseres Ergebnis als Rang 16. Im für Luhr im DTM-Fahrzeug noch gänzlich ungewohnte Regen im Norisring-Zeitfahren sprang nicht mehr als Platz 19 heraus, ein Defekt der Servolenkung beendeten in Mugello ein bis dahin so aussichtsreiches Zeitfahren. "Platz zehn ist nicht unbedingt berauschend, aber das ist leider trotzdem mein bisher bestes Ergebnis", kommentierte Luhr in Zandvoort seinen persönlichen Qualifying-Rekord - und sah sich im Rennen seit Nürnberg schon zum dritten Mal in Folge in eine folgenschwere Berührung verwickelt, die seinen A4 DTM mehr oder minder unfahrbar machte.

"Klar könnte man sagen: Solange du nicht vorne mitfährst, hast du dich immer noch nicht eingewöhnt. Aber das Auto und ich sind fahrerisch schon lange eine Einheit", stellte Luhr schon früh in der Saison klar - nachdem auf dem EuroSpeedway Lausitz nur das Safety-Car-Chaos einen ersten Punkterang verhindert hatte. "Seine Saison verläuft ähnlich wie meine, wobei es ihn oft noch schlimmer trifft. Es tut mir Leid für Lucas, dass er bisher noch keinen einzigen Punkt sammeln konnte, denn ich bin mir sicher, dass wir mehr können, als die Ergebnisse oder das Punktekonto zeigen", bedauert auch Mike Rockenfeller die Pechsträhne seines Teamkollegen, "wenn du es gewohnt bist, Rennen zu gewinnen und immer um den Sieg zu kämpfen, und dich dann oft im Mittelfeld wiederfindest, ist das eine harte Erfahrung."

Ähnlich wie Rockenfeller, der sich ebenfalls mehr von seiner Debütsaison erhofft hatte, sieht Luhr trotz des eklatanten Punkteunterschieds in der Meisterschaftstabelle keine großen Unterschiede in der eigentlichen Performance der beiden Rosberg-Piloten. "Wenn man von Rockys zweitem Platz in Oschersleben absieht, tun wir uns nicht viel. Damals war ich über das gesamte Wochenende hinweg genauso schnell wie er - außer im Qualifying, wo ich ein Problem hatte", stellt Luhr zu Recht fest. Audi-Sportchef Dr. Wolfgang Ullrich schließt sich an: "Lucas ist bisher weit unter seiner Performance geschlagen worden." Und dennoch: Die fahrerischen Highlights, wie sie bisher Rockenfeller und Alexandre Prémat zu setzen wussten, blieben bei Luhr trotz unbestrittenen Potenzials bisher noch aus.

"Das Schwierige in der DTM ist, daran nicht zu scheitern, denn es sind schon viele Fahrer in die DTM eingestiegen, die sehr, sehr gut waren, aber am Ende unter ihrem Wert geschlagen wurden", erinnert Rockenfeller auch an Frank Stippler, dem die Saison 2006 in der DTM zum Verhängnis wurde. Von einem Verbleib Lucas Luhrs in der DTM ist dennoch auszugehen - und auch mit Blick auf die Restsaison will der Rheinländer die Hoffnung trotz aller Rückschläge noch nicht aufgeben: "Wenn es nicht so läuft, wie man es sich vorstellt, kann man es nicht mit Gewalt erzwingen. Letztlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis es so läuft, wie wir es uns wünschen."

Copyright: adrivo Sportpresse GmbH