Schon drei Rennen vor Schluss steht Mercedes im Titelkampf unter größtem Druck. Auf dem Nürburgring wollen sich die Stuttgarter zurückmelden...

Zwar galt der Nürburgring lange auch als Audi-Pflaster, nachdem sich Laurent Aiello 2001 hier die ersten Siege für Abt-Audi in der neuen DTM hatte sichern können. Mit 28 Triumphen in 64 Eifelrennen ist allerdings insbesondere die DTM-Erfolgsbilanz der Stuttgarter beachtlich. "Hier fuhr vor 73 Jahren der erste Silberpfeil zum Sieg, hier gewannen wir letzten Monat mit dem aktuellen Formel-1-Silberpfeil und Fernando Alonso den Großen Preis von Europa", schwelgt Sportchef Norbert Haug in triumphalen Erinnerungen - die möglichst um einen Pflichtsieg am kommenden Sonntag erweitert werden sollen...

HWA

So gerne man bei Mercedes auch auf fünf Pole Positions und fünf Siege in sieben Läufen verweist - an der eher misslichen Meisterschaftslage ändert dies kaum etwas. Drei Rennen vor Schluss plagen Bruno Spengler, Bernd Schneider und Mika Häkkinen Rückstände von zwölf, 12,5 und 16 Punkten auf Tabellenführer Mattias Ekström. "Ich will gewinnen, so wie letztes Jahr am Ring", kündigt denn auch Speerspitze Spengler an, der in der Eifel schon im vergangenen Jahr zumindest einen gewaltigen Schritt in Richtung Vizetitel tat. Mika Häkkinen verweist nach zuletzt mäßigen Qualifyingergebnissen auf die Rennperformance seines Dienstwagens: "Dass ich in den letzten beiden Rennen von den Startplätzen 15 und 13 einmal auf Rang eins und einmal auf Platz sieben vorgefahren bin, zeigt das Potenzial der neuen C-Klasse."

Für Unbehagen dürfte bei der HWA-Truppe weiterhin der Blick auf die Gewichtstabelle sorgen. Mit zehn Kilogramm Gewichtsnachteil gegenüber Audi hat sich die Differenz seit Zandvoort zwar halbiert, bedeutet jedoch weiterhin Verluste von rund zwei Zehntelsekunden pro Runde. Ein Nachteil, der allerdings unter typischen - sprich: nassen - Nürburgring-Bedingungen nicht weiter ins Gewicht fiele. "Wie das Formel-1-Rennen vor fünf Wochen dort gezeigt hat, kann Regen eine Menge Überraschungen bringen", spielt Jamie Green auf die traditionell überzeugenden Regenqualitäten der C-Klasse an, "am liebsten würde ich es so machen wie Fernando Alonso in der Formel 1." Nach 28 Rennen ohne Sieg wäre es dem Briten zu wünschen - nachdem seine Meisterschaftschancen anders als die von Nürburgring-Sieger Alonso in der F1 schon lange nicht mehr intakt sind...

Mücke & Persson

Nachdem die Mercedes-Jahreswagen in Zandvoort eine der seltenen Niederlagen gegen die 2006er-Audi erlebten, wollen Mücke und Persson im Rheinland die gewohnten Verhältnisse wiederherstellen. "Im letzten Jahr wurde ich 13., in diesem Jahr sind die Top-ten das Ziel, besser wäre natürlich ein Platz in den Punkten", gibt sich Mücke-Pilot Mathias Lauda eher zurückhaltend, während Teamkollege Daniel La Rosa nach vorzeitigem Technik-Aus in den Niederlanden ankündigt: "Ich will wieder in die Punkte und unter die Top-ten der Meisterschaft." Gary Paffett verweist derweil auf seinen Nürburgring-Sieg von 2004 - und schient seine Wiederholung nicht für unmöglich zuhalten, nachdem Audi-Pilot Alexandre Prémat vor vier Wochen bewies, was im 2006er-Boliden selbst zum jetzigen Zeitpunkt der Saison noch möglich ist.

Ebenso wie für die Jahreswagen reduziert sich auch der Gewichtsnachteil der 2005er-Mercedes gegenüber den Audi gleicher Baujahre auf 15 Kilogramm. Für Paul Di Resta erträglich - bewies er doch schon mit weit mehr Zusatzgewichten sein Potenzial. "Ich werde am Nürburgring alles geben, um dort so viele Punkte wie möglich zu holen und in der Meisterschaft wieder Anschluss zur Spitze zu finden", gibt sich der schottische Debütant selbst mit Blick auf den Titelkampf noch kämpferisch. Nachdem es für sie zuletzt vor allem im Qualifying nicht wie gewünscht lief, freut sich Susie Stoddart auf die Streckencharakteristik des Traditionskurses: "Der Nürburgring bietet viele Überholmöglichkeiten. Ich erwarte ein spannendes Rennen mit vielen Zweikämpfen, bei denen ich mittendrin sein will."

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