So viele Fehler sich Audi in der Eifel auch leistet: Der Meisterschaftsführende wird auch am Abend des Rennsonntags Mattias Ekström oder Martin Tomczyk heißen.

Seit 2003 war es für Audi beinahe zur Tradition geworden: Mit einem Rückstand auf Mercedes in der Meisterschaftstabelle reiste man zum Nürburgring - und verließ in der Regel den Traditionskurs in der Eifel mit einem noch größeren Minus im Titelkampf. Eine Situation, die man bei den Ingolstädtern in diesem Jahr nur noch vom Hörensagen kennt: Mit einem komfortablen Meisterschaftsvorsprung in beiden Wertungen stellt sich Audi auf dem Nürburgring der Stuttgarter Konkurrenz - und wird, selbst unter ungünstigsten Umständen, zumindest in der Fahrerwertung in Führung bleiben...

Abt

Ein missglücktes Qualifying, ein verregneter Start, bei dem die Abt-Audi weiter an Boden verloren. Was folgte, war eine Demonstration der unerwarteten Qualitäten des 2006er-A4 auf abtrocknender Strecke. Und doch konnte im letzten Jahr am Ende nur Martin Tomczyk zufrieden sein, der hinter Bruno Spengler und Bernd Schneider auf Rang drei einlief - und seinen ersten Podestplatz seit 2004 feierte. "Wir waren in der Sommerpause nicht untätig, haben den A4 DTM weiterentwickelt und waren Testen. Nach dem guten Ergebnis in Zandvoort sind wir besonders motiviert", gelobt Sportchef Dr. Wolfgang Ullrich Besserung, ist sich jedoch der Herausforderungen der Eifel bewusst: "Wir wissen, dass es auf dem Nürburgring etwas schwerer für uns wird."

So ist der einst so komfortable Gewichtsvorteil von 20 Kilogramm in Zandvoort auf nur noch zehn Kilogramm verglichen mit den 2007er-Mercedes zusammengeschrumpft. Nach wie vor behagt den Ingolstädtern eine überflutete Piste nicht, die im Mittelgebirge traditionell nicht auszuschließen ist. Und auch die Streckencharakteristik kommt den aktuellen A4 DTM weniger zu Gute als Mugello oder Zandvoort. "So, wie es bei den letzten Rennen zwischen Audi und Mercedes zugegangen ist, wird auch das Rennen auf dem Nürburgring verdammt hart werden", weiß auch Ekström, der dennoch hofft, den Titelkampf mit einem guten Eifel-Ergebnis zu einer Audi-internen Angelegenheit zwischen ihm und Martin Tomczyk machen zu können.

Phoenix & Rosberg

Während Timo Scheider hofft, nach der Zandvoorter Stallorder zu seinen Ungunsten bei seinem Heimrennen endlich den seit sieben Jahren ersehnten ersten Podestplatz einfahren zu können, haben auch die Jahreswagenpiloten nach Alexandre Prémats Podiumsbesuch in den Niederlanden Blut geleckt. "Ich habe dort im vergangenen Jahr ein Podiumsergebnis in der GP2 erzielt und war auf dieser Strecke schneller als Lewis Hamilton", erinnert sich Prémat an den letztjährigen Kampf gegen den Shootingstar der Formel 1 und zeigt sich optimistisch, "ich denke, dass es erneut möglich ist, auch mit dem 06er Audi A4 DTM ein Podiumsergebnis zu erzielen."

Zwar schrumpft im Schatten der Nürburg auch für die 2006er-Audi der komfortable Gewichtsvorteil. Der zuletzt mehr und mehr frustrierte Lucas Luhr will sich hiervon jedoch nicht von seinen ersten Punkten für das Rosberg-Team abbringen lassen: "Die fünf Wochen Pause haben sehr gut getan, um neue Motivation zu schöpfen. Es wird höchste Zeit, endlich einmal in die Punkteränge zu kommen." Auch Christian Abt sieht die 3,629 Kilometer lange Kurzanbindung des Nürburgrings trotz der letztjährigen Niederlage für die Audi-Neuwagen als Heimspiel - zumindest für seinen Dienstwagen: "Der Nürburgring ist eine Strecke, die uns entgegenkommt. Wir sind nicht so schwer, dass wir keine Chance haben, in die Punkte zu fahren."

Futurecom TME

Anders als die Markenkollegen im Neu- und Jahreswagenlager erhofft man sich bei Futurecom TME nichts sehnlicher als Dauerregen. In Erinnerungen an seine Führungsrunden bei seinem Formel-1-Debüt auf dem Nürburgring schwelgend überrascht Markus Winkelhock mit seinem Statement somit nicht: "Die Strecke am Nürburgring lag mir bisher immer gut. Wie man zuletzt bei der Formel 1 gesehen hat, gibt es oft ziemliche Wetterkapriolen. Vielleicht kann ich davon profitieren..." Nachdem sie zwischenzeitlich Gerüchte über ihr vorzeitiges DTM-Aus über sich ergehen lassen musste, hofft auch Vanina Ickx, ihre erwiesenen Regenqualitäten erneut unter Beweis stellen zu können: "Dass das Wetter dort oft unbeständig ist, kommt mir entgegen: Ich mag es gerne, wenn es regnet..."

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