Die Ausbeute für Mercedes blieb in Zandvoort ungewohnt bescheiden. Die Stuttgarter sehen sich durch Manöver der Konkurrenz um bessere Ergebnisse gebracht.

Es war nicht das Wochenende für die Stuttgarter: Zwar hatten Bruno Spengler mit seiner persönlichen schnellsten Qualifying-Runde und Jamie Green mit seiner absolut schnellsten Rennrunde durchaus das eigentliche Zandvoort-Potenzial der aktuellen Mercedes C-Klasse offenbart. Am Ende jedoch geschah, woran sich bisher nur langjährige DTM-Zuschauer nach einigem Überlegen erinnern konnten: Kein Mercedes-Bolide schaffte es unter die ersten Vier. Schon zu Beginn des Rennens waren größere Positionsgewinne für die HWA-Boliden ausgeblieben - bevor es zwischen Audi und Mercedes heiß herging, nachdem sich das Feld bedingt durch die unterschiedlichen Rennstrategien durchmischt hatte:

So hatte sich Bruno Spengler zwar mit einer gelungenen Rennstrategie zur Endphase des Rennens bis auf den erhofften Podiumsplatz hocharbeiten können. Was folgte, war allerdings ein für Fahrer und Fahrzeug Kräfte zehrendes Duell gegen den viertplatzierten Timo Scheider, das für Spengler verloren ging - und den Unmut des Kanadiers hervorrief. "Scheider ist mehrfach in mein Auto gefahren; hinten links fehlten mir sämtliche aerodynamische Teile. Es war unfair, mich so zu überholen", klagte Spengler, der sich auch durch Christian Abt in der Boxengasse unnötig hart attackiert sah: "Es war genug Platz für zwei Autos. Auch für den Mann, der ausgangs der Boxengasse stand, war das sehr gefährlich."

Mit Platz fünf trug Spengler, der sich auch Mattias Ekström am Ende geschlagen geben musste, noch den größten Teil zum bescheidenen Punktesegen von insgesamt sieben Zählern bei. Tapfer schlug sich Mika Häkkinen von Startplatz 13 aus. "Eigentlich bin ich enttäuscht", gestand der Finne, musste sich jedoch trotz einer respektablen Rennstrategie mit Position sieben begnügen: "Hätte ich versucht, Christian Abt zu überholen, wäre das in einem Unfall geendet." In einem Unfall endete auch Bernd Schneiders Versuch, Tom Kristensen nach dessen Boxenausfahrt hinter sich zu halten. "Ich fuhr innen in die Kurve, auf der folgenden Geraden fuhr er mir ohne Grund ins Auto. Damit war mein Auto kaputt", zeigte sich Schneider verärgert, nachdem er ebenso wenig hatte nachgeben wollen wie der Däne.

Ein auf volles Risiko gepoltes Rennen von Startplatz 18 aus blieb für den vierten Piloten im HWA-Bunde, Jamie Green, unbelohnt - womit er sich nicht von den meisten Jahres- und Gebrauchtwagenpiloten unterschied. Bei Daniel La Rosa streikte schon vor dem Start die Antriebswelle, Mathias Lauda haderte mit einer unglücklichen Rennstrategie, Gary Paffetts Rennen wurde durch einen unverschuldeten Dreher Paul Di Restas beeinträchtigt, nachdem der Engländer hatte ausweichen müssen. Ein missglückter Boxenstopp tat sein Übriges dazu, dass der DTM-Champion von 2005 anders als sein Teamkollege Alexandros Margaritis die Punkte verfehlte. "Ich hatte einen megaguten Start - den besten meines Lebens in der DTM. Wenn man von 15 kommt und Achter wird, das ist schon eine gute Leistung", bot der Grieche das in Zandvoort seltene Bild eines zufriedenen Mercedes-Piloten.

Zur Zufriedenheit sah auch Sportchef Norbert Haug keinerlei Anlass. Während Haug nur zwischen den Zeilen eine mäßige Begeisterung über die Stallregie bei Audi durchblicken ließ, wurde er mit Blick auf die direkten Duelle deutlicher. "Ich denke, dass es einfach zu viel ist, wenn man sich so ins Auto fährt, und dann das Auto auch so viele Teile verliert, dass es dann einfach nicht mehr schnell genug fahren kann", kritisierte Haug die Ingolstädter Konkurrenz, die Mercedes so um bessere Ergebnisse gebracht habe, "jetzt werden wir sehen, wie die Sportbehörde das Ganze sieht und wie es weitergeht."

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