Ausgerechnet im Land des Dolce Vita kämpfen erstmals sämtliche Mercedes-Jahrgänge mit Wohlstandsblei am Unterboden. Dennoch soll der fünfte Saisonsieg her...

In Formel-1-Sphären kann Italien kaum als bevorzugtes Metier von Mercedes-Sportchef Norbert Haug gelten: Genau zehn Jahre ist es mittlerweile her, dass mit David Coulthard in Monza letztmals ein Silberpfeil-Pilot den Großen Preis von Italien für sich entschied. Mit Blick auf die DTM-Statistik sieht es für die Stuttgarter ungleich besser aus: Mit fünf Mugello-Siegen in den Jahren 1994 bis 1996 gelang es Mercedes regelmäßig, den Erzkonkurrenten von Alfa Romeo die gute Laune beim Heimspiel zu nehmen. Doch als zuletzt 2003 Christijan Albers in seinem Mercedes CLK das italienische Gastspiel in Adria für sich entschied, gab es noch keine Zusatzgewichte...

HWA

Nach zuletzt drei Siegen in Folge hat die neue Mercedes C-Klasse Wohlstandsblei am Unterboden angesetzt: Mit einem Mehrgewicht von immerhin sieben Kilogramm präsentiert sich der Stuttgarter Neuwagen erstmals in dieser Saison schwerer als der um einige Bleiplatten erleichterte Audi-Neuwagen. Doch von jenem gerade auf einer Berg- und Talbahn wie Mugello nicht unbeträchtlichen Nachteil lässt sich Bernd Schneider als zweifacher Mugello-Sieger der alten DTM nicht irritieren. "Auf der über einen Kilometer langen Start-Ziel-Geraden braucht man möglichst viel Topspeed, damit man am Ende aus dem Windschatten heraus überholen kann. In den vielen mittelschnellen Kurven ist Abtrieb wichtig für eine gute Rundenzeit", glaubt der Rekordchampion das Erfolgsrezept zu kennen.

Derweil hofft Bruno Spengler, mittlerweile zweites HWA-Eisen im Titelfeuer, auf einen produktiven Verlauf des Freitags, nachdem Audi im Rahmen der Saisonvorbereitung bei Exklusivtests in Mugello bereits Vorarbeit leisten konnte: "Diesmal sind die Tests am Freitag besonders wichtig, da jeder die Strecke kennen lernen muss. Es wird sicher ein paar Runden dauern, bis wir uns auf den Kurs eingestellt haben." Einen diesmal besonders hohen Anspruch an die Setup-Arbeit vermutet auch Mika Häkkinen - der auch nach der jüngsten Fortsetzung seiner Pechsträhne in Nürnberg nicht aufgeben will: "Ich bin deshalb noch stärker motiviert, den Abstand zur Spitze der Meisterschaftswertung zu verkürzen."

Mücke & Persson

Und wenngleich auch die Audi-Jahreswagen von den Mugello-Tests im Winter sowie einem beachtlichen Gewichtsvorteil von 31,5 Kilogramm profitieren - Persson-Pilot Alexandros Margaritis lässt sich den Optimismus nicht nehmen. "Im März 2005 fuhr ich in Mugello zum zweiten Mal im DTM-Auto, nachdem ich kurz zuvor zum Team Mücke Motorsport gekommen war. Bei den Tests damals war ich auf Anhieb zweitschnellster Mercedes-Benz Fahrer", hegt der Grieche gute Erinnerungen an den 5,245 Kilometer langen Kurs, der angesichts einer 1,1 Kilometer langen Start-/Zielgeraden gute Überholchancen für die topspeedstarken C-Klassen der älteren Jahrgänge verspricht.

Und während Gary Paffett hofft, die Basisabstimmung seiner 2005er-C-Klassen bei den Mugello-Tests vor zwei Jahren auf seinen aktuellen Jahreswagen übertragen zu können, reisen Paul Di Resta und Daniel La Rosa zwar ohne jegliche Vorkenntnisse zur Ferrari-Hausstrecke. "Durch meinen italienischen Vater ist das Rennen in Mugello für mich so etwas wie ein Heimrennen", freut sich La Rosa jedoch genauso auf den sechsten Saisonlauf wie Di Resta, der ebenfalls familiäre Bindungen nach Italien pflegt. Cousin Dario Franchitti, in der alten DTM als Teamkollege Bernd Schneiders unterwegs, hatte vor zwölf Jahren das Siegrezept...

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