Jamie Green, unter der alten Rennleitung häufiges Opfer der brüchtigten Durchfahrtsstrafen, sieht mit der neuen Rennleitung Licht am Ende des Tunnels...

"Ich habe so einen Punkt in den letzten zehn Jahren vielleicht ein- oder zweimal erwähnt. Ich bin kein Querulant, aber das muss angesprochen werden", begann in Oschersleben Norbert Haugs Kommentar zur Durchfahrtsstrafe für Jamie Green, der beim Versuch, Vanina Ickx zu überrunden, mit der Belgierin aneinander geraten war. Und wenngleich der Mercedes-Sportchef "so einen Punkt" schon allein während der letzten Saison weit öfter als ein- bis zweimal erwähnte: Mit seiner Kritik an der Entscheidung der Rennleitung stand Haug in der DTM-Welt nicht alleine da, nachdem bereits in den Vorjahren unzählige Male über Sinn und Unsinn einer Durchfahrtsstrafe diskutiert worden war...

"Es kann ja nicht eine Mercedes-Regel und eine Konkurrentenregel geben", ergänzte Haug. Dass es diese tatsächlich nicht gab, dürfte wohl auch so mancher von fragwürdigen Durchfahrtsstrafen verfolgte Audi-Pilot bestätigen - doch nicht nur Jamie Green fiel auf, selbst überdurchschnittlich häufig eine Ehrenrunde durch die Boxengasse drehen zu dürfen. Ebenso wie in Oschersleben hatte der Brite auch in der Lausitz eine Drive-through-Penalty antreten dürfen - und übt Kritik an der nach dem Klettwitzer-Chaos abgelösten Rennleitung:

"Das Problem bei der alten Rennleitung war, dass sie in ihren Entscheidungen nicht wirklich konsequent waren. Manchmal gaben sie wegen Fahrzeugkontakts bereits Durchfahrtsstrafen, manchmal nicht. Vielleicht haben sie ihre Entscheidungen während des Rennens zu schnell getroffen", vermutet Green im Gespräch mit der adrivo Sportpresse und schlägt eine Vorgehensweise vor, die das Sportliche Reglement ausdrücklich vorsieht: "Aus meiner Sicht wäre es sinnvoller, die Entscheidungen nach dem Rennen in einer entspannteren Atmosphäre zu treffen." So könne man die strittige Szene genauer analysieren und bei Bedarf im Nachhinein eine Zeitstrafe vergeben.

Eine Maßnahme, von der bislang auch die neue Rennleitung bei ihren Einsätzen in Brands Hatch und Nürnberg noch keinen Gebrauch machte: Zu groß ist der Reiz, dem Zuschauer beim Fallen der Zielflagge ein fertiges Ergebnis zu präsentieren. Dennoch findet Green mit Blick auf die neue Rennleitung um Renndirektor Sven Stoppe nur lobende Worte: "In Nürnberg hat die Rennleitung im Fahrerbriefing noch einmal Szenen aus Brands Hatch angesprochen und gesagt, was wir als Fahrer besser machen können. Gleichzeitig hat die Rennleitung während des Briefings auch die Verbesserungsvorschläge der Fahrer angehört und versprochen, sie umzusetzen. So sollte es sein."

Zwar leistete sich die bei der Strafvergabe mildere neue Rennleitung in Nürnberg einen ähnlichen Fehler, wie ihn der Brite schon 2006 beim ihren Vorgängern monierte: So vermisste Daniel La Rosa die blauen Flaggen für Lucas Luhr vor zehn Tagen ebenso wie Green im vergangenen Jahr den Überrundungshinweis für Christian Abt, durch den sich der HWA-Pilot anschließend unsanft ins Aus katapultiert sah. Doch Jamie Greens Urteil mit Blick auf Sorgfalt und Konsequenz der Rennleitung ist positiv: "Ich bin guter Hoffnung..."

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