Nicht nur der viel zitierte Gewichtsnachteil trug für Mercedes zu einer unfreiwilligen Neuauflage des Mugello-Qualifyings bei.

"Mika Häkkinen ist von Platz 15 aus in Mugello ganz nach vorne gekommen - man sollte nicht aufgeben", kommentierte Bernd Schneider ein mäßig erfolgreiches Qualifying. Norbert Haug ergänzte: "Mika hat vor zwei Wochen in Mugello von Platz 15 gewonnen und damals startete unser bestklassiertes Auto auf Platz sechs." Und der Überraschungssieger von Italien, Mika Häkkinen, war der Ansicht: "Ich glaube, alles möglich." Und so hofft man in Stuttgart unisono auf eine Wiederholung des Wunders von Mugello...

Nachdem das Zandvoorter Qualifying tendenziell noch schlechter verlaufen war als das italienischen Zeitfahren vor zwei Wochen, gibt lediglich Bruno Spenglers Performance Anlass zur Hoffnung. Mit nur 339 Tausendstelsekunden Rückstand auf Pole-Inhaber Timo Scheider war es der Kanadier, der sich - den Zeitverlust durch die Zusatzgewichte herausgerechnet - auf einer Augenhöhe mit den Ingolstädtern befand. Zwar sei er mit Platz sechs naturgemäß nicht zufrieden, aber immerhin sei das Qualifying ansonsten perfekt verlaufen, durfte Spengler behaupten - während seine Teamkollegen rätselten:

"Bernd Schneider, Jamie Green und ich hatten jedoch ernsthafte Probleme, das Maximum aus dem Auto herauszuholen", gestand Mika Häkkinen, den es mit Startplatz 13 noch besser traf als Schneider und Green, "eigentlich sollten wir in der Lage sein, alle die gleiche Performance abzuliefern." Zwar monierte Schneider während der zweiten Session den allzu dichten Verkehr und leistete sich wie Green, dem ein solcher gleich zwei Mal unterlief, einen Fahrfehler. Doch am Ende musste der Saarländer gestehen: "Ich glaube nicht, dass es für mich bis in die dritte Session gereicht hätte."

So kam auch HWA-Cheftechniker Gerhard Ungar nicht in Versuchung, das bescheidene Ergebnis lediglich als alleinige Folge des Gewichtsnachteils zu sehen. Und während Paul Di Resta im 2005er-Mercedes auf Rang sieben erneut für eine kleine Sensation sorgte, konnte man sich auch in Reihen der Jahreswagen nicht allein auf den für die 2006er-Mercedes gar 25 Kilo schweren Nachteil berufen. Defekte Heizdecken verhinderten für Gary Paffett und Alexandros Margaritis bessere Ergebnisse als die Plätze neun und 15; bei Mücke reihte man sich noch weiter hinten ein. Mathias Lauda haderte: "Ich verstehe es nicht - alle sind verglichen mit dem dritten Test schneller geworden, aber ich wurde langsamer. Ich bekam ein starkes Untersteuern, obwohl wir nach dem freien Training nichts am Auto verändert hatten."

Weder die eigene Performance noch das Verkehrspech, von dem insbesondere Susie Stoddart verfolgt schien, konnten zu einem akzeptablen Mannschaftsergebnis beitragen. So bleibt einem Großteil der Mercedes-Piloten nicht nur die Hoffnung auf die Wiederholung des finnischen Mugello-Wunders. Auch der für morgen nicht unwahrscheinliche Regen soll die Stärken der C-Klasse-Generationen, die sich in Zandvoort traditionell starkem Gegenwind von Audi stellen müssen, wieder deutlicher hervortreten lassen. Daniel La Rosa hofft: "Wenn es regnet, ist alles drin; wenn nicht, nicht so viel..."

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