Die Kulisse wurde gewechselt, das Schauspiel blieb gleich: Abgesehen vom Austragungsort gleicht in der zweiten Saisonhälfte bislang ein Samstag dem anderen...

Hätte man sich die Dünen weggedacht und sich stattdessen die grüne Gebirgslandschaft der Toskana ausgemalt - man hätte ein Déjà-vu erlebt. Nicht nur mit Blick auf die ersten fünf Startplätze gleicht das heutige Qualifying-Ergebnis dem Resultat von vor zwei Wochen allzu sehr. So hofft man bei Mercedes auch diesmal auf ähnlich mildernde Rennumstände wie in Mugello: Mögliche Reifenprobleme bei der Konkurrenz werden hinaufbeschworen, man hofft auf Safety-Car-Phasen und kündigt an, zwei möglichst frühe Boxenstopps einlegen zu wollen...

Gleiche Prophezeiung

Beim Samstagstraining von Mugello hatte Timo Scheider die Bestzeit noch um nur neun Tausendstelsekunden verpasst - nun riss er sie ebenso an sich wie schon die Bestmarken der beiden Freitagstrainings. Ähnlich wie in Italien prophezeite die Vorbereitung aufs Zeitfahren bereits deutlich die Tendenzen für das Qualifying: Ein HWA-Trio aus Jamie Green, Bernd Schneider und Mika Häkkinen befand sich im hinteren Mittelfeld; lediglich Bruno Spengler stach positiv heraus.

Paul Di Resta kündigte auf Position zwei seine auch am frühen Nachmittag bemerkenswerte Performance an. Lediglich der zehntplatzierte Mathias Lauda sah sich getäuscht: "Im freien Training sah es noch gut aus. Mit einem recht schweren Auto sind wir gute Zeiten gefahren, der Wagen lag gut, ich fühlte mich wohl. Daher dachte ich, dass es im Qualifying genauso gut funktionieren sollte..."

Gleiches Ergebnis

Es kam anders: Hatten sich die HWA-Mercedes zumindest während der ersten Session zeitweise in den Top 8 halten können, so folgte in den späteren Durchgängen jene Ernüchterung bei Mercedes, wie sie schon am Mugello-Samstag geherrscht hatte. Doch konnten die Probleme damals auf die für die Stuttgarter wenig vorteilhafte Streckencharakteristik zurückgeführt werden, so wollte man diesmal von einer mangelnden Eignung der C-Klasse für den 4,307 Kilometer langen Dünenkurs nichts wissen. Mit einem Rückstand von weniger als vier Zehntelsekunden auf Pole-Inhaber Timo Scheider hatte Bruno Spengler bewiesen, dass sich der 2007er-Mercedes unter optimalen Bedingungen - gewichtsbereinigt - nicht vor der Konkurrenz fürchten müsste.

Im Rest des Mercedes-Lagers herrschte Ratlosigkeit. "Eigentlich sollten wir in der Lage sein, alle die gleiche Performance abzuliefern", sprach Mika Häkkinen für sich ebenso wie für Bernd Schneider und Jamie Green, die noch hinter dem Finnen auf den Plätzen 14 und 18 landeten. Auch HWA-Cheftechniker Gerhard Ungar hatte für die teaminternen Abstände keine Erklärung parat - und konnte am Ende nur hilflos zusehen, wie man bei Abt-Audi mit Unterstützung Alexandre Prémats die zweite Fünffach-Pole in Folge einfuhr. Teamchef Hans-Jürgen Abt zeigte sich naturgemäß zufrieden: "Man kann hochzufrieden sein. Die Mannschaftsleistung war geschlossen perfekt - die optimale Ausgangsposition..."

Gleicher Anspruch

Schon der fahrerisch anspruchsvolle Kurs von Mugello forderte auch angesichts rasch abbauender Reifen zu Ausflügen neben die Strecke voraus. Auch die Tücken des Dünenlabyrinths zeigten sich während des Qualifyings wieder und wieder. "Auf meiner ersten Runde waren die beiden ersten Sektorenzeiten sehr gut, dann blockierten mir in Kurve 8 die Bremsen und ich bin durchs Kiesbett gefahren", schildert Green einen Fahrfehler, dem sich ein weiterer anschloss. Auch Tom Kristensen haderte mit den wie schon gestern ständig wechselnden Streckenbedingungen: "Einmal fuhr ich einen Tick zu schnell in die Schikane hinein, einmal war sie wegen des Sands unerwartet rutschig, und beim letzten Mal bin ich sie deshalb zu konservativ angegangen."

Allzu progressiv ließ es hingegen Vanina Ickx angehen: Nachdem die Belgierin schon gestern zu keiner einzigen gezeiteten Runde gekommen war, während ihr Dienstwagen stundenlang hatte repariert werden müssen, machte sich ihr Erfahrungsrückstand heute stark bemerkbar. Schon auf ihrer zweiten gezeiteten Runde geriet sie erneut neben die Strecke, verfing sich im Kies und überschlug sich. "Wir mussten einiges riskieren, und dabei kann auch ein Unfall passieren. Es tut mir besonders leid für das Team, das schon am Vortag viel Arbeit hatte", bedauerte Ickx. Doch die Zeit drängt für die Mechaniker nicht mehr: Schon am Abend stand fest, dass der 2005er-Audi bis zum Rennen ohnehin nicht mehr ans Laufen gebracht werden kann...

Gleicher Verkehr

Ickx\' Missgeschick hatte einen Abbruch der ersten Session zur Folge, deren Restzeit an die Regelzeit des zweiten Durchgangs angehängt. So erhielten alle verbliebenen 19 Piloten die Chance, erneut ihr Glück zu versuchen - und hatten sich demselben regen Verkehr zu stellen wie zu Beginn. Die Überholproblematik auf dem ungewöhnlich engen Kurs wurde so nicht entschärft: Kaum ein Pilot, der nicht berichtete, während der zweiten Session vom Verkehr beeinträchtigt worden zu sein. Die gegenseitigen Blockadevorwürfe von Audi und Mercedes blieben allerdings aus - genauso wie in Mugello, anders jedoch als vor einem Jahr in Zandvoort...

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