Die Stuttgarter bewiesen, dass ihre Siegesserie auch ohne Pole Position nicht zu stoppen ist. Und Mika Häkkinen schloss Frieden mit dem Safety-Car..

Sollte man sich nicht gerade in der Nähe von Stuttgart beim Mercedes-Heimrennen befinden - der Sieg eines Mercedes-Piloten scheint unausweichlich. Ob die beiden ersten Startreihen komplett an die Fahrer der Mercedes C-Klasse gehen oder das Qualifying wie am gestrigen Tag gründlich misslingt: Mit Blick auf das Podest ändert sich am darauffolgenden Tag wenig. Ausgerechnet Mika Häkkinen, der gestern mit Platz 15 das schlechteste HWA-Resultat erzielte, ging als strahlender Sieger von Mugello hervor - und erfuhr ausgleichende Gerechtigkeit:

Stand der Finne mit dem Safety-Car bislang auf Kriegsfuß, nachdem er durch wahlweise falsch oder richtig durchgeführte Pace-Car-Phasen sowohl in der Lausitz als auch in Nürnberg wertvolle Punkte verloren hatte, so ging Häkkinen heute als Gewinner der Gelbphase hervor. Unfreiwillige Schützenhilfe hatte Markenkollege Alexandros Margaritis geleistet, der durch seinen glücklicherweise glimpflich ausgegangenen Einschlag in die Reifenstapel die Safety-Car-Phase ausgelöst hatte - nachdem Häkkinen als einziger Fahrer im Feld bereits seinen zweiten Boxenstopp absolviert hatte.

"Ich war schon ein wenig durcheinander, als alle in die Boxengasse fuhren. Ich habe einfach das Gaspedal durchgedrückt und schwupps, war ich an allen vorbei", berichtet Häkkinen von jenem entscheidenden Moment, als das restliche Feld nach Öffnung der Boxengasse während der Safety-Car-Phase vollständig zum zweiten Boxenstopp abbog. Zwar wies die Liste der Schnellsten Rennrunden den gegnerischen Audi-Neuwagen als schnellstes Fahrzeug im Feld aus. Doch obwohl Mattias Ekström zehn Runden vor Schluss den Druck auf Häkkinen erhöhte, gelang es dem Finnen souverän, den Sieg nach Hause zu fahren.

Für die übrigen HWA-Piloten lief es weniger rund: Jamie Green beschädigte sich frühzeitig Aufhängung, Bruno Spengler zeigte sich zwar mit Rang vier zufrieden, de facto erhöhte sich jedoch sein Rückstand auf die Meisterschaftsspitze. Ohnehin bildete der Blick auf den Tabellenstand für Mercedes den Wermutstropfen: Eine Führung mit 1,5 Punkten Vorsprung verwandelte sich für Bernd Schneider in einen Rückstand von 6,5 Zählern auf Mattias Ekström. Schneider, der nach Startplatz elf auch im Rennen den ersten Rang außerhalb der Top Ten belegte, sah sich von einem Audi-Piloten, nicht jedoch von seinem missglückten zweiten Boxenstopp ausgebremst: "Timo Scheider ist mir am Start vor der dritten Kurve volle Kanne ins Auto gefahren, damit war das Rennen eigentlich schon vorbei."

Jubeln durften neben Mika Häkkinen auch Vertreter des Jahres- und Gebrauchtwagenlagers: Trotz beträchtlicher Gewichtsnachteile präsentierten sich 2006er- und 2005er-Mercedes zumindest im Rennen annähernd auf einer Augenhöhe mit den Audi-Pendants. Belohnt wurden Paul Di Resta mit seinem dritten Podestplatz der Saison sowie Daniel La Rosa mit einem guten fünften Platz, der die Pechsträhne des Halb-Lokalmatadoren nach vier Rennen enden ließ. Sportchef Norbert Haug sah seinen gestrigen Optimismus bestätigt: "Es ist ein verdienter Sieg. Nicht mit dem schnellsten Auto, aber mit dem etwas langsameren Auto und zehn Kilo Mehrgewicht vom 15. Platz zu gewinnen, ist eine umso tollere Leistung."

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