Auch wenn der Sieg geschenkt war - Martin Tomczyk war dennoch hochzufrieden mit seiner Leistung. Auch im Titelrennen ist er jetzt wieder voll mit dabei.

Der Sieger der Herzen der Herzen war Martin Tomczyk nicht gerade, nachdem ihm Markenkollege Alex Prémat auf Befehl von oben den Sieg überlassen musste. So galt Tomczyks Dank und Mitgefühl nach dem Rennen in erster Linie dem Franzosen: "Ich bin jetzt mittlerweile sieben Jahre bei Audi dabei und in diesen sieben Jahren bin ich auch öfter vom Gas gegangen. Also ich weiß, wie sich das anfühlt. Und deswegen bedanke ich mich ganz herzlich bei Alexandre", sagte Tomczyk.

Gewissensbisse aufgrund des geschenkten Sieges hatte der Bayer jedoch auch nicht. "So muss Teamwork aussehen, so dass wir in der Meisterschaft ganz vorne sein können." Zumal es an der fahrerischen Leistung Tomczyks nichts auszusetzen gab. Ein Reifenproblem war Schuld daran, dass der schon auf Siegkurs fahrende Tomczyk seine Führung an Prémat abgeben musste. "Beim Einlenken in Kurve 3 bin ich einfach weiter gerade ausgefahren und habe nur in dieser Kurve Runde für Runde anderthalb Sekunden verloren", berichtete der Audi-Pilot. Ein Problem, das er auf diese Weise noch nicht gekannt habe. "Ich hab Glück gehabt, dass die Reifen noch bis zum Schluss gehalten haben", glaubt er.

Doch ein mysteriöser Reifen war nicht das einzige Hindernis, dass sich Tomczyk auf dem Weg zum Sieg in den Weg stellte. Zwar schien die Strategie, früh zu stoppen, goldrichtig zu sein, doch kurze Zeit danach liefen er und Prémat auf Paul di Resta auf. Der Vorteil drohte zu einem Nachteil zu werden. "Er hat gekämpft wie ein Komanche. Ich hätte vielleicht schon vorbeikommen können. Aber ich wollte nicht unfair sein, und da war es mir wichtiger, dass ich alle meine aeredynamischen Teile behalte", schilderte Tomczyk die Situation.

So tat man bei Audi das einzig Richtige und holte Prémat und Tomczyk zum zweiten Pflichtstopp an die Box. Der Weg zum Doppelsieg war frei. Tomczyk ist dadurch auch in der Meisterschaft wieder mit vorne mit dabei. Nur sein Freund und Teamkollege Mattias Ekström steht noch vor ihm. Könnte das zu Zerwürfnissen führen? "Besser kann es doch gar nicht sein. Wir sind professionell genug. Der Beste und der Schnellste soll am Ende gewinnen", findet der Bayer.

Sowieso sei es bis zum Titelgewinn noch ein weiter Weg: "Es sind noch drei Rennen, Mattias ist acht Punkte vorn und Bruno Spengler nur vier Punkte hinter mir", bedenkt Tomczyk. Dennoch schätzt er beim Blick auf die kommenden Läufe seine Chancen nicht allzu schlecht ein. "Ich habe schon in Mugello gesagt, dass jetzt die Rennstrecken kommen, die mehr liegen. Auf dem Nürburgring, in Barcelona und Hockenheim kann ich zeigen, wie schnell ich sein kann."

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