Im Dialog mit der adrivo Sportpresse bewertet Martin Tomczyk den Kampf um den Titel, das teaminterne Duell gegen Mattias Ekström sowie die Entwicklung der DTM.

Seit sechs Jahren bist du in der DTM, nun bist du erstmals direkt in den Titelkampf involviert. Ist der Druck größer geworden?
Martin Tomczyk: Das nur bedingt, denn wenn es Druck gibt, dann mache ich ihn mir meistens selbst. Bis zum Norisring ist die Saison sehr gut für mich verlaufen, das Team arbeitet gut zusammen, was die Arbeit für mich wiederum leichter macht. Aber wenn sich die Saison zuspitzt und nur noch zwei bis drei Rennen zu fahren sind, steigen natürlich der Druck und die Anspannung, vor allem im Kampf um den Titel.

Gehst du im Titelkampf auf der Strecke eher mehr oder eher weniger Risiko ein als sonst?
Martin Tomczyk: Das ist situationsabhängig. Aber wenn es um den Meisterschaftstitel geht und man gut punkten muss, geht man tendenziell eher etwas mehr Risiko ein.

Wie erlebst du im Kampf um die Meisterschaft das teaminterne Duell mit Mattias Ekström?
Martin Tomczyk: Natürlich wird in dieser Situation das Konkurrenzdenken immer größer, denn irgendwann wird sich entscheiden, wer von uns beiden in der Endphase für Audi um den Titel kämpfen wird. Schließlich ist auch Mercedes, allen voran Bernd Schneider, nicht weitab vom Schuss. In persönlicher Hinsicht ist das zwischen Mattias und mir kein Problem, aber wenn man die Chance hat, um den Titel zu fahren, will sie sich auch jeder aufrechterhalten.

Wenn du die Entwicklung der DTM betrachtest: Was unterscheidet dein Debütjahr 2001 mit der aktuellen Saison?
Martin Tomczyk: In technischer Hinsicht hat sich natürlich einiges getan, auch die Einführung der beiden Pflichtboxenstopps hat vieles verändert. Auch das Audi Sport Team Abt Sportsline ist gereift. Die Zuschauernähe in der DTM ist gleich geblieben, die Popularität ist etwas gestiegen, auch wenn nur noch zwei Marken mitfahren.

Hat in dieser Saison die Transparenz für den Zuschauer gelitten?
Martin Tomczyk: Die missglückten Safety-Car-Phasen auf dem Lausitzring waren für die Zuschauer genauso verwirrend wie für uns. Das war ein Fehler, der nicht vorkommen darf. Bei der Transparenz besteht sicherlich ein wenig Nachholbedarf, wobei der DMSB kräftig daran arbeitet.

Wie macht sich die Neubesetzung der Rennleitung bemerkbar?
Martin Tomczyk: Der neue Renndirektor hat eine große Verantwortung übertragen bekommen, und bisher macht er seine Arbeit gut. In Brands Hatch hat die Rennleitung einen guten Einstand erlebt, wobei sie noch ihre Zeit braucht, um sich einzugewöhnen. Ich finde es gut, dass es in der Rennleitung neue Gesichter gibt.

Der Norisring lag dir weniger, Mugello umso mehr. Wie sehen deine Streckenpräferenzen aus?
Martin Tomczyk: Was die Strecken angeht, gefällt mir die zweite Saisonhälfte besser als die erste, sprich: Mugello, Zandvoort, Nürburgring, Barcelona und Hockenheim. All das sind Strecken, auf die ich mich freue.

Wie sehr trägt dazu dein Fahrstil bei?
Martin Tomczyk: Er ist eins zu eins auf Mugello übertragbar: Schnell und flüssig, mit Präferenz für aerodynamisch anspruchsvolle Kurven.

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