Kaum jemand hätte Ende 2006 an den Durchbruch Mika Häkkinens geglaubt - nun scheint es nur noch eine Frage der Zeit, bis der Finne in den Titelkampf eingreift.

Vielleicht ein wenig neidisch, aber auch mit einiger Anerkennung dürften Jean Alesi und Heinz-Harald Frentzen die aktuelle DTM-Saison verfolgen. Mika Häkkinen poliert den Ruf der Ex-Formel-1-Fraktion gehörig auf, nachdem die DTM-Qualitäten der früheren F1-Stars im vergangenen Jahr in allzu große Zweifel gestellt worden waren. Jean Alesi hatte im Mercedes-Jahreswagen vergeblich gegen die Perspektivlosigkeit gekämpft, Heinz-Harald Frentzen trennte sich nach einer mäßig begeisternden Saison im Streit von Audi. Und Mika Häkkinen? Selbst dem zweifachen Formel-1-Weltmeister hatte die Konstanz gefehlt, die auch Alesi und Frentzen in der DTM stets vermissen ließen...

Zeit des Zweifelns

"Sie haben im Hinterkopf, wie in der Formel 1 mit Blick auf die Simulationen, die Vorgehensweise, die Aerodynamik und einiges andere gearbeitet wird. Doch das sind zwei Paar Schuhe", analysierte HWA-Technikchef Gerhard Ungar damals die Anpassungsschwierigkeiten der Ex-F1-Stars; auf Jean Alesi war er schon lange nicht mehr gut zu sprechen. Lediglich dem Finnen stellte Ungar beim Versuch, sich in die Arbeitsabläufe der DTM einzugewöhnen, ein vergleichsweise gutes Zeugnis aus: "Ich glaube, dass Mika es nicht so schwer wie die anderen hat, was daran liegt, wie jemand an die Sache herangeht."

Und obwohl die Saison 2006 für Häkkinen auf Meisterschaftsrang sechs mit mageren drei Podestplätzen und gleich fünf Nullrunden in einer Enttäuschung geendet hatte: Der Motorsportveteran erblickte Licht am Ende des Tunnels. "Ich habe im Laufe dieser Saison mit der Umstellung auf das Linksbremsen den bestmöglichen Fahrstil für mich in einem DTM-Auto gefunden. Eine Technik, mit der ich mich sehr wohl fühle", verriet Häkkinen bereits zu Beginn der Saison - ohne dass sich die Ergebnisse verglichen mit der zweiten Saisonhälfte 2005 besserten. Selbst zum Ende der Saison ließ er sich die Zuversicht nicht nehmen:

"Jetzt kann ich immer mehr zusätzliche Informationen, die ich gewonnen habe, einsetzen. Und das ist sehr interessant. All diese Informationen an der Strecke in der Zusammenarbeit mit den Ingenieuren, mit den Mechanikern zusammenzusetzen, ist fantastisch", berichtete Häkkinen damals - und fügte hinzu: "Und ich weiß, dass früher oder später das entsprechende Ergebnis herauskommen wird." Es gab nicht viele in der DTM-Welt, die den Optimismus des Finnen teilen wollten - zumal sich auch beim Auftaktwochenende 2007 keine deutlichen Fortschritte zeigten.

Zeit des Wartens

Zwei Pole Positions, zwei weitere Plätze in der ersten Startreihe, ein Sieg - und dennoch zählte Mika Häkkinen bis zum vergangenen Wochenende nicht zu den Meisterschaftskandidaten. Ebenso erstaunlich wie die beträchtlichen Fortschritte Häkkinens bei Speed und Konstanz präsentierte sich auch das Pech des Finnen: Ein verlorener vierter Platz in Oschersleben, nachdem zwei Runden vor Schluss eine harmlose Berührung im Kampf mit Mike Rockenfeller einen fatalen Reifenschaden verursacht hatte. Ein halbierter Sieg-Zehner des Finnen in der Lausitz, obwohl Häkkinen gemäß den weiteren DMSB-Untersuchungen auch ohne das Safety-Car-Chaos gesiegt hätte. Und ein verlorener Podestplatz auf dem Norisring, nachdem ihn eine unglückliche Rennstrategie kombiniert mit einer unglücklichen Safety-Car-Phase aus den Punkterängen rutschen ließ.

"Ich hatte keine Erklärung für all das Pech. Ich habe einfach immer wieder versucht, das Maximum herauszuholen. Und dann muss irgendwann der Knoten platzen", kommentierte Häkkinen am Mugello-Freitag seine erste Saisonhälfte in weiser Voraussicht. Emotional durfte er sich an seine 1997er-Saison in der Formel 1 erinnert fühlen: Vom soliden Punkteanwärter hatte sich der Wahlmonegasse im McLaren-Mercedes zur Überraschung der Formel-1-Welt zum Toppiloten gemausert - und sah sich vom Pech verfolgt. Silverstone, Zeltweg, Nürburg: Überall hatte Häkkinen in Führung gelegen, überall ging der V10-Motor im Heck seines Silberpfeils in Rauch auf...

Zeit des Durchbruchs

Wie schon vor zehn Jahren durchlebte Mika Häkkinen seine Pechsträhne mit Geduld. "Was mich über all die Zeit optimistisch gestimmt hat, waren der Speed und die Performance. Ich war zufrieden mit meinem Potenzial, und das hat mich über Wasser gehalten", berichtet Häkkinen von der Erleichterung über seine eigenen Steigerungen, die den Ärger über die unverschuldeten Rückfälle egalisierten: "Wenn ich nur auf Position zwölf oder 13 herumführe, und dann auch noch Pech hätte, würde ich mich schlecht sehr fühlen. Wenn ich in Führung liegend Pech habe, kann ich damit umgehen. Denn dann weiß man, dass eines Tages der Erfolg kommen wird."

Dass Häkkinen in Mugello, wo er erstmals seit Spa 2005 nicht nur den Sieg, sondern auch die lang ersehnten zehn Punkte einfuhr, das Schicksal in die Hände spielte, passt zu den sonstigen Analogien. Ließen in Jerez 1997 Jacques Villeneuve und David Coulthard den damals 29-Jährigen passieren, ohne dass Häkkinen sein erster GP-Triumph missgönnt worden wäre, profitierte er diesmal von einer Safety-Car-Phase, die ihn von Platz 15 als einzigen Piloten, der bereits zwei Pflichtstopps absolviert hatte, auf Rang eins spülte. "Wenn ein Kollege es verdient hat, seinen zweiten Stopp vor dem Pace-Car zu machen, dann war es Mika", gestand selbst Pole-Inhaber Mattias Ekström.

In der Winterpause habe er neben dem Wechsel des Bremsfußes und der tieferen Analyse gemeinsam mit seinen Ingenieuren ein weiteres - von seiner Seite noch nicht gelüftetes - Erfolgsgeheimnis gefunden. Nach langen Monaten der Skepsis ist Mika Häkkinen in der DTM angekommen, und wenngleich seine Titelchancen in der aktuellen Saison nach wie vor besser sein könnten: Ein Eingriff des Finnen in den Meisterschaftskampf scheint nur noch eine Frage der Zeit. Über das Safety-Car philosophiert Häkkinen dennoch unverändert gerne: "Ich habe nicht verstanden, wieso das Safety-Car in Nürnberg nicht von der Boxengasse aus das Feld eingefangen hat, sondern im Bereich der Schikane mitten von der Strecke aus. In der Formel 1 kommt das Safety-Car immer aus der Boxengasse - diese Regel sollte überall gelten..."

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