Rund 20 Jahre nach seinem DTM-Debüt überrascht Bernd Schneider selbst die aktuelle Saison nicht: Gegenüber der adrivo Sportpresse reflektiert der Altmeister.

Wie bewertest du die bisherige Saison generell für die DTM?
Bernd Schneider: Die DTM-Saison hat eigentlich so begonnen, wie ich es auch erwartet habe: Das gesamte Feld ist unheimlich stark und die Leistungsdichte so hoch wie noch nie. Es können so viele Autos ein DTM-Rennen gewinnen wie nie zuvor, so dass man vor Beginn eines Rennens keine Favoriten auf den Sieg ausmachen kann. Da hatten es die Fans früher vielleicht einfacher, als sie stets die fünf Fahrer kannten, die die Meisterschaft gewinnen konnten. Früher musste man sich auf fünf Piloten konzentrieren, nun auf 15...

Wie zufrieden bist du mit dem Saisonverlauf?
Bernd Schneider: Schon vor meinen Sieg in Brands Hatch war ich nicht unzufrieden, denn dass es hart wird, wusste ich vorher. Ganz zufrieden bin ich mit Blick auf die ersten drei Rennen natürlich nicht - es wäre einige Male mehr drin gewesen. Doch mit 7,5 Meisterschaftspunkten nach dem Rennen auf dem Lausitzring war ich gar nicht so schlecht bedient - meine Teamkollegen hat es nicht besser getroffen.

Wie bewertest du die Entscheidung, die Punkte für den dritten Saisonlauf zu halbieren?
Bernd Schneider: Letztlich ist es für alle gleich - wobei es Mika Häkkinen mit fünf Punkten für seinen Sieg sicherlich am härtesten getroffen hat. Auf Platz vier war es nicht ganz so schlimm, aber trotzdem ärgerlich. Insgesamt konnte ich die Entscheidung nicht ganz nachvollziehen, denn wieso werden die Fahrer bestraft, wenn die Organisatoren Fehler gemacht haben? Wir konnten am wenigsten für das Chaos - und nach der Protestfrist hatten sich schon am Sonntag auf dem Lausitzring alle auf dieses Ergebnis geeinigt.

Gefällt dir das Gewichtsreglement in seiner aktuellen Form oder wirkt es bereits zu verzerrend?
Bernd Schneider: Hierüber müsste ich mir eigentlich keine Gedanken machen - es ist für alle gleich. Wir müssen in diesem Jahr damit zurechtkommen. Ob es gut oder schlecht ist, braucht man im Nachhinein nicht mehr zu diskutieren.

Wie siehst du die neue C-Klasse im Vergleich zu ihrem Vorgänger?
Bernd Schneider: Sie ist schöner, schneller und besser - in allen Bereichen. Es gibt keinen Punkt, in dem die alte C-Klasse besser war, denn das könnte nicht das Ziel eines neuen Autos sein. Reglementarisch sind wir jedoch relativ stark limitiert, insofern waren von Beginn an keine ganz großen Sprünge zu erwarten. Wir sind sehr zufrieden, zumal die neue AMG Mercedes C-Klasse noch viel Weiterentwicklungspotenzial hat.

Und wenn du sie mit den Fahrzeugen der alten DTM vergleichst...?
Bernd Schneider: Das wäre so, als würde ich die heutige DTM mit der Formel 1 vergleichen - es macht nicht viel Sinn. Es sind Unterschiede wie zwischen Tag und Nacht. Kurioserweise sind ja die Testtage eher weniger denn mehr geworden, obwohl wir damals seriennahe Tourenwagen hatten, an denen wir so lange herumgebastelt haben, bis sie etwas mehr nach einem Rennauto aussahen. Heute versucht man, nach den reglementarischen Vorgaben ein reinrassiges Rennfahrzeug zu entwickeln. Für den Fahrer machen diese Autos der heutigen Zeit mehr Spaß als damals die seriennahen Tourenwagen - die sicherlich auch ihre Reize hatten.

Trotz seiner Jugend fährt Paul Di Resta im Gebrauchtwagen konstant an der Spitze. Wie viel ist die Erfahrung heute noch wert?
Bernd Schneider: Es nützt weder die Erfahrung des Fahrers noch die Erfahrung des Teams, wenn der Fahrer nicht schnell ist. Paul Di Resta ist schnell, er weiß, wie man vorne mitfährt. Und auch wenn Brands Hatch nicht sein Wochenende war - auf diesen Mann werden wir noch aufpassen müssen.

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