Stefan Aicher, technischer Projektleiter DTM von Audi, erklärt der adrivo Sportpresse, wie in zwei Wochen aus einem Totalschaden ein DTM-Rennfahrzeug wurde.

Nach dem schrecklichen Unfall musste das Auto von Tom Kristensen komplett neu aufgebaute werden. Wie haben Sie das in der kurzen Zeit geschafft?
Stefan Aicher: Die Teile liegen zum Teil in Ingolstadt, zum Teil haben wir Sie vor Ort an der Rennstrecke vorrätig. Nach dem Unfall haben wir direkt unser Notfallprogramm eingeleitet und mit Ingolstadt telefoniert, dass am Montag früh gleich alles vorbereitet wird. Dann ist unser Team Abt Sportsline, das für das Auto zuständig ist, dahin gereist und hat von Montagmittag an gearbeitet, bis das Auto eine Woche später am Montagabend acht Uhr fertig war. Donnerstag sind wir nach Oschersleben gereist und konnten hier just-in-time den Funktionstest vor dem Roll-Out heute früh durchführen.

Was war die größte Herausforderung beim Neuaufbau des Fahrzeugs?
Stefan Aicher: Die Zeit. Es war zwar kein richtiger Neuaufbau. Die Autos waren ja schon fertig entwickelt, das heißt, dass die Teile alle da sind. Die neuen Teile mussten aber zum Teil noch ans Auto angepasst werden, und das kostet Zeit.

Was beinhaltet so ein Funktionstest genau?
Stefan Aicher: Wir machen eine Dichtigkeitskontrolle, der Motor muss laufen, das Auto muss fahren, die Bremsen werden überprüft. Wir schauen, ob alle Schrauben sitzen, wir fahren Kurven und Achten, schalten herauf bis in den sechsten Gang und wieder herunter und wir machen Startversuche - also alles, was geht. Außerdem sind in der DTM einige Sensoren erlaubt. Hier wird überprüft, ob die Messtechnik funktioniert.

Wie lief das genau ab?
Stefan Aicher: Gestern Abend waren wir mit dem Auto in einem Sicherheitszentrum hier an der Strecke, und auch das Roll-Out heute haben wir noch genutzt. Bereits in Ingolstadt haben wir das Auto abgestartet und durchgeschaltet. Dann kann man schon sehen, ob das Auto von der Motorenseite her läuft. Alles Weitere sieht man dann auf der Rennstrecke. Aber das beim Roll-Out etwas Schwerwiegendes auftritt, ist eher unwahrscheinlich, weil in der Werkstatt alle grundlegenden Sachen schon gecheckt werden können.

Also wurde mit dem Auto hier in Oschersleben im Wesentlichen genau das gemacht, was mit den anderen Autos auch gemacht wurde?
Stefan Aicher: Ja.

Was ist denn alles neu am Wagen?
Stefan Aicher: Das ganze Auto ist neu, weil schon allein aus Sicherheitsgründen wird bei derartigen Unfällen das komplette Auto neu aufgebaut. Kleine Teilchen im Cockpitraum, die sonst keiner weiteren Belastung standhalten müssen, wie etwa die Halter für das Trinksystem, haben wir übernommen. Aber zu 99,9% ist alles neu.

Werden die alten Teile jetzt einfach verschrottet?
Stefan Aicher: Nur zum Teil. Für uns dienen sie vor allem zur Unfallanalyse und zur Bauteilanalyse. Wir prüfen so intern, wie gut die Teile funktioniert haben. Die Teile, die optisch intakt sind benutzen wir für Ausstellungsfahrzeuge. Aber in ein fahrendes Auto kommt natürlich nichts mehr. Alles rund um den Fahrer ist zum Beispiel optisch intakt geblieben.

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