Sparsam der Materialverbrauch, sparsam die Rundenzahlen, sparsam die Zahl der Sensationen: Verschenkt wurde am Oscherslebener Testfreitag nichts...

Schon das Reglement gibt die Marschrichtung vor: Seit dem Wiederaufleben der neuen DTM im Jahr 2000 sind die technischen Vorgaben auf Sparsamkeit getrimmt - zahlreiche Einheitsteile sowie eingeschränkte Entwicklungsmöglichkeiten sollen eine Kostenexplosion verhindern. Da passte es ins Bild, dass sich auch der heutige Testfreitag ganz im Zeichen der Sparsamkeit präsentierte...

Sparsame Streckenpräsenz - wenige Überraschungen

Wenngleich der Rundengeiz der DTM-Boliden von Formel-1-Niveau weit entfernt war: Nachdem Fahrer und Fahrzeuge schon seit dem viertägigen ITR-Test in Oschersleben bestens mit dem Kurs vertraut sind, zeigten sich die Boliden sichtlich weniger ausgiebig auf der Strecke als noch am Testfreitag des Vorjahres. Ganz ohne Abstimmungsarbeit für die sonntäglichen Longruns ging es dennoch nicht - und auch diesmal präsentierte sich Audi an der Spitze.

So waren auch beim Blick auf die Zeitenlisten die Überraschungen sparsam gesät: An seine Hockenheimer Hochform anschließend setzte Mattias Ekström sowohl am Vormittag als auch beim zweiten Test die Maßstäbe. "Ein toller Freitag. Ich kann mich gar nicht erinnern, wann ich das letzte Mal in beiden Trainingssitzungen am Freitag die Bestzeit gefahren bin", kommentiert der Schwede erfreut - wenngleich die begrenzte Aussagekraft der Tests auch diesmal den Jubel dämpft: So wurden die Bestzeiten des ITR-Tests bei weitem verfehlt.

Auch die um 14 Kilogramm leichteren Mercedes-Neuwagen befinden sich auf der Jagd nach den 2007er-Audi weiterhin in Lauerstellung: Mit verschwindend geringem Abstand reihte sich Bruno Spengler am Vormittag hinter dem Audi-Duo aus Mattias Ekström und Lucas Luhr ein; am Nachmittag präsentierte sich lange Mika Häkkinen als der sichere Sieger des Nachmittags. "Vor allem mein Longrun von heute Morgen war nicht schlecht. Generell haben wir mit unserem Auto eine gute Basis. Ich habe einige kleine Fehler gemacht, aber die Balance des Autos ist stimmt", zeigt sich auch Bruno Spengler weiterhin überzeugt von seinem Dienstwagen.

Weniger angetan von seiner 2005er-C-Klasse präsentierte sich hingegen diesmal Paul Di Resta. Der Stuttgarter Bolide sparte auch heute nicht mit launischen Umtrieben seiner Servolenkung: Ein Defekt der Lenkunterstützung trieb den Schotten in den unfreiwilligen Rundengeiz - und ließ Adam Carroll zur Speerspitze unter den Gebrauchtwagen werden: Mit den Positionen drei und vier ließ der Futurecom-TME-Pilot nach einem unglücklichen Hockenheim-Debüt sein Potenzial aufblitzen. "Ich freue mich schon auf den Samstag", verspricht sich der Nordire auch im Qualifying einen Paukenschlag.

Sparsamer Reifenverbrauch - wenig Pneukritik

"Die Reifenfrage ist nicht so einfach in der DTM - ich stecke voll in diesem Thema. Die neuen Reifen konnte ich nicht umsetzen, denn da war ich nur so schnell wie im Long-run", macht Prémat-Vertretung Marco Werner im Audi-Jahreswagen eben jene Schwierigkeiten durch, mit denen in Hockenheim noch Lucas Luhr und Mike Rockenfeller kämpften. Nachdem die beiden Rosberg-Debütanten jedoch zu einem passenden Reifen-Setup gefunden hatten, konnte laut Teamchef Arno Zensen am schwarzen Gold gespart werden: "Am ganzen Tag kamen wir daher mit einem Satz pro Auto aus. Natürlich sind wir dann zum Schluss in der Zeitenliste nach hinten gerutscht."

Beunruhigen ließen sich Luhr und Rockenfeller hiervon nicht: Wurden die beiden Debütanten in Hockenheim noch deutlich von den Piloten der Mercedes-Jahreswagen in den Schatten gestellt, so ließen sie im gewichtsreduzierten 2006er-A4 am Vormittag mit den Rängen zwei und fünf aufhorchen. Auch so manchen Ingolstädter Neuwagen hängten die Rheinländer damit deutlich ab: Insbesondere Kristensen-Ersatz Frank Biela erlebte auf den Rängen 19 und 20 ein schwieriges DTM-Comeback, nachdem der Ölverbrauch seines Dienstwagens wegen defekter Leitungen die Sparsamkeit gänzlich vermissen ließ...

Sparsame Informationen

"Wir haben definitiv etwas gelernt, was wir für den Sonntag, aber auch für morgen mitnehmen können", enthüllt ein finnischer DTM-Pilot und verrät: "Wir haben Fortschritte gemacht, aber sie sind schwer zu beschreiben." Der Konkurrenz spielt er wertvolle Informationen zu: "Wir mussten unser Auto verbessern, aber auch unser Teamwork - in jeder Hinsicht. Wir mussten noch härter arbeiten. Aber das wäre nicht anders gewesen, wenn wir in Hockenheim gewonnen hätten." Ob es nach dem Testfreitag anders sein wird?

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