Bilanz eines Topspiels
Polizei und Sicherheitskräfte verhinderten, dass nach Abpfiff FCM-Fans in den Gästeblock eindringen konnten. Auf dem Rückweg der Zwickauer Anhänger zum Haltepunkt Herrenkrug bewarfen gewaltbereite Heimfans Polizisten mit Steinen und verletzten 17 Beamte. 400 Polizisten waren im Einsatz, es gab sechs vorläufige Festnahmen und zwölf Strafanzeigen.

GRAFFITI: Der vor dem Hotel der Zwickauer in Ebendorf abgestellte Mannschaftsbus war in der Nacht zum Sonnabend von Unbekannten mit FCM-Parolen großflächig mit Graffiti besprüht worden. Deren Beseitigung soll nach FSV-Vereinsangaben "mehrere tausend Euro" kosten.

SPARWASSER: Jürgen Sparwasser war Augenzeuge des Spiels. Der Ex-FCM-Spieler konnte sich allerdings nicht zu Interviews durchringen.

FERNSEHEN: 160 000 Zuschauer (Quote 9,3 Prozent) verfolgten die Partie live im MDR.

REKORD: 16 092 Zuschauer bedeuteten einen neuen Rekord für den FCM in der 4. Liga. Bisherige Bestmarke waren die 12 042 Besucher am 18. Februar 2009 gegen Babelsberg. Regionalliga-Spitzenwert sind 30 313 (!) Fans vom 7. Februar 2015 zwischen Alemannia Aachen und RW Essen (1:0).

Gewinner & Verlierer
Torsten Ziegner
Die Taktik des Zwickauer Trainers ging voll auf. Auch die Kulisse beeindruckte seine Schützlinge nicht. Sein Team blieb damit zum 15. Mal (!) ohne Gegentor und hat im Aufstiegsrennen weiter die besten Karten.

Auto-Fahrer
Die Rückfahrt wurde zu einer Geduldsprobe. Selbst eine Stunde nach Spielschluss hatte sich der Stau noch nicht aufgelöst, kamen die Pkw nur im Schritttempo voran.

Magdeburg l Knapp 16 100 Zuschauer sorgten zwar für einen fantastischen äußeren Rahmen, doch das Spiel selbst war von der ersten Minute an von der Taktik geprägt. Und die hieß: kein Risiko eingehen, kein Gegentor kassieren. "Man hat gesehen, wie viel Respekt beide voreinander hatten. Es ging vor allem darum, nicht zu verlieren", brachte es Zwickaus Trainer Torsten Ziegner auf den Punkt. Mit dem 0:0 konnte seine Mannschaft auf jeden Fall besser leben als der FCM, dessen Siegesserie nach zehn erfolgreichen Begegnungen riss und der den Sprung an die Spitze verpasste.

"Wir sind nicht zufrieden", bilanzierte FCM-Coach Jens Härtel folgerichtig und bemängelte, dass sein Team "nach starkem Beginn nicht mehr griffig genug war, später müde wirkte, zu wenig Pressing gespielt und auch die Standards nicht gut ausgeführt" habe.

Kurzum: Es war nicht der Tag des FCM, der kurzfristig auf den grippeerkrankten Fabian Zittlau verzichten musste. An der stimmgewaltigen Kulisse lag es jedenfalls nicht. 90 Minuten feuerte vor allem der U-Block die eigene Mannschaft unermüdlich an.

Dennoch hielt sich bei den Elbestädtern die Enttäuschung in Grenzen. "Es war ohne Zweifel nicht unser bestes Spiel, aber wir haben alles reingehauen. Und man darf nicht vergessen, dass der Gegner keine Laufkundschaft war", betonte Kapitän Marius Sowislo und verteidigte die defensive Spielweise: "Bei mehr Risiko hätten wir uns vielleicht noch eine Kirsche eingefangen, das Spiel verloren und am Ende Fragen beantworten müssen, warum wir nicht clever genug sind. Das war o.k. so. Man muss immer die Balance finden."

Kritisch anzumerken bleibt aber, dass die komplette Kreativ-Abteilung des FCM am Sonnabend kaum Ideen entwickelte, um die starke Zwickauer Abwehr in Verlegenheit zu bringen. Lars Fuchs: "Wir haben uns zu wenig Chancen erarbeitet. Für ein Spitzenspiel reicht das nicht." Nur Christian Beck hatte nach Flanken von Sven Reimann und Nils Butzen zwei hochkarätige Chancen (49./60.). Das war`s.

Selbst die Standards, normalerweise ein Trumpf des FCM, blieben diesmal ungefährlich, viele Freistöße kamen gar nicht erst vors Tor. "Da haben wir uns unserer Stärken selber beraubt. Das war schon ärgerlich", räumte Defensiv-Spezialist Silvio Bankert ein.

Auf der Gegenseite setzte Zwickau (Torhüter Marian Unger: "Wir haben unser Minimalziel erreicht") immer wieder Nadelstiche. Die beste Gelegenheit vereitelte Keeper Jan Glinker gegen Marc-Phi-lipp Zimmermann (51.).

FCM: Glinker - Bankert, Puttkammer, Schiller, Butzen, Hammann, Sowislo, Reimann, Fuchs (85. Kruschke), Hebisch (56. Schlosser), Beck

Zwickau: Unger - Göbel, Paul, Mai, Eggert, Wachsmuth, Frick, Zimmermann (66. Grandner), Röhr (71. Schlicht), Luge (87. Morozow), Genausch

Schiedsrichter: Giese (Großräschen). Zuschauer: 16 092. Tore: Fehlanzeige. Gelb: Beck, Reimann / Genausch, Zimmermann, Schlicht

 

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