Stell dir vor, es sind bald Handball-Europameisterschaften und Deutschland ist nicht dabei, dafür aber Österreich. Was sich für SCM-Torjäger Robert Weber immer noch ein klein wenig nach Science-Fiction anhört, ist Realität und "einfach Wahnsinn". Beim bevorstehenden EM-Härtetest treffen Weber und seine "Ösis" ausgerechnet auch auf Deutschland.

Magdeburg l Als sich Robert Weber zwischen den Jahren auf den Weg Richtung Österreich und damit gen Heimat aufgemacht hat, da hatte die pure Vorfreude bereits die Oberhand gewonnen: "Klar freue ich mich jetzt tierisch auf die Jungs aus dem Nationalteam und die EM in Dänemark. Da wollen wir was reißen, und beweisen, dass keiner mehr so leicht an den kleinen ,Ösis\' vorbeikommt."

Dieses vorangestellte, große Ziel und das kleine, persönliche, dass er ein gutes Turnier spielen möge, "und der Name Robert Weber offiziell mit einem Weltklasse-Rechtsaußen in Verbindung gebracht wird", erfordere volle Konzentration. Gleichzeitig bringen diese Herausforderungen den "Dauerbrenner" des SCM aber auch auf andere Gedanken. "Ich kann Magdeburg, das extreme Verletzungspech der Teamkollegen und die damit verbundenen sportliche Krise für ein paar Wochen hinter mir lassen und bekomme den Kopf frei, um dann ab Februar hoffentlich mit dem SCM wieder voll durchstarten zu können", blick der 28-Jährige ein Stück voraus.

Doch zunächst wartet beim Vier-Nationen-Turnier in Deutschland der große Härtetest für die EM. Zur Vorbereitung hat die Mannschaft von Patrekur Johannessons einem Kurz-Lehrgang in Wien bestritten. Gleich zum Auftakt trifft Österreich am heutigen Freitag (20.15 Uhr) auf Deutschland - und Weber damit auf seine Magdeburger Teamkollegen Dario Quenstedt und Stefan Kneer. Danach warten noch Island und Russland.

Dass die Deutschen bei der EM in Dänemark nur Zuschauer sind, kriegt Weber "immer noch nicht so richtig auf die Reihe". Eine EM ohne Deutschland, dem Weltmeister von 2007 und dafür mit Österreich, dem einstigen Handball-Entwicklungsland, sei "irgendwie komisch", findet der Rechtsaußen. "Deutschland war auf internationaler Bühne ein Dauergast und leistungsmäßig über Jahre hinweg tonangebend." Doch wenn er sehe, wer da so im Nationalteam steht, und dass es viele deutsche Spieler in den Vereinen nicht schaffen, an den Ausländern vorbeizukommen, dann sei das durchaus auch ein Erklärung dafür, warum die EM-Quali vergeigt wurde.

Die nach dem Super-Gau aufflammende Diskussion um eine Ausländerbeschränkung habe er "mit großer Sorge" beobachtet, schließlich sei er auch ein Ausländer, so Weber. "Inzwischen verdienen neun Österreicher bei deutschen Erstligisten ihr Geld, und eben diese Arbeitsplätze und meinen sehe ich in Gefahr."

Doch noch ist das alles Zukunftsmusik, und die Wahrscheinlichkeit, dass Österreich bei der EM die erste Geige spielt, relativ gering. Dennoch hat sich das Team Rot Weiß, das in der Vorrunde auf Mazedonien, Tschechien und Gastgeber Dänemark Farbe bekennen muss, einiges vorgenommen: "Das Eröffnungsspiel gegen die Tschechen wird entscheidend für den Rest der Vorrunde sein. Wenn wir gewinnen, kann alles passieren", betont Viktor Szilagyi, der Leader der Österreicher und, was die Vereinserfolge betrifft, auch Webers "großes Vorbild".

"Positiv denken", ist auch das Motto von Johannesson. Der Isländer (Vertrag mit dem ÖHV bis 2015), rechnet sich Chancen auf das Erreichen der Hauptrunde aus. "Es ist mein Charakter, in jedem Fall das Maximum zu geben, egal ob es gegen Grönland oder Dänemark geht."

Jene Ansprüche sind es auch, die den 41-Jährigen zum Wunsch-Kandidaten für den Cheftrainer-Posten beim SCM ab Juli 2014 machen. Allerdings steht bei den Verhandlungen nach Volksstimme-Informationen vor allem Johannessons Tätigkeit als Nationaltrainer zur Disposition. Aus gutem Grund: Die zuletzt gemachten Erfahrungen mit Frank Carstens als Co-Trainer des DHB-Teams waren nicht die Besten ...