Bislang war er bei der zweiten Mannschaft eher im Verborgenen tätig, nun soll er bei der "Ersten" zum Rettungsanker werden und steht ab sofort im Blickpunkt. Die Rede ist von Wolfgang Sandhowe, dem neuen Trainer des abstiegsbedrohten Fußball-Regionalligisten 1. FC Magdeburg. Volksstimme-Redakteur Uwe Tiedemann sprach mit dem 57-Jährigen.

Volksstimme: Sie tragen seit Donnerstag die Verantwortung für die erste Mannschaft. Wie ist der erste Eindruck?

Wolfgang Sandhowe: Recht ordentlich. Die Jungs ziehen gut mit, und mir ist nicht bange, dass die Mannschaft stark genug ist, den Klassenerhalt, und nur darum geht es, schaffen kann.

Volksstimme: Bei Ihrem Vorgänger Ruud Kaiser fiel auf, dass er - siehe Dynamo Dresden und jetzt FCM - zu Beginn durchaus Erfolg hatte, die Mannschaft dann aber abfiel. Gibt es möglicherweise konditionelle Defizite?

Sandhowe: Die habe ich bislang nicht festgestellt. Aber selbst wenn, wäre das nichts für die Öffentlichkeit. Es gibt unter Trainern auch einen gewissen Ehrenkodex. Und da-ran halte ich mich.

Volksstimme: Wie ist der mentale Zustand? Kaiser hatte mehrfach erklärt, die Spieler seien verunsichert.

Sandhowe: Um das zu beurteilen, ist es noch zu früh. Ich führe derzeit zahlreiche Einzelgespräche, habe aber zumindest den Eindruck, dass alle den Ernst der Lage erkannt haben.

Volksstimme: Werden Sie etwas ändern?

Sandhowe: Ja, ab sofort wird es immer Anfang der Woche einen Kampftag geben. Den ersten schon Dienstag.

Volksstimme: Einen Kampftag? Was bitte ist darunter konkret zu verstehen?

Sandhowe: Das bedeutet, dass wir uns um 8 Uhr treffen und die Spieler erst am Abend um 18 Uhr wieder nach Hause dürfen. An dem Tag wird insgesamt dreimal trainiert, gleich am frühen Morgen, dann mittags mit Zweikampfschulung eins gegen eins oder zwei gegen zwei und noch einmal abends mit Spielformen und Kraftausdauer.

Volksstimme: Haben Sie den sogenannten Kampftag bei jedem Verein eingeführt?

Sandhowe: Nein, nur dort, wo es nötig war wie zum Beispiel bei Carl Zeiss Jena.

Volksstimme: Sehen Sie sich nur als Feuerwehrmann oder als Kandidaten für eine längerfristige Lösung?

Sandhowe: Damit beschäftige ich mich überhaupt nicht. Wir können derzeit nur von Spiel zu Spiel denken und müssen alles dem Klassenverbleib unterordnen.

Volksstimme: Haben Sie eine Art Himmelfahrtskommando übernommen?

Sandhowe: Ich bin mit Leib und Seele Trainer. Da lernt man schnell, dass es keine leichten Aufgaben gibt. Außerdem ist der FCM mit seinen Superfans, dem tollen Stadion und der Spielklasse Regionalliga für mich sehr reizvoll.

Volksstimme: Wie würden Sie sich selber beschreiben?

Sandhowe: Als einen Motivator, der geradeheraus ist und immer gewinnen will.

Volksstimme: Nun geht\'s zu Hertha BSC II. Sie kennen den Berliner Fußball. Ein Vorteil?

Sandhowe: Das wird man sehen. Ich rechne aber damit, dass einige Spieler aus dem Profikader dabei sind. Das macht die Aufgabe dann natürlich nicht einfacher.

Volksstimme: Wird\'s taktische Änderungen geben?

Sandhowe: Weiß ich noch nicht, könnte mir aber vorstellen, künftig mit zwei festen Spitzen zu spielen.