Fußball-Regionalligist 1. FC Magdeburg hat gestern Abend bei Türkiyemspor den so dringend benötigten Pflichtsieg eingefahren und sich so Luft im Abstiegskampf verschafft. Die Elbestädter gewannen vor 500 Zuschauern im Berliner Jahnsportpark durch ein Tor von Wolf mit 1:0. Es war der erste Erfolg bei den Kreuzbergern nach 17 (!) Jahren.

Von Uwe Tiedemann

Berlin. Aufatmen bei Club-Trainer Sandhowe, dass Stammkeeper Tischer, der sich beim Aufwärmen vorm Heimspiel gegen Havelse zwei Finger ausgekugelt und seitdem Schmerzen hatte, einsatzbereit war. Allerdings sollte der FCM-Torhüter einen weitgehend beschäftigungslosen Abend verbringen ...

Die Gäste übernahmen gegen das abgeschlagene und schon lange als Absteiger feststehende Liga-Schlusslicht (noch kein einziger Saisonsieg) zwar frühzeitig die Initiative, doch allen Akteuren war die Verunsicherung und Verkrampfung anzumerken. So gab es in der Anfangsphase nur eine nennenswerte Möglichkeit, als Stiefel mit einem Volleyschuss in Köhlmann seinen Meister fand (7.). Mit zunehmender Dauer erhöhten die Elbestädter den Druck, verpassten mehrfach den Führungstreffer nur knapp, leisteten sich aber auch immer wieder individuelle Fehler und Missverständnisse.

So hielt das Bollwerk der Berliner, die zuletzt 0:8 (!) in Kiel verloren hatten, erst einmal bis zum Pausenpfiff. Das lag auch daran, dass sich der Club mittlerweile dem schwachen Niveau angepasst hatte. In der 40. Minute musste Tischer Kopf und Kragen riskieren und per Kopf nach einer verunglückten Halke-Rückgabe retten. Im Gegenzug dann beinahe doch noch das 0:1, doch Köhlmann klärte gegen Becker, der zentral am Fünfer stehend eigentlich hätte treffen müssen, im Nachfassen.

Zweite Hälfte: Der FCM musste nun das Risiko erhöhen, wusste natürlich, dass ein 0:0 nicht reicht. Und tatsächlich: In der 53. Minute erzielte Wolf mit einem Kopfball das erlösende Führungstor. Riesenerleichterung bei allen Beteiligten.

In der Folgezeit versuchte der Club nachzulegen, um für die Vorentscheidung gegen harmlose Berliner zu sorgen. Doch das gelang nicht, vieles blieb auch jetzt Stückwerk, und so "durfte" bis zum Abpfiff gezittert werden, zumal Türkiyemspor noch einmal alle Kräfte mobilisierte. Doch dem FCM reichte am Ende eine allenfalls durchwachsene Leistung, um den Gegner in Schach zu halten und damit auch die schwarze Serie im Jahnsportpark, wo man seit Jahren nichts mehr gerissen hatte, zu brechen.

Kommentar von Sandhowe, der im Unterhemd das Spielfeld verließ, nachdem ihm Fans das T-Shirt vom Leib gerissen hatten: "Wir haben spielerisch keine Glanzpunkte gesetzt, die Partie aber kontrolliert und am Ende auch verdient gewonnen. Das war Balsam auf die Wunden der letzten Wochen."

Türkiyemspor: Köhlmann - Yesilli, Austermann (52. Dikmen), Ilgin, Cabuk, Kücük, Cay, Selcuk, Aykut (59. Koca), Maass (69. Temel), Mengi

FCM: Tischer - Müller, Halke, Friebertshäuser, Köhne (71. Rodrigues), Scharlau, Bauer, Stiefel (83. Instenberg), Becker, Wolf, Verkic (73. Biran)

Schiedsrichter: Schwegler (Dortmund). Zuschauer: 500. Tor: 0:1 Wolf (53.). Gelb: Selcuk, Mengi, Cabuk, Illgin / Friebertshäuser, Instenberg