Der 1. FC Magdeburg hat gestern eine erhebliche Lücke in seiner sportlichen Struktur geschlossen: Erstmals seit über einem Jahrzehnt verpflichtete der Fußball-Regionalligist mit Detlef Ullrich wieder einen hauptamtlichen Sportlichen Leiter. Der 55-Jährige, der bis Juni noch Energie Cottbus II trainiert, unterschrieb einen Zwei-Jahres-Vertrag.

Magdeburg. "Leidenschaft und ehrliche Arbeit" - so überschrieb Ullrich gestern vor Journalisten seine Philosophie vom Fußball. Ergänzt müsse das alles werden durch "den Mut, attraktiven Fußball zu spielen", einen Fußball, "der die Menschen hier mitnimmt. Wir wollen für Euphorie sorgen".

Für ihn, so Ullrich, sei es eine "große Ehre", künftig für den ostdeutschen Traditionsklub arbeiten zu dürfen ("Ich wäre auch gekommen, wenn man tatsächlich in die fünften Liga gemusst hätte"). Der FCM sei für ihn heute "ein schlafender Riese, man muss ihn nur wecken".

Mit einem Blick zurück meinte Ullrich: Man könne entweder in Tradition erstarren oder sie dazu nutzen, zu neuen Ufern aufzubrechen. Und er fügte hinzu: "Ich trete hier an, um zu arbeiten, immer wieder zu arbeiten."

Auch wenn er noch bis Ende Juni beim FC Energie - der ihm laut "Lausitzer Rundschau" für die neue Saison nur einen Vertrag als Trainer des U-17-Teams angeboten hatte - gebunden sei, werde er parallel dazu seine Tätigkeit für den FCM aufnehmen. Eine Wohnung in Magdeburg hat sich der verheiratete Vater zweier Kinder schon angeschaut.

Ullrich, den Präsident Peter Fechner als den "Wunschkandidaten von Aufsichtsrat und Präsidium" bezeichnete, wird als Sportlicher Leiter künftig für die 1. Mannschaft, den Nachwuchs und den Spielbetrieb zuständig sein.

Der neue Sportdirektor nannte es ein "realistisches Ziel", in der vierten Liga künftig vorn mitspielen zu wollen. Jetzt bereits den Aufstieg anzupeilen, sei jedoch nur sinnvoll, wenn die entsprechenden Voraussetzungen gegeben seien ("Die Möglichkeiten sind jedenfalls da").

Eine Voraussetzung dafür sei es, zunächst einen Trainer für die neue Saison zu finden. "Ordnung, Disziplin und Ehrlichkeit - das muss er verkörpern", sagte Ullrich. Der bisherige Coach Wolfgang Sandhowe sei dabei erster Ansprechpartner: "Natürlich hat er eine Chance." Laut Fechner hat der Sportdirektor das alleinige Sagen bei der Wahl des Trainers.

Ullrich kündigte ferner an, entsprechend der finanziellen Möglichkeiten des Vereins den Kader sukzessive zu verändern: "Neuaufbau ja, aber keinen totalen Umbruch." Ihm seien in den letzten Tagen zahlreiche Spieler angeboten worden, "aber da muss man sehen, was möglich ist". Er wolle allerdings möglichst auf junge Talente aus der Region setzen. Meinung