Aalen - Drei Tage nach dem Coup in Dortmund hat sich Hannover 96 im DFB-Pokal blamiert und ist mit 0:2 (0:1) beim VfR Aalen ausgeschieden.

Beim Tabellen-Vorletzten der 2. Liga verpasste der Fußball-Bundesligaclub aus Niedersachsen vor nur 5448 Zuschauern zum siebten Mal in den vergangenen acht Jahren den Einzug ins Pokal-Achtelfinale. Aalen dagegen steht dank eines Eigentors von Ceyhun Gülselam (24. Minute) und dem Treffer von Michael Klauß (59.) zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte in der Runde der letzten 16 Mannschaften. "Es hat alles gepasst heute, das war unter dem Strich ein verdienter Sieg", sagte der hocherfreute Trainer Stefan Ruthenbeck.

Hannovers Vereinschef Martin Kind klagte dagegen nach der Pleite: "Man hat gesehen, dass jede Motivation und jede Einstellung gefehlt hat. Dann läuft man ein bisschen langsamer, kommt zu spät, nimmt die Zweikämpfe nicht an und dann verliert man so ein Spiel." 96-Trainer Tayfun Korkut fügte hinzu: "Wir sind alle sehr enttäuscht. Wir haben nicht gegen eine Mannschaft gespielt, die vor dem Spiel als Favorit galt. Das waren wir."

Entsprechend selbstverständlich übernahmen die Gäste nach dem Anpfiff die Kontrolle. Jan Schlaudraff gab den Ballverteiler, außer ihm rückten im Vergleich zum 1:0 gegen Borussia Dortmund noch Florian Ballas und Hiroki Sakai in die Startelf. Ballas, eigentlich für die zweite Mannschaft der Gäste aktiv, spielte in der Innenverteidigung als Ersatz für den gesperrten Marcelo eine unauffällige Partie - war dafür aber an der ersten klaren Torchance für Hannover beteiligt.

Ballas\' Kopfball nach Hiroshi Kiyotakes Ecke zwang Daniel Bernhardt in der 18. Minute zu einer spektakulären Parade. Bernhardt durfte wie in der ersten Runde anstelle von VfR-Stammkeeper Jasmin Fejzic spielen. Mit bester Sicht konnte er so beobachten, warum Hannover auswärts so wenig Tore schießt. Die Gäste hatten zwar ständig den Ball, aber gegen den dicht gestaffelt stehenden Zweitligisten keinen sichtbaren Plan, wie sie die Kugel gefährlich in den Strafraum bringen wollten.

Ganz anders die Gastgeber: Ein Schuss aus abseitsverdächtiger Position von Dominick Drexler (22.) war das Startsignal zu einer Sturm- und Drangphase, die in den Treffer zum 1:0 mündete. Andreas Ludwig rettete einen schon verloren gelaubten Ball vor der Torauslinie, seine Hereingabe lenkte Gülselam ins eigene Netz. Nationaltorwart Ron-Robert Zieler war chancenlos. Auch beim Freistoß von Jürgen Gjasula nach 28 Minuten hätte er wohl das Nachsehen gehabt. Gjasula, neben Bernhardt und Klauß der dritte Neue im Vergleich zum Liga-Spiel gegen Union Berlin (1:2), zielte aus gut 20 Metern aber knapp links am Tor vorbei.

Mit Artur Sobiech und dem genesenen Edgar Prib für Leonardo Bittencourt und Schlaudraff wollte 96-Coach Korkut 13 Minuten nach Wiederanpfiff mehr Schwung in die Offensivaktionen bringen - und sah keine 60 Sekunden später, wie seine Defensive auseinander kombiniert wurde. Klauß musste den Ball im ersten Spiel nach überstandenem Muskelfaserriss nur noch ins leere Tor schieben. Kiyotake (59.) und Prib (75.) hatten danach zwar gute Gelegenheiten für den zunehmend wütender agierenden Erstligisten, Bernhardt aber stand immer im Weg und brachte die Fans auf der Ostalb zum Jubeln. Phil Ofosu-Ayeh vergab sogar noch das 3:0 gegen Zieler (90.+1).