Hamburg - Die Erleichterung des Hamburger SV über das Nachsitzen in der Fußball-Bundesliga ist gewaltig. "Wir sind noch am Leben", seufzte Mittelfeldspieler Lewis Holtby nach dem 2:0 (0:0) seiner Mannschaft gegen den FC Schalke 04.

Der HSV ist vom vorletzten Tabellenrang auf Platz 16 gesprungen und hat sich damit in die Extrarunde der Bundesliga gerettet. Vor der Partie galten die Hamburger neben Paderborn als Abstiegskandidat. Jetzt müssen die Hanseaten am nächsten Donnerstag im heimischen Stadion und am 1. Juni beim Tabellendritten der 2. Bundesliga antreten. Bereits im Vorjahr standen die Norddeutschen in der Relegation und sicherten sich gegen Greuther Fürth mit Glück den Klassenverbleib (0:0, 1:1).

"Dass wir die Relegation geschafft haben, ist sensationell", sagte HSV-Trainer Bruno Labbadia. Er hatte die Mannschaft für die letzten sechs Saisonspiele auf dem letzten Tabellenplatz übernommen und zehn von 18 möglichen Punkten geholt. "Wir haben uns den Sieg verdient." Das dreitägige Trainingslager in Malente, wo schon die deutsche Nationalmannschaft den Grundstein für den Gewinn der WM-Titel 1974 und 1990 legte, hatte sich gelohnt. Ob der Trainer vor den Relegationsspielen erneut in die Abgeschiedenheit der Holsteinischen Schweiz reisen will, ließ Labbadia offen.

Ivica Olic (49. Minute) und Slobodan Rajkovic (58.) erzielten die Tore für die Hamburger und versetzten die mit 57 000 Zuschauern ausverkaufte Arena in einen Freudentempel. Zwischenzeitlich, als der VfB Stuttgart in Paderborn in Führung gegangen war, wurde es ruhig in der Arena. Lediglich die 5000 Schalker Fans, die höhnisch mit Taschentüchern winkten und den zwischenzeitlichen Abstieg des HSV mit "Nie mehr 1. Liga"-Gesängen feierten, sorgten dann für Stimmung.

Die Zuschauer mussten einige Minuten nach dem Schlusspfiff warten, ehe auch die Partien in Hannover und Paderborn beendet waren. Fans schwangen Fahnen und Trikots und sangen "Immer 1. Liga - HSV". Das Bundesliga-Gründungsmitglied hat sein Alleinstellungsmerkmal unter allen Konkurrenten in der Eliteliga vorerst gerettet und darf hoffen, weiterhin nach München und Dortmund statt nach Heidenheim und Sandhausen reisen zu dürfen.

Unzufrieden war Roberto Di Matteo. Sein Schalker Team konnte in den vergangenen zehn Spielen lediglich zweimal gewinnen und wies einen erschreckenden Abwärtstrend nach. "Wir beenden die Saison mit einem Tief und sind natürlich unzufrieden", erklärte der Italo-Schweizer. "Wenn der Wurm mal drin ist, fehlt das Selbstvertrauen vor dem Tor."

In der zerfahrenen Partie, die keinerlei Leistungsdifferenzen zwischen dem künftigen Europa-League-Starter Schalke und Beinahe-Absteiger HSV erkennen ließ, fanden die Gastgeber zunächst kein Mittel. Zumeist blieben sie in der dicht gestaffelten Abwehr der Gäste hängen. Die Schalker vertrauten auf Konter, vergaben aber die einzige gute Möglichkeit vor der Pause durch Klaas-Jan Huntelaar kläglich (42.). Bei den Hamburgern hatte der eingewechselte Artjoms Rudnevs die Führung auf dem Fuß (30.), verzog jedoch als elf Metern Entfernung. Der Lette hatte schon nach 27 Minuten den verletzten Stürmer Pierre-Michel Lasogga ersetzt.

Nach dem Seitenwechsel agierten die Hamburger druckvoller. Eine eingesprungene Vorlage von Johan Djourou, der den Ball an Olic weiterleitete, brachte den Führungstreffer. Danach setzten die Gastgeber nach und wurden mit dem zweiten Treffer durch Rajkovic belohnt. Der Serbe war nach einem Freistoß von Lewis Holtby zur Stelle. Holtby war für den verletzten Marcell Jansen in die Startelf gerückt, den gelbgesperrten Rafael van der Vaart ersetzte Marcelo Diaz. Bei Schalke 04 durfte der für eine Woche suspendierte Marco Höger wieder spielen.

Spieldaten:

Ballbesitz in %: 53,6 - 46,4

Torschüsse: 11 - 11

gew. Zweikämpfe in %: 55,3 - 44,7

Fouls: 16 - 18

Ecken: 3 - 6

Quelle: optasports.com