Tripoli - Als das Trauerspiel von Tripoli sein unrühmliches Ende gefunden hatte, senkten selbst die treuesten Anhänger des FSV Mainz 05 frustriert den Daumen.

Mit leerem Blick und gesenktem Kopf ließen die konsternierten FSV-Profis die Schimpftiraden der mitgereisten Fans nach dem 1:3 (1:1) bei Asteras Tripolis über sich ergehen. In der Heimat entlud sich derweil der Zorn über das abermalige Scheitern in der Europa-League-Qualifikation in den sozialen Netzwerken. Auch im dritten Anlauf bleibt die Tür zur Gruppenphase für den Fußball-Bundesligisten zu. "Ich bin sehr enttäuscht und auch ein wenig schockiert", räumte Trainer Kasper Hjulmand ein.

Innerhalb von 90 Minuten machten die Mainzer ihre Arbeit einer ganzen Saison zunichte und schadeten zugleich dem deutschen Fußball, dessen Europacup-Präsenz durch das Aus auf sechs Teams geschrumpft ist. Präsident Harald Strutz war entsprechend konsterniert. "Dass wir ausgeschieden sind, ist sehr bedauerlich. Und dass die Fans frustriert sind, kann ich verstehen", erklärte Strutz. Er appellierte aber zugleich: "Man sollte die Mannschaft jetzt nicht auf die Anklagebank setzen."

Hatten sich die Mainzer bei ihrem ersten Europa-Abenteuer 2005 zumindest in die Playoff-Runde gekämpft, blamierten sie sich nun beim Underdog aus Griechenland wie schon vor drei Jahren gegen die allenfalls drittklassigen Rumänen von Gaz Metan Medias. "Es reicht einfach nicht. Dass wir das Spiel so aus der Hand geben, darf uns nicht passieren. Es ist furchtbar und tut mir für alle Fans leid. Das ist nicht zu entschuldigen", übte Mittelfeldspieler Julian Baumgartlinger Selbstkritik.

"Ich kann mich nur entschuldigen bei allen Verantwortlichen und den Fans, die alles auf sich nehmen und ihr Geld ausgeben, um uns hier zu unterstützen", pflichtete Defensivmann Johannes Geis bei. "Das ist eine bittere Pille. Wir wollten uns belohnen für die vergangene Saison. Dass es dann so läuft, ist scheiße."

Nach dem 1:0 im Hinspiel sah es beim 1:1 zur Halbzeit noch nach einem Weiterkommen der Rheinhessen aus. Ja-Cheol Koo hatte in der 39. Minute die Führung der Hausherren durch Pablo de Blasis (30.) ausgeglichen und die Nerven der Mainzer beruhigt. Doch ein Doppelpack von Pablo Mazza (68./86.) riss die 05er aus ihren Europa-Träumen. "In den letzten 20 Minuten haben wir völlig die Kontrolle verloren. Da waren wir zu nervös, haben schlecht verteidigt und schlecht nach vorne gespielt", resümierte Hjulmand.

Der Däne, der im Sommer die Nachfolge von Thomas Tuchel angetreten hat, ist nun gefordert. Schon werden erste Stimmen laut, die den Mainzern eine schwere Bundesligasaison vorhersagen. "Wir müssen uns jetzt zusammenreißen", forderte Geis. Denn am kommenden Freitag steht bereits die Pokal-Aufgabe beim Drittliga-Spitzenreiter Chemnitzer FC an. Sollten die Mainzer noch vor dem Bundesligastart auch im zweiten Wettbewerb scheitern, stünden unruhige Tage ins Haus. FSV-Boss Strutz gab daher die Parole aus: "Wir müssen das jetzt abhaken und schauen, dass wir gegen Chemnitz weiterkommen."