Florenz - Die gellenden Pfiffe der Fans nach dem Schlusspfiff erlebte Mario Gomez auf der Ersatzbank. Fast eine Halbzeit lang wärmte sich der deutsche Fußball-Nationalstürmer vom AC Florenz während der Europa-League-Partie gegen den FC Sevilla auf, um am Ende doch nicht zu spielen.

"Ich wollte ihn einwechseln, aber dann hatte ein Mittelfeldspieler physische Probleme und ich habe ihm aus Respekt gesagt, dass er sich nicht weiter aufzuwärmen braucht", kommentierte Trainer Vincenzo Montella seine Entscheidung gegen Gomez während der 0:2-Niederlage gegen Sevilla und dem Aus im Halbfinal-Rückspiel.

Für Florenz waren nach dem 0:3 im Hinspiel alle Hoffnungen auf eine Aufholjagd schnell dahin, als Sevillas Carlos Bacca in der 22. Minute zum 0:1 traf. Den aus italienischer Sicht extrem bitteren Abend machte der SSC Neapel perfekt, der mit 0:1 beim ukrainischen Club Dnjepr Dnjepropetrowsk (Hinspiel 1:1) auch den Einzug ins Endspiel in Warschau verpasste. "Finale verspielt. Auf Wiedersehen Europa League", titelte die Gazzetta dello Sport", während "Tuttosport" stichelte: "Neapel verspottet, Euroflop. Viola in Stücken."

Gomez\' Nicht-Berücksichtigung nach seiner schwachen Leistung im Hinspiel war für die italienischen Medien erneut ein Indiz, dass das Verhältnis zwischen dem 29-Jährigen und Coach Montella zerrüttet ist. "Die aufsehenerregende Zurückweisung von Gomez könnte zu einem Fall werden. War es klug, auf einen Spieler zu verzichten, der in Schwierigkeiten steckt, aber an Herausforderungen auf diesem Niveau gewohnt ist?", fragte die "Gazzetta dello Sport". Gomez, der zuletzt betont hatte, in Florenz bleiben zu wollen, äußerte sich nicht.

Auch für Montella war das kein Thema - er kritisierte stattdessen die Fans für ihre Pfiffe nach dem Aus. "Die Spieler sind enttäuscht, sie sind wütend über die Niederlage und wütend über die Behandlung", schimpfte er. "Bayern München scheidet im zweiten Jahr hintereinander in der Champions League aus und bekommt Applaus. Ich glaube, dass die Mannschaft alles gegeben hat." Kapitän Joaquin gab zu: "Wir haben viel versucht, um ins Finale zu kommen, aber es hat nicht gereicht."

Wut und Enttäuschung herrschten auch beim SSC Neapel vor, der sich in beiden Duellen gegen Dnjepr vom Schiedsrichter benachteiligt fühlte und mit seinen vergebenen Torchancen haderte. "Wir hätten treffen müssen, wir hätten mehr verdient gehabt", meinte Trainer Rafael Benítez, dessen Zukunft in Neapel nach dem verpassten Finale weiter unsicher ist. "Es ist schade, ich denke, wir hätten den Finaleinzug über beide Spiele gesehen mehr verdient gehabt."

Nach der Enttäuschung in Europa setzen nun sowohl Florenz als auch Neapel darauf, in den verbleibenden drei Ligaspielen ihre Ziele zu erreichen. "Ich habe Vertrauen, dass wir die Saison positiv beenden", betonte Benítez. Während Napoli als Vierter noch auf die Champions League schielt, will Florenz vor allem Rang fünf und damit die erneute Qualifikation für die Europa League sichern.