Novo Sancti Petri l Jens Härtel ist mit dem 1. FC Magdeburg in die 3. Liga aufgestiegen, hat in der vergangenen Saison den Klassenerhalt geschafft und belegt mit dem Team momentan Rang zwei. Im Volksstimme-Interview spricht der 47-jährige Coach über das Trainingslager, grippegeschwächte Spieler und die 2. Liga.

Volksstimme: Der FCM ist zum dritten Mal in Folge im Trainingslager im spanischen Novo Sancti Petri. Welche Unterschiede gibt es im Vergleich zu den Vorjahren?

Jens Härtel: Die Unterschiede ergeben sich bei den Testspielen. Im ersten Jahr haben wir gegen Cádiz gespielt, im Vorjahr gegen einen unterklassigen Verein. Diesmal konnten wir Partien gegen den spanischen Drittligisten San Fernando, den Zweitligisten Karlsruher SC und den Liga-Konkurrenten FSV Frankfurt vereinbaren. Das beeinflusst natürlich auch die Trainingsarbeit. Hinzu kommt, dass wir in diesem Jahr einige grippegeschwächte Spieler haben.

Wie ist die Situation mit den angeschlagenen Spielern?

Das ging schon in Magdeburg los und hat sich in Spanien nahtlos fortgesetzt. Bei den meisten ging es nach ein oder zwei Tagen wieder besser. Sebastian Ernst und Steffen Puttkammer geht es momentan noch nicht so gut, wir hoffen aber, dass es bald besser wird.

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Sie haben 26 Spieler im Kader, bis auf André Hainault sind alle in Spanien dabei. Sind im Winter noch Zu- oder Abgänge geplant?

Ich habe schon viel erlebt. So lange wie das Transferfenster offen ist, kann immer etwas passieren. Niklas Brandt ist beispielsweise mit Knieproblemen angeschlagen. Bei ihm müssen wir schauen, wie es sich entwickelt. Es kann natürlich auch sein, dass Spieler unzufrieden sind und wechseln wollen. Dann müssten wir noch mal reagieren.

Wäre Aridane Hernández vom FC Cádiz ein Kandidat, der jetzt im Winter kommen könnte?

Das ist völlig ausgeschlossen. Er spielt in der spanischen 2. Liga, warum sollte er in die 3. Liga nach Deutschland gehen? Das ist unrealistisch. Wir haben uns auch nicht mit ihm beschäftigt.

Welchen Eindruck haben Sie bisher von Neuzugang Charles Elie Laprevotte?

Gegen San Fernando war es in Ordnung, gegen Karlsruhe ist Charles Elie gar nicht ins Spiel gekommen. Er war auch grippegeschwächt, deutet im Training aber an, was er kann. Erfahrungsgemäß dauert es bei neuen Spielern oft ein bisschen, bis sie unseren Stil verinnerlicht haben. Charles Elie muss die Dinge annehmen, die wir verlangen, damit er sein fußballerisches Können voll entfalten kann. Dafür werden wir ihm jede Hilfestellung geben.

Er sieht sich selber in der Zentrale, ob defensiv oder offensiv. Wo sehen Sie ihn? Zuletzt durfte er zweimal hinter den Spitzen ran.

Er ist ein Zwischenspieler, hat auf beiden Positionen seine Stärken, ist aber kein klassischer Offensiv- oder Defensiv-akteur. Einen solchen Spieler haben wir gesucht.

Steffen Puttkammer hat vor Weihnachten um die Freigabe im Falle eines Interessenten gebeten? Geht er noch im Winter?

Die Initiative ging von Steffen aus. Er hat gesagt, dass es nicht sein Anspruch ist, zwischen Bank und Tribüne zu pendeln. Es geht bei uns aber um Leistungssport und in der Hinrunde waren aus meiner subjektiven Trainersicht die anderen einen Tick besser. Deshalb hat er nicht mehr Spielzeit bekommen.

Auch Ihr Vertrag läuft aus. Verlängern Sie und wenn ja, wann?

Es gab einen klaren Fahrplan, der auch kommuniziert wurde. Daran hat sich nichts geändert. Wir haben gesagt, dass wir uns im Winter zusammensetzen, und der Winter dauert ja noch etwas. Es kann aber auch ganz schnell gehen. Ich will zwar nicht vorgreifen, bin aber bezüglich der Verlängerung guter Dinge.

Es gibt auch viele Argumente, die für eine Verlängerung sprechen.

Man darf das aber nicht nur vom Tabellenplatz abhängig machen. Der Schlüssel für einen Verein ist immer, dass er sich weiterentwickelt. Stillstand ist Rückschritt. Ich denke, dass der FCM gut aufgestellt ist und seine Hausaufgaben gemacht hat.

In der 3. Liga belegt der FCM den zweiten Tabellenplatz. Ist das eher Chance oder Hypothek?

Wenn man sieht, dass wir nach sechs Spieltagen im Tabellenkeller waren und alles infrage gestellt wurde, dann ist die Situation jetzt im Vergleich sehr entspannt. Es ist kein Druck da, alles ist positiv. Wir genießen das und wollen weiterhin in der Situation bleiben, in der wir jetzt sind.

Was ist in dieser Saison für den 1. FC Magdeburg möglich?

In der 3. Liga ist vieles möglich. Wichtig ist, dass wir uns nicht verrückt machen lassen. Eine Prognose abzugeben, ist schwierig. Als Tabellenzweiter möchte man aber eher nach oben schauen.

Welche Spieler haben noch Nachholbedarf?

Die Spieler, die grippegeschwächt waren oder sind, haben natürlich Nachholbedarf. Bei ihnen ist einiges verloren gegangen, das sie wieder aufholen müssen. Die Physis spielt gerade in der 3.Liga eine große Rolle.

Die Wintervorbereitung ist wie im Vorjahr sehr kurz? Zu kurz?

Für einen Trainer ist die Vorbereitung immer zu kurz. Optimal wäre es gewesen, wenn die Jungs noch eine Woche länger Zeit zum Regenerieren gehabt hätten und danach fünf bis sechs Wochen Vorbereitung. Das gibt der Zeitplan aber nicht her. Wir sind aber froh, dass es in Deutschland überhaupt noch eine Winterpause gibt und wir nicht durchspielen müssen.