Judo – ein sehr ästhetischer Sport mit intensivem Trainings- und Zeitaufwand. In unserer Serie "Mein Hobby" stellen wir die Genthiner Judoka vor, die in Kürze nach Südafrika fliegen werden.

Genthin. Vorfreude ist bekanntlich die schönste. 22 Genthiner Judoka freuen sich auf den 12. Juli. An diesem Montag werden sie in den Flieger steigen, der in Richtung Afrika abheben wird. Ziel der kleinen Genthiner Reisegruppe ist das knapp 9000 Kilometer entfernte Pretoria.

Die Reise-Idee fusst auf der Tatsache, dass Trainerin Ines Ernst ehrenamtlich beim Deutschen Judobund arbeitet. Dort gibt es ein Austauschprogramm zwischen Sportlern aus beiden Ländern, das vom Deutschen Olympischen Sportbund gefördert wird. Wie so oft im Leben kam der Kontakt mit den dortigen Sportlern auf privater Ebene zustande. Ines Ernst‘ Tochter Friederike war bereits über Schüleraustausch in Südafrika – und so nahm der Kontakt seinen Lauf.

Vorläufiger Höhepunkt war im vergangenen Jahr, als 25 Leute aus Johannesburg und Pretoria Gäste des Genthiner Judoclubs waren. Ines Ernst: "Sie waren hier bei Gastfamilien untergebracht. Wir hatten eine gute Zeit, sowohl auf sportlicher, als auch auf kulturell und zwischenmenschlicher Ebene." Jetzt findet die internationale Begegnung in umgekehrter Richtung statt.

Die Förderung des Olympischen Sportbundes war allerdings an die Bedingung geknüpft, dass diese Begegnung nicht während der dortigen Fußball-Weltmeisterschaft stattfindet. "Damit können wir leben", meint Ines Ernst, obwohl sie sich sehr gern vom Fußballfiber anstecken lassen hätten. In Südafrika hat Judo einen anderen Stellenwert als in Deutschland. Die afrikanischen Gastgeber leben quasi in ein Judo-Entwicklungsland: "Daher sind die sportlichen Ergebnisse für uns eher zweitrangig. Vielmehr wollen wir eine andere Kultur kennenlernen, wollen hautnah mitbekommen, wie die Menschen hier wirklich leben", sagt die Trainerin.

Dennoch wird es sportliche Vergleichskämpfe geben. Eben dafür sind die Genthiner Judoka ganz neu und ganz schick eingekleidet worden. Stifter der Ausrüstung ist der Roßdorfer Unternehmer Hartmut Ernst, dessen Firma auf dem Fliesen- und Natursteinmarkt tätig ist. Sohn Maximilian gehört zur erfolgreichen Trainingsgruppe von Ines Ernst, war auch schon Landesmeister. Ohnehin hat Hartmut Ernst ein Faible für die Bewegung: "Meine 25 Mitarbeiter werden demnächst das Sportabzeichen machen." Ganz wichtig – Ines Ernst, Hartmut Ernst – weder verwandt noch verschwägert. Ganz langsam können die Betreuer Ines Ernst und Frank Schüller sowie die 20 Judoka im Alter von 11 bis 27 Jahren ans Kofferpacken denken. Darin enthalten wird auch ein Deutschland-Trainingsanzug sein. Damit werden die Genthiner zu Botschaftern ihrer Heimat in 9000 Kilometer Entfernung. Allein diese Tatsache ist weltmeisterlich.